Was kostet eine Restschuldversicherung?

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Bei Kreditaufnahme bieten viele Banken Ihren Kunden eine optionale Restkredit- oder Ratenschutzversicherung an. Allerdings ist diese relativ teure Versicherung nicht immer die beste Variante, möchten Sie sich selbst und Ihre Angehörigen vor den Kreditrisiken schützen. Welche Kosten eine Restschuldversicherung verursacht, worauf Sie beim Abschluss achten müssen und welche sinnvollen Alternativen es gibt, all dies klären wir im Interview mit dem Kostencheck-Experten.

Was ist eine Restschuldversicherung?

Kostencheck: Bei der Restkreditversicherung handelt es sich um eine spezielle Form der Risikolebensversicherung. Durch sie soll sichergestellt werden, dass die Raten eines Darlehens auch dann bezahlt werden, wenn der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Restschuldversicherung Bank

Oft wird die Restschuldversicherung zusammen mit dem Kredit bei der Bank abgeschlossen
Häufig bieten Banken und Versandhändler die Restschuldversicherung zusammen mit dem Kredit an. Die Kreditsumme richtet sich nach dem Darlehensverlauf. Die Versicherungsprämie sowie die Vermittlungskosten müssen Sie als Einmalbetrag direkt bei Vertragsbeginn begleichen. Diese werden auf den Darlehensbetrag aufgeschlagen. Hierdurch erhöhen sich die Zinsen, die Sie an die Bank oder das kreditgebende Handelsunternehmen zurückzahlen müssen.

Was kostet eine Restkreditversicherung?

Kostencheck: Restschuldversicherungen sind relativ teuer. Die genauen Kosten hängen von der Höhe des Kredites, der vereinbarten Laufzeit sowie den Leistungen ab.

In nachfolgender Tabelle haben wir die Durchschnittskosten übersichtlich zusammengefasst. Zugrunde gelegt ist eine Kreditsumme von 10.000 EUR:

Umfang Gesamtkosten incl. Zinsen Versicherungsprämie Monatliche Kosten Effektiver Jahreszins ohne Restkreditversicherung Effektiver Jahreszins mit Restkreditversicherung
Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, Todesfall 1.950 EUR 1.615 EUR 19,20 EUR 5,11 % 10,15 %
Arbeitsunfähigkeit, Todesfall 1.090 EUR 900 EUR 10,75 EUR 5,11 % 8,08 %
Todesfall 540,20 EUR 435 EUR 5,20 EUR 5,40 % 6,80 %

Die Preisspanne, in der sich die Angebote der einzelnen Anbieter bewegt, ist enorm. Die Verbraucherzentralen haben festgestellt, dass für den

  • Komplettschutz zwischen 1.000 und 2.840 EUR
  • Schutz vor Arbeitsunfähigkeit und Tod zwischen 600 und 1.700 EUR
  • Todesfallschutz zwischen 240 und 875 EUR

bezahlen. Hierin sind die Zinsen noch nicht eingerechnet. Die Absicherung ist also relativ teuer. Deshalb sollten Sie genau abwägen, ob Sie eine Restkreditversicherung benötigen. Unterschreiben Sie nicht vorschnell einen Vertrag, den Ihnen vom Anbieter des Kredites vorgelegt wird, sondern vergleichen Sie im Vorfeld die Angebote verschiedener Gesellschaften.

Wann tritt die Restschuldversicherung ein?

Restschuldversicherung Scheidung

Die Restschuldversicherung tritt z.B. im Falle einer Scheidung in Kraft

Kostencheck: Dies ist vertraglich geregelt und abhängig vom Umfang. Üblich sind vier Leistungsoptionen:

  • Todesfall: Die Versicherung begleicht den kompletten Kreditbetrag, sollte der Kreditnehmer versterben.
  • Arbeitsunfähigkeit: Die Versicherung übernimmt die Raten, sollten der Kreditnehmer seine Berufstätigkeit nicht mehr ausüben können.
  • Arbeitslosigkeit: In diesem Fall trägt die Versicherung die Raten, üblicherweise jedoch nur für 12, 18 oder 24 Monate.
  • Scheidung: Es erfolgt eine vertraglich festgelegte Einmalzahlung oder die Übernahme einiger Monatsraten nach rechtskräftiger Scheidung.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Versicherung leistet?

Kostencheck: Auch wenn obige Versicherungsfälle eintreten, springt die Ratenschutzversicherung nicht immer ein. Eine Arbeitslosigkeit muss beispielsweise unverschuldet sein. Haben Sie selbst gekündigt und sind längere Zeit ohne Job, müssen Sie die Raten aus eigener Tasche finanzieren. Gibt es Erkrankungen, von denen Sie bei Vertragsabschluss wussten und die zur Arbeitsunfähigkeit oder gar zum Tod führen, kommt die Versicherung ebenfalls nicht für die Teilzahlungsbeträge auf.

In vielen Policen sind bei Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit Wartezeiten vorgesehen. So können nach Vertragsbeginn mehrere Monate vergehen, bis der Versicherungsschutz greift. Ebenso bleiben Sie fast immer für die Dauer der Lohnfortzahlung zahlungspflichtig und müssen sich bei Erwerbslosigkeit längere Zeit gedulden, bis die Restschuldversicherung die Raten übernimmt.

Welche Fristen und Ausschlusskriterien gelten, können Sie der Police entnehmen. Auch hier lohnt es sich, die einzelnen Angebote gründlich zu vergleichen.

Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Kostencheck: Trotzdem das Beratungsgespräch bei der Bank oft anderes vermuten lässt: Bei der Aufnahme eines Kredites sind Sie nicht verpflichtet, eine Restschuldversicherung abzuschließen. Vielmehr sollten Sie genau überlegen, ob diese Versicherung für Sie lohnt, denn die Vor- und Nachteile halten sich die Waage wie nachfolgende Tabelle zeigt:

Vorteile Nachteile
Schutz vor Zahlungsausfällen Hohe Kosten, insbesondere bei Kleinkrediten und Krediten mit kurzer Laufzeit
Absicherung gegen unvorhersehbare Lebensereignisse Leistungsbeschränkungen
Verbesserung der Bonität (Kreditsicherheit) Wartezeiten
Kredite werden eher gewährt Schränkt den finanziellen Spielraum ein

Welche Ausschlussklauseln gibt es?

Kostencheck: Durch diverse Klauseln ist nicht immer sichergestellt, dass die Restschuldversicherung bei Zahlungsunfähigkeit tatsächlich leistet. Einige Gesellschaften zahlen beispielsweise nur:

  • Wenn eine Warte- oder Karenzzeit abgelaufen ist.
  • Für einen begrenzten Zeitraum.
  • Bis zu einer erreichten Obergrenze, jedoch nicht, bis Sie einen neuen Job gefunden oder vollständig genesen sind.
  • Nur im Todesfall, nicht aber bei Arbeitslosigkeit oder dauerhafter Arbeitsunfähigkeit.
  • Im Falle einer Erwerbslosigkeit, sofern Sie in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis standen.
  • Bei im Vorfeld nicht bekannten Erkrankungen.

Nehmen Sie sich deshalb vor Abschluss der Versicherung Zeit und lesen Sie das Kleingedruckte genau durch.

Meine Bank setzt den Abschluss einer Restschuldversicherung voraus. Darf sie das?

Kostencheck: Der Abschluss einer Restkreditversicherung ist freiwillig. Ist die Bonität jedoch nicht ausreichend, darf die Bank die Kreditbewilligung vom Abschluss einer Restratenversicherung abhängig machen. Diese gesetzliche Regelung hat für Sie durchaus Vorteile, denn durch deine derartige Versicherung können Sie ein benötigtes Darlehen erhalten, das Ihnen ohne diese Absicherung verwehrt würde.

Kann ich die Restschuldversicherung kündigen oder widerrufen?

Restschuldversicherung Kündigung

Eine Restschuldversicherung kann vertraglich gekündigt werden
Kostencheck: Widerruf und Kündigung sind unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Allerdings müssen Sie sich an die vertraglich festgelegten Fristen halten. Für Lebensversicherungen, hierzu zählt auch der Todesfallschutz der Restkreditversicherung, liegt die Widerrufsfrist bei 30 Tagen ab Vertragsabschluss. Haben Sie sich gegen Arbeitslosigkeit und/oder Arbeitsunfähigkeit abgesichert, müssen Sie innerhalb von 14 Tagen schriftlich widerrufen.

Möchten Sie das Darlehen vorzeitig ablösen, haben Sie ein außerordentliches Kündigungsrecht und können einen Teil der Prämie wegen Wegfall des Versicherungszwecks zurückverlangen. Einige Verträge erlauben die außerordentliche Kündigung sogar dann, wenn der Kredit weiter läuft. Die genauen Details können Sie dem Vertrag entnehmen.

Viele Anbieter sind ausgesprochen kulant und ermöglichen die monatliche Kündigung, je nach Gesellschaft mit einem Vorlauf zwischen zwei Wochen und drei Monaten. Auch dies muss in der Police vermerkt sein.

Wann macht der Abschluss einer Restschuldversicherung Sinn?

Kostencheck: Müssen Sie eine hohe Kreditsumme aufnehmen, die über viele Jahre hinweg abgetragen wird, kann eine Restschuldversicherung durchaus sinnvoll sein. Auch wenn Sie aus Sicht der Bank keine ausreichende Bonität haben, können Sie eine Restschuldversicherung als Kreditsicherheit vereinbaren.

Und wann kann ich mir diese Versicherung sparen?

Kostencheck: Haben Sie bereits eine Risikolebensversicherung in ausreichender Höhe, eine Berufsunfähigkeitsversicherung, eine Unfallversicherung oder eine Krankentagegeldversicherung abgeschlossen, ist die Restschuldversicherung verzichtbar. Auch wenn Sie über entsprechende Rücklagen verfügen oder durch eine Verbeamtung ausreichend abgesichert sind, ist der Abschluss meist nicht nötig.

Warum steht die Restratenversicherung in der Kritik?

Kostencheck: Laut Angaben der Bundesregierung gab es im Jahr 2015 nur circa 5.000 Fälle, in denen die Restschuldversicherung die Raten übernommen hat. Dem gegenüber stehen etwa 8.2 Millionen abgesicherte Kredite. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Versicherungsfall eintritt, in dem die Ratenschutzversicherung tatsächlich leistet, ist also eher gering und liegt bei nur 0,3 Prozent.

Verbraucherschützer raten dazu, vor dem Abschluss einer derartigen Versicherung den Vertrag genau zu prüfen. Ist die Höhe der Beiträge angemessen? Gibt es ein Anbot eines anderen Versicherers, das günstiger wäre oder sind Sie bereits anderweitig ausreichend abgesichert?

Welche Alternativen gibt es?

Restschuldversicherung Optionen

Die beste Alternative zur Versicherung sind Rücklagen
Kostencheck: Die einfachste Möglichkeit, eine Finanzierung abzusichern, sind Rücklagen in entsprechender Höhe. Experten empfehlen ein Polster von drei bis fünf Monatsgehältern. Mit diesem Geld können Sie die kaputte Waschmaschine ersetzen, ohne neue Schulden machen zu müssen. Auch die Kreditraten lassen sich hiermit eine gewisse Zeit bedienen, ohne in finanzielle Schieflage zu geraten.

Stirbt der Kreditnehmer, können auf die Hinterbliebenen schwerwiegende finanzielle Probleme zukommen. Eine Risikolebensversicherung kann deshalb eine gute Alternative zur Absicherung der Angehörigen sein. Diese bezahlt eine fest vereinbarte Summe aus, sollte der Versicherungsnehmer versterben. Risikolebensversicherungen mit einer Versicherungssumme von 250.000 EUR erhalten Sie bereits ab 20 EUR monatlich. Dieser Beitrag kann jedoch abhängig vom Alter, dem Beruf und individuellen Risikofaktoren auch höher ausfallen.

Ob Sie Ihren Kredit bedienen können, hängt in vielen Fällen unmittelbar mit der Erwerbstätigkeit zusammen. Führt eine Krankheit dazu, dass Sie Ihren Job nicht mehr ausüben können, zieht dies häufig finanzielle Schwierigkeiten nach sich. Dieses Risiko können Sie durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung absichern.

Fazit: Ob sich die Kosten einer Restschuldversicherung für Sie lohnen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Beitragshöhe sollte in einem angemessenen Verhältnis zur Kreditsumme und Laufzeit stehen. Bei hohen Krediten mit langer Laufzeit kann die Restkreditversicherung zur Abdeckung unvorhersehbarer Risiken durchaus sinnvoll sein. Vergleichen Sie jedoch die Angebote genau und beziehen Sie Alternativen in Ihre Überlegungen ein.

Text: Michaela Kaiser