Styropor entsorgen – welche Kosten tatsächlich anfallen

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Bis zum Anfang des Jahres 2018 gab es viel Unsicherheit, was die Entsorgung von Styropor betraf – die Preise für das Entsorgen erreichten astronomische Höhen von mehreren tausend Euro pro Tonne. Warum das so war und was das Entsorgen von Styropor aktuell (2018) tatsächlich kostet, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Was kostet das Entsorgen von Styropor aktuell?

Kostencheck-Experte: Nachdem sich seit Ende 2017 einige gesetzliche Änderungen ergeben haben und zur Zeit noch eine Übergangsregelung für die Entsorgung gilt, liegen die Preise für das Entsorgen von Polystyrol in allen seinen Erscheinungsformen auf relativ gemäßigtem Niveau.

Die Kosten für die reine Entsorgung können je nach Entsorgungsbetrieb aber immer noch stark schwanken – zwischen rund 200 EUR und 950 EUR je Tonne sind hier möglich. Sind auf dem Styropor allerdings Anhaftungen vorhanden, insbesondere aus teer- oder bitumenhaltigen Materialien, kann die Entsorgung fallweise auch noch deutlich teurer werden.

In der Vergangenheit lagen die Preise für das Entsorgen von Styropor allerdings deutlich höher, weit über das Zehnfache dieses Betrags hinaus. Wie sich die Entsorgungskosten insbesondere für Dämmmaterialien aus Styropor zukünftig entwickeln werden, lässt sich aber noch nicht mit letzgültiger Sicherheit voraussagen.

Aktuelles Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir lassen uns von einem regionalen Entsorgungsbetrieb einen Container bereitstellen, um eine alte Polystyrol-Dämmung zu entsorgen. Das Dämmmaterial hat nur Anhaftungen von Kleberresten und ist frei von bitumenhaltigen Anhaftungen.

Posten Preis
Bereitstellung 10 m³ Container 80 EUR
Transportkosten 62 EUR
Übernahmeschein (Nachweispflicht für den Entsorger) 45 EUR
Verpackungssäcke 70 EUR
Entsorgungskosten EPS-Dämmung 10 m³ = 0,4 t 260 EUR
Gesamtkosten 517 EUR
Kosten pro m³ im 10 m³ Container 51,70 EUR pro m³

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Allein für den Container und Transport können erhebliche Kosten entstehen
Hierbei handelt es sich lediglich um ein einzelnes Kostenbeispiel, das nur für ganz bestimmte Styroporabfälle und einen bestimmten Entsorgungsbetrieb in einem bestimmten Gebiet gilt. Die Preise von anderen Entsorgungen können in der Praxis auch deutlich von diesen Preisen abweichen.

Unser Kostenbeispiel zeigt aber bereits deutlich, dass neben den reinen Entsorgungskosten auch die Container- und Transportkosten nicht unterschätzt werden dürfen. In der Praxis muss man also immer die Gesamtkosten im Blick haben.

Frage: Wovon hängen die Entsorgungskosten für Styropor in der Praxis ab?

Kostencheck-Experte: Hier gilt es einiges zu beachten. Eine Rolle spielen für die Entsorgungskosten:

  • die Art der Styropor-Abfälle
  • eventuelle Anhaftungen
  • die Menge der Abfälle
  • die Region in der entsorgt werden soll
  • die Kosten für Container und Transport
  • die Kosten für den Nachweisschein des Entsorgungsbetriebs
  • mögliche zukünftige gesetzliche Regelungen über die Entsorgung

Alle diese Dinge muss man in Betracht ziehen, wenn es um die Entsorgung von Styropor-Abfällen geht. Regional sind die Unterschiede zudem teilweise sehr groß.

Den wichtigsten Punkt für die Entsorgungskosten stellen aber mögliche zukünftige Regelungen für die Entsorgung von Polystyrol-Abfällen dar.

Frage: Welche Arten von Polystyrol-Abfällen gibt es überhaupt – und welche Anhaftungen sind problematisch?

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich muss man einmal zwischen Styropor (Polystyrol) für Verpackungszwecke und solchem für Dämmzwecke unterscheiden.

Styropor von Verpackungen ist in der Regel sehr unproblematisch, kleine Mengen können auch komplett kostenlos über den gelben Sack entsorgt werden.

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Altes Dämmmaterial aus Styropor ist meist verunreinigt
Problematisch sind allerdings alle Dämmstoffe aus Polystyrol: EPS, Styroporplatten oder Styrodur-Platten. Bei diesen Stoffen kann das Entsorgen problematisch werden.

Anhaftungen sind in vielen Fällen unproblematisch – so etwa auch Kleberreste auf den Styroporplatten. Schwieriger wird es bei bitumenhaltigen Anhaftungen, Teerpappe oder bestimmten Anstrichen und Putzen. Je nach Art der Anhaftung kann der Entsorgungspreis dann häufig deutlich ansteigen – bis zum Dreifachen oder mehr von unbelastetem Styropor.

In der Praxis kann man das aber jeweils beim entsprechenden Entsorgungsbetrieb erfragen, ob bestimmte Anhaftungen den Preis für die Entsorgung verteuern.

Frage: Warum waren bis vor kurzem die Preise so derart hoch?

Kostencheck-Experte: Schuld daran war eine Einstufung von Polystyrol als gefährlichen Sondermüll durch die Behörden.

Anlass für diese geänderte Einstufung war das Vorhandensein von HBCD (Hexabromcyclododecan) in vielen Dämmplatten, das dort vor allem als Flammschutzmittel zum Einsatz kam. Es sollte im Brandfall die schnelle Ausbreitung eines Feuers über die Fassade verhindern, die mit Styropor-Platten gedämmt ist (Styropor ist brennbar).

HBCD gilt als sehr bedenkliche Chemikalie, die sich in allen lebenden Organismen anreichern kann und dort vor allem die Entwicklung des Nachwuchses negativ beeinflussen kann. Es gilt zudem als „POP“, als besonders langlebiger, organischer Schadstoff nach der internationalen Stockholm-Konvention von 2013.

In Styroporplatten gebunden ist der Stoff für Menschen unbedenklich, wir er jedoch durch Abrissarbeiten und Brände freigesetzt, kann er sich in lebenden Organismen anlagern. Im Brandfall entstehen aus dem Flammhemmmittel zusätzlich noch hochgiftige Dioxine und Furane, die schwere gesundheitliche Schäden verursachen können.

Grundsätzlich dürfen diese Stoffe weder hergestellt noch verwendet werden – einzelne Staaten haben jedoch die Möglichkeit, die Nutzung des Stoffs vorübergehend zuzulassen. Von dieser Ausnahmeregelung hat die EU bislang Gebrauch gemacht. Ein Verbot des Stoffs ist in der EU bislang noch nicht umgesetzt, einige HBCD-haltige Dämmstoff haben immer noch eine Zulassung.

Problematisch ist bei dieser Ausnahmeregelung, dass sich am Produkt selbst nicht feststellen lässt, ob es HBCD enthält oder lediglich ungiftige Flammhemmmittel ohne gesundheitlich bedenkliche Wirkung. Aus diesem Grund war es bisher bei der Entsorgung nicht möglich, zwischen beiden Materialien zu unterscheiden – damit wurde jede EPS-Dämmung so behandelt, als würde sie HBCD enthalten.

Frage: Wie werden solche Dämmungen entsorgt?

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich kann man auch HBCD-haltige Abfälle entsorgen – sie werden gewöhnlich verbrannt. Das ist allerdings nur in solchen Müllverbrennungsanlagen möglich, die eine spezielle Ausrüstung haben und gefährliche Stoffe, die bei der Verbrennung entstehen, auch herausfiltern können.

Da es nicht in jeder Region ausreichend viele Verbrennungsanlagen gibt, die entsprechend ausgerüstet sind, entstand nach der Einstufung als gefährlicher Sondermüll durch die Bundesregierung 2016 eine sehr unglückliche Situation: der anfallende Styropor-Abfall war deutlich größer als das, was die Müllverbrennungsanlagen mit Zulassung bewältigen konnten. Das trieb die Preise weit nach oben.

Im Oktober 2017 gab es dann eine Aussetzung der Regelung, die eine für ein Jahr dauernde Übergangsregelung bewirkte. Bis zum Oktober 2018 sollte Styropor noch entsorgt werden können wie vor dem Inkrafttreten der Sondermüll-Regelung. Auf die mittlerweile ausgelaufene Übergangsregelung ist bis jetzt keine verbindliche gesetzliche Regelung mehr gefolgt. Sollten Styropor-Abfälle wieder als gefährlicher Sondermüll eingestuft werden, muss man aber damit rechnen, dass aufgrund der aufwendigen Entsorgung die Preise für das Entsorgen von Styropor möglicherweise wieder stark nach oben gehen werden.

Das bleibt bislang abzuwarten. Es könnte zudem, wie auch schon früher, große Unterschiede bei den Kosten zwischen einzelnen Entsorgungsbetrieben geben. Während die Entsorgung zu Spitzenzeiten bei einigen Betrieben rund 4.000 EUR pro Tonne betrug, lag sie bei anderen Betrieben sogar nahezu doppelt so hoch.

Frage: Welche Kosten können für einen Container anfallen?

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Die Kosten für den Container können über 100€ betragen
Kostencheck-Experte: Da Bereitstellen eines Containers durch ein Entsorgungsunternehmen ist in der Regel nicht allzu teuer.

In den meisten Fällen liegen die Kosten für den Container zwischen 80 EUR und 200 EUR, je nachdem, ob die Transportkosten schon eingerechnet sind oder nicht.

Dazu können noch zusätzliche Kosten kommen, etwa wenn ein Container aus Platzgründen auf öffentlichem Grund (Straßenrand, Gehweg, öffentliche Plätze) aufgestellt werden muss.

Die genauen Kosten richten sich aber immer nach der Preisgestaltung des jeweiligen Containerdienstes und der jeweiligen Transportentfernung zum Entsorgungsort.

Frage: Warum wurden im Kostenbeispiel noch Preise für Verpackungssäcke genannt?

Kostencheck-Experte: Bei der Entsorgung von Styropor ist eine Verpackung in spezielle, reißfeste und dichte Säcke vorgeschrieben.

In unserem Kostenbeispiel wurden diese Säcke direkt vom Containeranbieter bezogen. Die Preise dafür liegen meist bei 5 EUR bis 15 EUR je Spezialsack. In der Regel fassen diese Säcke rund 1 m³ bis 2 m³ Styropor. Den Preis für die Verpackungssäcke muss man also bei den Entsorgungskosten immer noch mit dazurechnen.

Frage: Wo könnten hohe Entsorgungskosten für Styroporplatten zukünftig noch eine Rolle spielen?

Kostencheck-Experte: Gerade im Bereich der Dämmung spielen die Entsorgungskosten eine wichtige Rolle.

Wer jetzt dämmt, wird seine Dämmung irgendwann entfernen oder erneuern müssen – für die alte Dämmung fallen dann Entsorgungskosten an. Styroporplatten sind zwar der kostengünstigste Dämmstoff auf dem Markt, machen aber in allen Fällen relativ große Probleme beim Entsorgen, zumal in großen Mengen. Dennoch ist der größte Teil der WDVS (Wärmedämmverbundsysteme) an Fassaden heute mit Styroporplatten ausgeführt.

Um sich davor zu schützen sollte man möglichst schon im Vorhinein auf Alternativen setzen und möglichst natürliche Dämmstoffe verwenden – auch wenn das zunächst einmal etwas teurer ist. Der höhere Preis beim Dämmen könnten sich später über hohe Entsorgungskosten bei günstigen Materialien wie Styropor (EPS, Styyrodur, etc.) wieder relativieren. Auch aus ökologischer Sicht scheint es vernünftig, mittelfristig von solchen Dämmstoffen eher wegzukommen. Finanziell erscheint das auch vernünftig, solange ein Risiko für spätere möglicherweise sehr hohe Entsorgungskosten besteht.

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