Pilzkopfzapfen nachrüsten – welche Kosten sind zu erwarten?

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Solider Einbruchschutz ist wichtig – gerade in Zeiten wie diesen. Ältere Fenster muss man dabei nicht unbedingt gleich austauschen – sie lassen sich auch recht wirksam nachrüsten. Was das Nachrüsten von Pilzkopfzapfen kosten kann, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Gleich zum Anfang: Lohnt sich ein Nachrüsten mit Pilzkopfzapfen überhaupt?

Kostencheck-Experte: Diese Frage mit einem klaren Ja oder Nein zu beantworten, ist schwierig. Das hängt mitunter auch vom Fenster ab.

Grundsätzlich machen Pilzkopfzapfen auf jeden Fall Sinn: Fenster mit den üblichen Rollzapfen lassen sich von Einbrechern sehr leicht aufhebeln – das dauert oft nur wenige Sekunden.

Ein Pilzkopfzapfenbeschlag ist dagegen – anders als die sonst verbauten Rollzapfen – gegenüber dem Hebeldruck stabil. Er hält das Fenster fest im Rahmen, auch wenn von außen mit einem Kuhfuß gehebelt wird.

Grundsätzlich lohnt sich die Nachrüstung immer dann, wenn man bei bisher völlig ungesicherten Fenstern zumindest eine grundlegende Sicherung erreichen möchte. Dazu sollte man dann gegebenenfalls noch weitere Sicherungsmaßnahmen in Erwägung ziehen – etwa zertifizierte, abschließbare Fenstergriffe. Die Merkmale der Einbruchschutzklasse RC 2 sollte man damit annähernd erreichen können.

Für das Erreichen höherer Einbruchschutzklassen, etwa RC 3, sind die Kosten für das Nachrüsten dann in den meisten Fällen bereits unverhältnismäßig hoch. Einbruchsicherheitsklassen ab RC 4 erreicht man durch reine Nachrüstmaßnahmen an alten Fenstern dann nur mehr schwerlich bis gar nicht.

Wer so hohe Sicherheitsanforderungen hat, sollte auf jeden Fall über einen Fensteraustausch nachdenken.

Für die unbedingt empfohlene Klasse RC 2 bei Erdgeschossfenstern halten sich Nachrüstmaßnahmen aber kostenmäßig immer noch im vertretbaren Rahmen.

Frage: Mit welchen Kosten muss man für das Austauschen von Pilzkopfzapfen in der Praxis rechnen?

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Die Kosten für den Einbau kommen zum Materialpreis noch dazu
Kostencheck-Experte: In den meisten Fällen können Sie von Materialkosten im Bereich von rund 150 EUR bis 250 EUR je Fenster ausgehen – je nachdem, welcher Fenstertyp bei Ihnen verbaut ist.

Das gilt zumindest für die häufig verbauten, gängigen Fenstertypen. Wenn es sich um ein weniger gängiges Fenstermodell handelt, können die Kosten auch schon einmal höher liegen.

Um die Anforderungen einer höheren Einbruchschutzklasse zu erfüllen, brauchen Sie dann unter Umständen bereits mehrere Beschlagsätze. Damit steigen allein schon die Materialkosten auf ein nur schwer zu vertretendes Niveau.

Möchten Sie die Pilzkopfzapfen-Beschläge nicht selbst einbauen (dazu gehört immerhin ein wenig handwerkliches Geschick und technisches Verständnis) kommen die Kosten für den Handwerker pro Fenster dann noch dazu.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen, wie abschließbare Fenstergriffe, erhöhen die Kosten dann noch zusätzlich.

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis:

Wir wollen die 5 zweiflügeligen Erdgeschossfenster unseres Hauses mit Pilzkopfbeschlägen nachrüsten. Die Nachrüstung erledigen wir selbst. Das Fenstermaß (je Flügel) beträgt in allen Fällen 1,25 m x 0,75 m.

Posten Preis
Nachrüstsatz-Pilzkopfverriegelung, Markenbeschlag, je Fenster 383 EUR
5 Schließbleche 34,50 EUR
Gesamtkosten Material 1.949,50 EUR

Hierbei handelt es sich lediglich um beispielhafte Kosten, die nur für einen bestimmten Fenstertyp gelten. Die Kosten können in anderen Fällen auch deutlich unterschiedlich liegen.

Unser Kostenbeispiel zeigt aber bereits klar, dass die Nachrüstkosten beträchtlich sein können. Kommen zu diesem Preis auch noch Handwerkerleistungen und weitere einzelne Sicherheitsnachrüstungen hinzu, kommt man bereits annähernd in einen Bereich, in dem auch kostengünstige neue Fenster liegen.

Zum Vergleich: bei einem neuen Kunststofffenster liegen die Aufpreise für Pilzkopfzapfen-Beschläge und weitere Sicherheitsmerkmale wie seitlichen Aufhebelschutz, spezielle Scharniersicherungen und abschließbare Griffe bei lediglich rund 60 EUR bis 100 EUR.

Wenn Sie also einen Fenstertausch in Erwägung ziehen (etwa um den Wärmeschutz bei Ihren Fenstern zu erhöhen) wäre das eine gute Möglichkeit, um sich die Kosten für die Nachrüstung zu ersparen. Beim Kauf neuer Fenster sollten Sie die geringen zusätzlichen Kosten für hochwertigen Einbruchschutz auf jeden Fall in Kauf nehmen.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten für die Nachrüstung mit Pilzkopfbeschlägen im Allgemeinen ab?

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Die Kosten hängen von mehreren Faktoren ab
Kostencheck-Experte: Wenn es um die Nachrüstkosten geht, müssen Sie einige Dinge in Betracht ziehen:

  • den jeweiligen Fenstertyp und die Fenstergröße
  • das Rahmenmaterial (Kunststoff- oder Holzfenster)
  • die Art (und Qualität) des Nachrüstsatzes
  • ob Sie den Austausch selber ausführen oder einen Handwerker beauftragen wollen
  • ob Sie gleichzeitig noch weitere Sicherheitsmaßnahmen bei ihren Fenstern ergreifen wollen

In unserem Kostenbeispiel sind wir noch vergleichsweise günstig davongekommen – dabei haben wir auch einen Markenbeschlag verwendet.

Kosten für den Handwerker und zusätzliche Maßnahmen, oder gar der Versuch, Einbruchschutzklasse RC 3 zu erreichen, hätten die Kosten noch erheblich verteuert.

Frage: Gibt es auch preislich Unterschiede zwischen Holz- und Kunststofffenstern?

Kostencheck-Experte: Die kann es fallweise geben, ja. In vielen Fällen sind Nachrüstsätze für ein Holzfenster um 30 % – 40 % teurer als für ein Kunststofffenster gleicher Größe.

Bei manchen Holzfenstern kann es zudem der Fall sein, dass der Schließbeschlag direkt in das Holz des Rahmens eingelassen ist. Das macht das Austauschen dann oft sehr schwierig – in den meisten Fällen werden Sie in diesem Fall eine Tischlerei mit dem Austausch beauftragen müssen. Das erhöht die Kosten dann natürlich enorm.

Man muss sich im Einzelfall also immer auch den Fenstertyp und die Bauweise genau ansehen.

Frage: Die Fenstergröße spielt auch eine Rolle für die Nachrüstkosten?

Kostencheck-Experte: Ja. Je größer das Fenster, desto höher in der Regel auch die Kosten für den benötigten Nachrüstsatz.

In der Praxis verursacht das zwar keine so großen Preisunterschiede, bei gleichem Nachrüstsatz kann zwischen einem Fenster in 62,5 cm x 62,5 cm und einem Fenster in 1 m x 1,40 m aber durchaus eine Preisdifferenz von 30 EUR – 50 EUR liegen. Werden mehrere Fenster nachgerüstet, summiert sich das dann durchaus auch schon einmal auf einen merkbaren Kostenunterschied.

Frage: Wie verteuern sich die Kosten bei höheren Einbruchsicherheitsklassen als RC 2?

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Je höher die Sicherheitsstufe desto teurer der Einbau
Kostencheck-Experte: Um auch einen ausreichenden Schutz gegen gewohnheitsmäßig vorgehende Einbrecher zu haben, wäre nach den gängigen Normen mindestens Einbruchschutzklasse RC 3 erforderlich.

In diesem Fall benötigen Sie eine höhere Zahl von Pilzkopf-Verriegelungen. Wären für Einbruchschutzklasse RC 2 beispielsweise 7 Verriegelungen notwendig (bei einem Fenster in Standardgröße), müssten Sie zum Erreichen von RC 3 bereits 12 Verriegelungspunkte einbauen. Damit brauchen Sie beinahe 2 Nachrüstsätze – und haben damit auch die doppelten Kosten. Hier ist dann natürlich fraglich, ob sich dieses Unterfangen tatsächlich noch lohnt – insbesondere wenn dann auch noch Handwerkerkosten dazukommen.

Frage: Was kostet das Nachrüsten durch den Handwerker?

Kostencheck-Experte: Das kann je nach Fenstertyp unterschiedlich sein, da auch der Aufwand unterschiedlich hoch ausfällt. In der Praxis werden aber meist rund 150 EUR bis 250 EUR je Fenster für das Umbauen verlangt.

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