Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

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Lässt sich ein Streit vor Gericht nicht vermeiden, kann das schnell so teuer werden, dass Sie die Kosten nicht stemmen könnten und deshalb darauf verzichten müssen, Ihr Recht zu bekommen. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt diese Aufwendungen und kann aus diesem Grund sehr sinnvoll sein. Was diese kostet und worauf Sie bei der Auswahl des richtigen Produktes achten müssen, klären wir im Interview mit dem Kostencheck-Experten.

Welche Arten von Rechtsschutz gibt es?

Kostencheck: Eine Rechtsschutzversicherung können Sie für nachfolgende Bereiche abschließen:

  • Verkehrsrechtsschutz
  • Privatrechtsschutz
  • Arbeitsrechtsschutz
  • Mietrechtsschutz
  • Vermieter-Rechtsschutz.

Ob und welche Rechtsschutzversicherung sich für Sie lohnt, ist von den persönlichen Lebensumständen abhängig. So benötigten Sie unter Umständen keinen Verkehrsrechtsschutz, wenn Sie kein eigenes Auto besitzen und selten öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Da es immer wieder Streit wegen Schönheitsreparaturen, Eigenbedarfskündigungen oder Nebenkostenabrechnungen gibt, kann hingegen die Mietrechtsschutz-Versicherung für Mieter sehr sinnvoll sein. Befürchten Sie Ärger im Job oder gar eine ungerechtfertigte Kündigung? Dann sollten Sie sich rechtzeitig um eine Arbeitsrechtsschutz-Versicherung kümmern.

Was kostet eine Rechtsschutzversicherung?

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Es gibt verschiedene Arten von Rechtsschutzversicherung
Kostencheck: Rechtsschutzversicherungen funktionieren häufig nach dem Baukastenprinzip. Schließen Sie eine Privatrechtsschutzversicherung ab, können Sie optional einen Rechtsschutz für Mieter-, Wohnungs- oder Hauseigentümer oder den Arbeitsrechtsschutz vereinbaren. Eine Verkehrsrechtsschutz-Versicherung bieten auch viele Autoversicherer und Automobilclubs ihren Mitgliedern als Zusatzleistung an.

Je nach Umfang ergeben sich gestaffelte Kosten, die sich in etwa in nachfolgendem Bereich bewegen:

Sparte jährliche Kosten
Privatrechtsschutz 125 bis 300 EUR
Arbeitsrechtsschutz 100 bis 350 EUR
Verkehrsrechtsschutz 60 bis 200 EUR
Mietrechtsschutz / Eigentumsrechtsschutz 150 bis 350 EUR

Wie hoch die tatsächlichen Kosten sind, ist aber nicht nur abhängig vom gewählten Rechtsbereich und dem Leistungspaket. Auch persönliche Faktoren wie der Familienstand und die berufliche Situation wirken sich auf den Preis aus.

Unser Tipp: Einige Gesellschaften bieten sehr günstige Rechtsschutzversicherungen für Studenten und Auszubildende an. Dies trifft auch auf bestimmte Berufsgruppen, beispielsweise Staatsbedienstete, zu.

Warum ist eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll?

Kostencheck: Jeder, der schon einmal in einen Rechtsstreit verwickelt war weiß, welch enorme Kosten dadurch entstehen können:

Streitwert Kosten der Klage Anteil Gerichtskostenanteil Anteil Anwaltskosten
1.000 EUR 768 EUR 21 Prozent 79 Prozent
5.000 EUR 2.547 EUR 17 Prozent 83 Prozent
10.000 EUR 4.546 EUR 16 Prozent 84 Prozent

Dies ist beileibe nicht nur dann der Fall, wenn Sie das Verfahren verlieren. Auch wenn Sie Recht bekommen, müssen Sie zumindest die Kosten Ihres Anwalts aus eigener Tasche bezahlen. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, trägt diese alle Aufwendungen, die im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit entstehen.

Wann greift die Rechtsschutzversicherung?

Kostencheck: Die Rechtsschutzversicherung tritt ein wenn:

  • Sie den Vorwurf eines Rechtsverstoßes durch Dritte abwehren müssen oder
  • Sie Ihre eigenen Interessen mit rechtlichen Mittel durchsetzen wollen.

Dabei ist die Höhe der zu erwartenden Kosten selbst für Experten nur schwer zu einzuschätzen. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen und diese sagt die Kostenübernahme zu, müssen Sie nicht befürchten, dass die Aufwendungen für den Rechtsstreit Ihre finanziellen Möglichkeiten übersteigen.

Welche Leistungen sind im Rechtsschutz inkludiert?

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Eine Rechtsschutzversicherung umfasst sowohl Anwalts- als auch Richterkosten
Kostencheck: Die Leistungen sind sehr umfassend. Übernommen werden sowohl:

  • Anwaltskosten als auch
  • Gerichtskosten. Hierzu zählen beispielsweise die Verfahrenskosten, Zeugenauslagen und Sachverständigen-Honorare.
  • Unter Umständen sind zudem die Kosten einer aktiven Strafverfolgung sowie die Stellung einer Kaution für den Versicherungsnehmer mitversichert.

Wichtig: Verlassen Sie sich nicht auf die Police in der Schublade, sondern lassen Sie sich die Kostenübernahme von der Versicherungsgesellschaft schriftlich bestätigen.

Was kostet die Privatrechtsschutz-Versicherung und was leistet diese?

Kostencheck: Diese Versicherung deckt ihren privaten Lebensbereich ab. Schon ab 75 EUR jährlich werden die Kosten für einen von Ihnen gewählten Anwalt sowie eventuelle Prozesskosten übernommen.

Verlieren Sie den Prozess und müssen als Versicherter die Kosten des Gegners übernehmen, kommt Ihre Rechtsschutzversicherung auch hierfür auf. Zudem sehen fast alle Verträge die Kostenübernahme eines Mediationsverfahrens vor.

Nachfolgende Bestandteile können abhängig vom Vertrag, ebenfalls enthalten sein:

  • Steuer-Rechtsschutz: Dieser deckt Konflikte mit den Finanzbehörden und Finanzgerichten ab, beispielsweise wenn das Finanzamt die angesetzten Werbungskosten nicht anerkennt.
  • Straf-Rechtsschutz: Dient der Verteidigung gegen den Vorwurf, eine Straftat begangen zu haben.
  • Sozial-Rechtsschutz: Notwendig, müssen Sie nach einer schweren Krankheit oder einem Unfall eine Rente vor einem Sozialgericht durchsetzen.
  • Schadenersatz-Rechtsschutz: Trägt die Kosten für Forderungen, etwa wenn Sie nach einem Sportunfall eine Entschädigung verlangen.
  • Vertrags- und Sach-Rechtsschutz: Dieser greift bei Streitigkeiten die durch private Verträge sowie bezüglich Ihres Eigentums an beweglichen Gegenständen entstehen. Shoppen Sie gerne online, sollte auch dieser Bereich im Vertrag enthalten sein.
  • Erbrechtsschutz: Deckt die Anwalts- und Gerichtskosten, muss ein Erbstreit vor Gericht geklärt werden.

Wann benötige ich Arbeitsrechtsschutz?

Kostencheck: Laufen im Berufsleben Absprachen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht so, wie sie sollten, führen die Streitigkeiten häufig vor das Arbeitsgericht. Durch eine Berufsrechtsschutzversicherung können Sie sich vor den dort entstehenden Kosten schützen. In der Regel ist diese keine eigenständige Versicherung, sondern einer der Bausteine, die Sie zur Privatrechtsschutzversicherung hinzufügen können.

Arbeitsrechtsschutz ist im Streitfall sehr wichtig, da das Arbeitsrecht vorsieht, dass bis zur ersten Instanz alle anfallenden Aufwendungen von der jeweiligen Seite selbst getragen werden müssen. Für Arbeitnehmer ist dies eine finanzielle Hemmschwelle, weswegen sie sich häufig scheuen, Ihr Recht gegenüber dem finanzstärkeren Arbeitgeber durchzusetzen.

Ist Verkehrsrechtsschutz wirklich so wichtig?

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Auch nach einem Verkehrsunfall kann es zu legalen Streitigkeiten kommen
Kostencheck: Kommt es nach einem Unfall zu Streitigkeiten, weil sich die Schuldfrage nicht eindeutig klären lässt, kann das schnell ins Geld gehen. Die Verkehrsrechtsschutzversicherung schützt Sie in diesem Fall vor finanziellen Belastungen. Sie kommt zudem für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit Kauf- und Reparaturverträgen oder dem Führerschein auf.

Häufig ist zu lesen, dass der Verkehrsrechtsschutz nur für Autofahrer wichtig wäre. Diese Ansicht teilen wir nicht, denn diese Rechtsschutzversicherung greift auch, wenn Sie einen Dienstwagen lenken oder als Radfahrer oder Fußgänger unterwegs sind. Verunglücken Sie in einem öffentlichen Verkehrsmittel und müssen Ihre Ansprüche durchsetzen, fällt auch dies in den Bereich dieser Versicherung.

Ich möchte die ganze Familie versichern. Wie wirkt sich das auf den Beitrag aus?

Kostencheck: Die Mehrkosten für Familientarife sind eher gering. Sie belaufen sich auf circa 25 bis 50 EUR, abhängig vom Versicherer und dem Umfang. Da alle mitversicherten Personen den gleichen Versicherungsschutz genießen, lohnt sich die Ausweitung durchaus.

Wie kann ich beim Beitrag sparen?

Kostencheck: Noch vor dem Abschluss einer Rechtsschutzversicherung sollten Sie die Preise und Leistungen der einzelnen Produkte vergleichen. Viel Geld können Sie sparen, wenn Sie genau überlegen, welchen Umfang Sie benötigen. Sind Sie beispielsweise Mitglied in einem Automobilclub, kann die Prämie für den Verkehrsrechtsschutz günstiger sein als jene bei der Gesellschaft, bei der Sie eine Privatrechtsschutz-Versicherung abschließen. Vielleicht besteht sogar schon eine Absicherung in diesem Bereich, die Sie im Kleingedruckten überlesen haben.

Durch eine Selbstbeteiligung in Höhe von 100 oder 200 EUR lässt sich der Beitrag erheblich senken. Entscheiden Sie sich für diese Variante, müssen Sie im Versicherungsfall die vereinbarte Summe aus eigener Tasche bezahlen. Darüber hinausgehende Kosten des Rechtsstreits trägt dann die Versicherung.

Wählen Sie jährliche oder halbjährliche Zahlung, gewähren die Versicherer einen Rabatt von bis zu sieben Prozent.

Wie finde ich die günstigste und beste Rechtsschutzversicherung?

Kostencheck: Zunächst können Sie sich im Internet auf einem der gängigen Vergleichsportale informieren. Sinnvoll ist es zudem, Veröffentlichungen in Magazinen zu studieren. In diese Bewertungen fließt fast immer das Kundenurteil ein. Letztlich sollte nicht nur der Preis entscheiden, denn im Streitfall ist es wichtig, dass neben dem Leistungsumfang auch der Service stimmt.

Vergleichen Sie die einzelnen Angebote unbedingt hinsichtlich nachfolgender Punkte:

  • freie Wahl des Anwalts
  • unbegrenzte Versicherungssumme
  • keine oder nur eine sehr geringe Wartezeit im Bereich Verkehrsrechtsschutz.

Welche Streitfälle lassen sich nicht versichern?

Kostencheck: Haben Sie eine vorsätzliche Straftat begangen, kommt die Private Rechtsschutzversicherung nicht für die Kosten von Anwalt und Verfahren auf. Hierzu zählen beispielsweise Diebstahl, Körperverletzung oder Beleidigung.

Bei der Verkehrsrechtsschutzversicherung ausgeschlossen sind Straftaten im Verkehr, die vorsätzlich geschehen. Dies ist der Fall wenn Sie:

  • mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sind,
  • ein Fahrzeug unter Alkohol- oder Drogeneinfluss führen.

Unser Tipp: Je nach Vertrag finden sich nicht wenige Risikoausschlüsse im Kleingedruckten. Um im Fall der Fälle keine unliebsame Überraschung zu erleben, sollten Sie alle Vertragsdetails noch vor Abschluss der Versicherung gründlich durchlesen.

Fazit: Viele alltägliche Situationen können schnell zu einem unverschuldeten Rechtsstreit führen. Durch eine Rechtsschutzversicherung können Sie ohne Angst vor eventuellen finanziellen Folgen um Ihr Recht kämpfen. Da diese Versicherung nach dem Baukastenprinzip aufgebaut ist, lässt Sie sich gut auf Ihre individuellen Anforderungen und finanziellen Möglichkeiten abstimmen.

Text: Michaela Kaiser
Artikelbild: goodluz/Shutterstock