Solaranlage – welche Kosten muss man rechnen?

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Die Preise für Solarmodule sind in den letzten zehn Jahren aufgrund der optimierten Produktion und der hohen Nachfrage um fast 70 % gefallen. Grund genug, um über eine Solaranlage auf dem Dach nachzudenken. Was das kosten kann, und wann sich das rechnet, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Solartechnik ist irgendwie ein Buch mit sieben Siegeln, oder?

Kostencheck-Experte: So kompliziert ist das eigentlich gar nicht – man muss nur ein paar grundlegende Dinge wissen und sich ein wenig damit auseinandersetzen.

Grundsätzlich muss man bei Solaranlagen einmal zwei Dinge voneinander unterscheiden:

  • die Solarthermie (die nur warmes Wasser erzeugt)
  • die Photovoltaik (die nur Strom erzeugt)

Beide Dingen finden nicht in der gleichen Anlage statt – sondern es handelt sich dabei um völlig unterschiedliche Anwendungen der Solartechnik.

Eine Solarthermie-Anlage kann dafür eingesetzt werden, das benötigte Warmwasser zu erzeugen (womit ebenfalls die Heizung entlastet wird) oder das erzeugte heiße Wasser in die Heizungsanlage einzuspeisen. Wenn die Heizungsanlage Wasser von 45 °C auf 60 °C bringen muss, benötigt sie natürlich weniger Heizenergie, als wenn sie das Wasser von 4 °C auf 60 °C erhitzen muss. Daraus resultieren oft massive Einsparungen bei den Heizkosten – obwohl nur warmes Wasser erzeugt wird.

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Die Sonne wärmt auch im Winter
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Sonne nur im Sommer Wärme erzeugt – wo das Warmwasser ja nicht gebraucht wird. Tatsächlich hat die Sonne auch im Winter sehr viel Wärmekraft – auch wenn uns das unlogisch erscheint, weil es draußen ja kalt ist. Damit „funktioniert“ die Warmwasserbereitung über Solarenergie auch im Winter – dank der deutlich höheren Effizienz heutiger Solaranlagen (im Gegensatz zu frühen Jahren) sogar ausgezeichnet. Zusätzlich kann Warmwasser über sehr lange Zeit in einem Heißwasserspeicher aufbewahrt werden, sodass an weniger Sonnentagen immer noch eine ausreichende Menge für die Heizungsunterstützung und den Warmwasserbedarf zur Verfügung steht.

Solarthermieanlagen sind vergleichsweise kostengünstig in der Anschaffung und einfach in der Wartung – sie können aber je nach erzeugter Wärmemenge eine deutliche Reduktion bei den Heizkosten bedeuten.

Photovoltaik-Anlagen (PVA) erzeugen ausschließlich Strom aus der Kraft der Sonne. Der erzeugte Strom ist zunächst Gleichstrom, wird dann über einen sogenannten Wechselrichter aber in Wechselstrom umgewandelt und kann dann wie ganz gewöhnlicher Haushaltsstrom genutzt werden. Über zusätzliche Stromspeicher werden dann Schwankungen in der Erzeugung (etwa bei bewölkten Tagen) ausgeglichen, sodass immer eine ausreichende Strommenge zur Verfügung steht.

Ein wichtiges Maß für die Leistungsfähigkeit einer PVA ist die Einheit „kWp“ (Kilowatt Peak) – das heißt, die Spitzenleistung, die die Anlage überhaupt erbringen kann. In der Praxis wird das meist weniger sein, da fast immer mindernde Faktoren (Einstrahlwinkel, Bewölkung, etc.) zur Verfügung stehen. Wäre jedoch mehr Sonnenenergie vorhanden, kann die Anlage maximal die Peak-Leistung in Strom umwandeln. Aus diesem Grund sollte man Anlagen möglichst nicht zu klein dimensionieren, da sonst zu „guten Zeiten“ weniger Leistung als möglich von der Sonnenenergie „abgegriffen“ werden kann.

Ein weiterer Begriff ist die sogenannte Wiedereinspeisevergütung. Wer gerade mehr Strom erzeugt, als er verbraucht, darf diesen Strom in das öffentliche Stromnetz einspeisen – und erhält dafür vom Staat eine Vergütung. Zu Anfangszeiten des Solarbooms war diese Vergütung sehr hoch – und wurde zudem für 30 Jahre garantiert. Damit wurden die ersten Solaranlagen ein richtiges „Geschäft“, und eine Geldanlage, mit der man gut und gerne über 10 % Rendite erwirtschaften konnte.

Mittlerweile hat der Staat die Vergütung stark zurückgefahren – reich wird man mit der PVA nun nicht mehr. Den Eigenverbrauch durch eine einmalige Anschaffung zu decken, lohnt sich aber immer noch, gerade bei den stark gesunkenen Preisen in den letzten Jahren (Module sind heute um 70 % günstiger als noch vor 10 Jahren). Zudem kann man die eigene Stromnutzung erhöhen (etwa einzelne Bereiche mit Strom heizen), da der selbst erzeugte Strom ja praktisch kostenfrei ist.

Frage: Was kosten die unterschiedlichen Solaranlagen?

Kostencheck-Experte: Das kann man pauschal nur schwer beantworten – das hängt natürlich auch von der Größe und der Leistungsfähigkeit ab.

Grundsätzlich können Sie für Solarthermie-Anlagen bei einem Einfamilienhaus heute zwischen 5.000 EUR und 10.000 EUR rechnen – je nachdem, ob sie nur Warmwasser bereiten oder auch die Heizung unterstützen wollen.

Wie man die Anlage im einzelnen gestaltet, muss man nach technischen Gesichtspunkten auswählen. So bringen etwa Vakuumröhren-Kollektoren eine um 40 % höhere Leistung pro Quadratmeter – dementsprechend braucht man auch weniger Fläche. Dafür sind diese Kollektoren aber auch deutlich teurer. Auch die Zahl der im Haushalt lebenden Personen muss berücksichtigt werden – je mehr, desto teurer die Anlage. In den meisten Fällen bewegen sich sinnvoll dimensionierte Anlagen beim Einfamilienhaus aber in dem oben angegebenen Kostenrahmen.

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Eine Photovoltaik-Anlage kostet mindestens 13.000€
Bei der Photovoltaik-Anlage hängt es davon ab, wie viel Strom man übers Jahr tatsächlich erzeugen und nutzen möchte. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus rechnet man sinnvollerweise mit einer Anlagengröße von 5 kWp – dafür liegt der Preis bei rund 7.000 EUR bis 10.000 EUR. Dazu kommen noch Kosten für einen Stromspeicher im Bereich von rund 6.000 EUR bis 12.000 EUR, damit der Strom auch zwischengespeichert werden kann.

Insgesamt müssen Sie also mit rund 13.000 EUR – 25.000 für eine PVA rechnen. Bei höherer Leistung der Anlage (um damit mehr Strom zu erzeugen) steigen die Kosten dann vergleichsweise nur geringfügig – eine höhere Anlagenleistung (kWp) rechnet sich daher häufig für den einzelnen Haushalt.

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis:

Wir wollen für unser Einfamilienhaus eine kleine Photovoltaikanlage mit 5 kWp samt Stromspeicher anschaffen. Die Anlage wird geliefert und vom Hersteller auch auf unserem Dach montiert.

Posten Preis
Bedarfsanalyse, Dachberechnung, Anlagenplanung 0 EUR (im Preis inbegriffen)
Solarmodule 8.600 EUR
Wechselrichter 1.500 EUR
Stromspeicher 7.200 EUR
Montagekosten incl. Kabelmaterial 1.120 EUR
Netzanschluss (für Wiedereinspeisung) 750 EUR
Gesamtkosten 19.170 EUR

Hierbei handelt es sich natürlich nur um beispielhafte Kosten, für eine ganz bestimmte Anlage eines bestimmten Herstellers. Die Anlagen anderer Hersteller können, auch bei vergleichbarer Leistung deutlich unterschiedliche Kosten verursachen.

In unserem Fall ist zu bemerken, dass der angeschaffte Stromspeicher beinahe ebenso teuer kommt wie die Solarmodule. Stromspeicher sind nur eine zusätzliche Möglichkeit, die sich vor allem lohnt, wenn man den Strom selbst nutzen möchte.

Grundsätzlich ist es auch möglich, den gerade nicht benötigten Strom direkt ins Netz einzuspeisen und dafür Wiedereinspeisevergütung zu verdienen. Bei Stromschwankungen kann dann der zu wenig erzeugte Strom wieder aus dem Netz bezogen werden – die Stromkosten werden dann mit der Wiedereinspeisevergütung verrechnet. Bei einer solchen Ausführung spart man sich dann die Kosten für einen Stromspeicher, was wir in unserem Fall aber nicht wollten.

Die höheren Anschaffungskosten haben wir in Kauf genommen, um dafür unabhängiger von unserem Stromanbieter zu werden und unseren Bedarf möglichst selbst zu decken.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten für eine Solaranlage in der Regel ab?

Kostencheck-Experte: Hier muss man einige Dinge beachten:

  • ob man Solarthermie oder Photovoltaik nutzen möchte
  • wie groß die Anlage jeweils dimensioniert sein soll
  • in welcher Größe Stromspeicher / Warmwasserspeicher angeschafft werden sollen
  • welche Montagekosten für die Anlage anfallen

All das muss man in Betracht ziehen, wenn es um die Kosten der Anschaffung geht.

Frage: Inwieweit unterscheiden sich die Kosten bei einer Solarthermieanlage je nach Größe?

Kostencheck-Experte: Bei der Solarthermie ist das wichtigste Maß beim Einfamilienhaus, ob man mit Solarenergie lediglich Warmwasser erzeugen, oder auch die Heizung unterstützen möchte. In beiden Fällen werden unterschiedlich dimensionierte Anlagen benötigt, was natürlich auch unterschiedliche Kosten verursacht.

Hier die einzelnen Kosten für Warmwassererzeugung und Heizungsunterstützung im direkten Vergleich:

Kostenposition nur Warmwasserzeugung zusätzliche Heizungsunterstützung
Kollektoren 1.500 EUR 3 x 1.500 EUR = 4.500 EUR
Wärmespeicher 1.200 EUR 2.000 EUR
Kleinmaterial und Montage 1.500 EUR 3.000 EUR
Gesamtkosten 4.200 EUR 9.500 EUR

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Für die Wassererwärmung ist nur eine geringe Solarfläche vonnöten
Wenn die Solaranlage lediglich für die Warmwasserbereitung genutzt wird, genügt eine Kollektorfläche von rund 5 m² (ca. 1 m² – 1,5 m² pro im Haushalt lebender Person).

Soll auch die Heizungsanlage wirkungsvoll unterstützt werden, ist mindestens die dreifache Kollektorfläche erforderlich – also 15 m².

Auch beim Wärmespeicher sind dann höhere Kapazitäten erforderlich: genügen für die Warmwasserbereitung allein bereits rund 300 l – für eine ausreichende Heizungsunterstützung sind dann mindestens 1.000 l Wärmespeicher sinnvoll.

Frage: Gibt es auch für Solarthermie-Anlagen Förderungen?

Kostencheck-Experte: Eine direkte Förderung für Solarthermie gibt es beispielsweise vom BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).

Bei Bestandsgebäuden (Altbau):

Förderungsart Förderhöhe
Basisförderung ausschließlich Warmwasserbereitung (3 m² – 40 m², mind. 200 l Speicher) 50 EUR pro m² Kollektorfläche, mindestens 500 EUR
Basisförderung ausschließlich Raumheizung (Kollektorfläche 7 m² – 40 m², mindestens 40 l Speicher pro m² Kollektorfläche) 140 EUR pro m² Kollektorfläche, mindestens 2.000 EUR
Basisförderung Kombinationsanlage wie Basisförderung Raumheizung
Kombinationsbonus (bei gleichzeitiger Heizungserneuerung Brennwerttechnik, Biomasse, Wärmepumpe) 500 EUR zusätzlich
bei KfW-Effizienzhaus 55 oder darunter zusätzlich 50 % der Basisförderung

Für die Errichtung einer kombinierten Anlage kann man also lukrative Förderungen erhalten – für die weiter oben angeführte Kombination können damit bei 9.300 EUR Kosten mindestens 2.100 EUR Förderung bezogen werden.

Bei einem Neubau kann eine Solarthermie-Anlage ebenfalls gefördert werden, wenn es sich um Mehrfamilienhäuser mit mindestens 3 Wohneinheiten handelt. Die Förderung ist dann ertragsabhängig und abhängig von der Größe der Anlage.

Bei der KfW stehen für Privatpersonen zusätzlich geförderte Kredite (Programm 151, 152) für den Altbestand und für den Neubau (Programm 153) zur Verfügung, um die Errichtung kostengünstig (ab 1,00 % Zinsen) zu finanzieren.

Frage: Inwieweit rechnet sich heute eine Photovoltaik-Anlage und gibt es für die Errichtug auch Förderungen?

Kostencheck-Experte: Das ist eine kompliziertere Rechnung. Mit Photovoltaik-Anlagen und ihrer Rentabilität beschäftigen wir uns hier auf kostencheck.de in einem eigenen Beitrag ausführlich: Photovoltaik Kosten.

Dort wird auch besprochen, ob und wann sich eine PVA rechnet, und welche Förderungen es dafür gibt.

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