Solarspeicher – welche Kosten muss man rechnen?

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Im Bereich der Photovoltaik spielt die ständig sinkende Wiedereinspeisevergütung eine immer geringere Rolle für Anlagenbesitzer – Strom wird heute vor allem für den Eigenbedarf erzeugt. Dazu gehört natürlich auch eine entsprechende Stromspeicherung. Welche Kosten für Solarspeicher aktuell anfallen, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Warum werden Stromspeicher zunehmend wichtiger?

Kostencheck-Experte: Ganz zu Anfang des Photovoltaik-Booms waren PV-Anlagen vor allem eines: eine sehr profitable Geldanlage.

Man installierte die damals teuren Anlagen in größtmöglichem Umfang und versuchte so viel wie möglich Strom ins Netz einzuspeisen und die auf Jahrzehnte hinaus garantierte Wiedereinspeisevergütung zu kassieren – und damit eine Rendite für seine „Kapitalanlage“ zu erwirtschaften. Mit den Wiedereinspeisevergütungen der damaligen Zeit war das noch sehr gut möglich.

Heute gibt es durch die stark reduzierten Wiedereinspeisevergütungen bereits ein krasses Missverhältnis zwischen der Vergütung für eingespeisten Strom und dem Preis für aus dem Netz bezogenen Strom. Als PV-Anlagenbesitzer bezahlt man heute für 1 kWh Strom rund 30 Cent – für 1 kWh Strom, die man ans Netz abgibt, erhält man allerdings bei neu errichteten Anlagen nur noch zwischen rund 8 Cent und 11 Cent.

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Oft lohnt es sich, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen
Es lohnt sich also nicht mehr, seinen gerade nicht benötigten Strom ins Netz einzuspeisen und dafür bei Bedarf (und fehlender Eigenerzeugung) einfach wieder Strom aus dem Netz zu beziehen. Das ist nicht mehr wirtschaftlich.

Wenn man den erzeugten Strom selbst verbrauchen möchte, muss man allerdings in der Lage sein, Strom aus Überschusszeiten zu speichern, um ihn dann nutzen zu können, wenn gerade zu wenig erzeugt wird.

Was man dabei aber bedenken muss: auch Solarspeicher verursachen beträchtliche Kosten – diese Kosten muss man immer ausreichend mit einkalkulieren.

Frage: Was kosten Solarspeicher für gewöhnliche Haushalte im Einfamilienhaus?

Kostencheck-Experte: Das hängt natürlich immer davon ab, welchen Speicher in welcher Größe man haben möchte.

Wenn es rein um die Anschaffungskosten geht, liegt man bei den üblicherweise verwendeten Speicherkapazitäten ganz allgemein gesprochen bei Beträgen von rund 5.000 EUR bis 15.000 EUR.

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis:

Wir wollen einen Solarspeicher für unser Zuhause anschaffen. Als Speicherkapazität reichen uns 6 kWh. Förderung können wir keine beziehen.

Posten Preis
Anschaffungspreis Stromspeicher Li-Io, Kapazität 6 kWh 5.948 EUR
Kosten pro kWh Kapazität daher 991,33 EUR je kWh

Hierbei handelt es sich natürlich lediglich um ein einzelnes Kostenbeispiel für einen bestimmten Solarspeicher. Die Kosten anderer Speichergeräte können auch unterschiedlich ausfallen, insbesondere bei anderer Speichertechnologie.

In unserem Beispiel stehen wir nun einmal vor den reinen Anschaffungskosten. Wenn wir nun aber berechnen wollen, welche tatsächlichen Kosten für das Speichern von Strom anfallen, stoßen wir an unsere Grenzen.

Speicher sind unterschiedlich lange haltbar, haben ein unterschiedliches Speichervermögen und lassen immer nur eine bestimmte Entnahmemenge zu (DoD). Um zu ermitteln, welcher Speicher für uns am kostengünstigsten ist, lohnt es sich, diese Faktoren mit einzurechnen.

Frage: Welche Dinge spielen beim Preis des Solarspeichers eine Rolle?

Kostencheck-Experte: Das ist eine komplexe Sache. Wir können natürlich einfach die Preise vergleichen und den günstigsten Stromspeicher kaufen, den wir finden. Das wird aber wenig zielführend sein.

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Bei der Speicherkapazität gibt es große Unterschiede
Wir müssen bei unterschiedlichen Solarspeichern einige Dinge miteinander vergleichen:

  • die Wirkungsgrade
  • die jeweils mögliche maximale Entladetiefe (DoD)
  • den individuellen Systemwirkungsgrad wenn der Stromspeicher eingebaut ist
  • die Selbstentladeraten der Speicher
  • die Zahl der möglichen Ladezyklen der Speicher (daraus ergibt sich die maximale Nutzungsdauer)

Um das alles ausreichend mitberücksichtigen zu können, bietet es sich an, für jeden Solarspeicher die Kosten für das Speichern von 1 kWh Strom auszurechnen, und dabei die oben aufgezählten Werte zu berücksichtigen.

So bekomme ich bei einem Solarspeicher mit maximaler Entladetiefe von 90 % auch tatsächlich nur eine verfügbare Kapazität von 5,4 kWh – während die Nutzkapazität bei einem Speicher mit 100 % DoD tatsächlich 6 kWh beträgt.

Wenn zwei gleich teure Geräte jeweils 5.000 Ladezyklen und 10.000 Ladezyklen erlauben, ist das Gerät, das über 10.000 Ladezyklen hält genaugenommen um 50 % kostengünstiger.

Die einfache Formel, mit der man alle diese Daten in Kosten pro gespeicherte kWh umrechnen kann, lautet:

Anschaffungspreis : (Nennkapazität in kWh * Nutzungskapazität * Zyklenzahl * Systemwirkungsgrad) = Kosten pro kWh

Die sehr geringe Selbstentladung moderner Solarspeicher und den Wirkungsgrad des Solarspeichers kann man bei der Berechnung auch unberücksichtigt lassen. Die Unterschiede sind hier so gering, dass sie auf das Rechenergebnis bei einem Vergleich kaum Einfluss haben.

Nehmen wir nun noch einmal den von uns gekauften Stromspeicher zur Hand und berechnen die Kosten für die gespeicherte kWh Strom. Unser Solarspeicher hat eine Nutzungskapazität von 90 % (maximale Entladetiefe 10 %) und 5.000 Ladezyklen. Unser Systemwirkungsgrad der PV-Anlage beträgt 98 %.

Anschaffungspreis : (Nennkapazität in kWh * Nutzungskapazität * Zyklenzahl * Systemwirkungsgrad) =
5.948 : (6*0,90*5.000 Zyklen*0,98 Systemwirkungsgrad) = 5.948 : 26.460 =0,23 EUR pro gespeicherter kWh.

Nehmen wir nun an, wir würden ein genau gleich teures Gerät finden, das aber 100 % Nutzungskapazität (maximale Entladetiefe DoD 0 %) erlaubt. Wir sollten uns dann für dieses Gerät entscheiden, denn die Kosten betragen dann plötzlich nur noch 0,20 EUR pro gespeicherter kWh, wie unsere Rechnung ergibt.

Rechnet man das auf einen Jahresverbrauch von 6.000 kWh hoch, die wir auch zwischenspeichern, kostet uns unser erster Solarspeicher in 5 Jahren 6.600 EUR, der zweite jedoch nur 6.000 EUR. Das ist ein beträchtlicher Kostenunterschied – immerhin zahlen wir beim zweiten Gerät 120 EUR weniger pro Jahr für die Stromspeicherung.

Je größer die Kapazitäten und je unterschiedlicher die einzelnen Solarspeicher, desto größer können auch die Unterschiede bei den Kosten pro gespeicherter kWh ausfallen.

Frage: Man sollte bei der Anschaffung also immer die Kosten für eine gespeicherte kWh ausrechnen und vergleichen?

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Für die Berechnung der Kosten sind die Kosten für die gespeicherten kWh auszurechnen
Kostencheck-Experte: Ja, genau – denn alles andere macht nicht wirklich Sinn, wenn man auf eine realistische Kostenschätzung und einen wirksamen Vergleich kommen möchte.

Günstige Geräte mit schlechten Leistungsmerkmalen können hier oft deutlich teurer sein als ein teureres Gerät mit mehr Zyklen und größerer Nutzkapazität.

Zudem sollte man darauf achten, dass die Kosten für die gespeicherte kWh nicht über dem aktuellen Strompreis zu liegen kommen – in diesem Fall würde sich ein Stromspeicher gar nicht mehr rechnen, sondern es wäre dann günstiger, einfach Strom aus dem öffentlichen Netz zu beziehen.

Mit den hohen Preisen für Solarspeicher bis vor ein paar Jahren war das sogar häufiger der Fall – seit den stark gesunkenen Anschaffungspreisen liegen die meisten Stromspeicher heute mit den Speicherkosten unter dem aktuellen Strompreis.

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