Lärmgutachten: welche Kosten muss man rechnen?

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Lärm macht nicht nur erwiesenermaßen auf Dauer krank: permanente Lärmbelastung ist auch auch die häufigste Ursache für Berufskrankheiten und überaus häufiger Anlass für Streitigkeiten zwischen Nachbarn und zwischen Anwohnern und Behörden. Bevor man sich gegen Lärm erfolgreich zur Wehr setzen kann, muss man ihn zunächst aber erst einmal messen. Mit welchen Kosten für ein professionelles Lärmgutachten zu rechnen ist, haben wir den Kostencheck-Experten in unserem Interview gefragt.

Frage: Was kostet es, ein Lärmgutachten erstellen zu lassen?

Kostencheck-Experte: Das hängt immer vom Aufwand für die Messungen und ihre Auswertung im jeweiligen Fall ab.

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Neue Bauvorhaben werden bereits im Vorfeld auf mögliche Lärmquellen überprüft.
Bei vielen Bauvorhaben wird eine Lärmprognose bereits im Vorfeld durchgeführt, um Protesten von Nachbarn und Anwohnern direkt zu begegnen und später teure Nachbesserungen beim Lärmschutz zu vermeiden. Solche Prognosen sind aufwendig und damit teuer – rechnen sich aber meist dennoch im Hinblick auf sonst möglicherweise deutlich höhere Kosten durch einen erforderlichen Umbau zu einem späteren Zeitpunkt und nachträgliche Lärmschutzmaßnahmen. Die Kosten dafür hängen vom Aufwand für die Prognose-Erstellung und vom jeweils beauftragten Ingenieurbüro und seiner Preisgestaltung ab.

Auch für einfache Begutachtungen und Lärmdokumentationen samt Auswertung im privaten Bereich müssen Sie mindestens 1.000 EUR bis 1.500 EUR auf jeden Fall rechnen. Eine detaillierte Begutachtung und Auswertung kann in vielen Fällen aber auch teurer kommen.

Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir werden regelmäßig samstags und sonntags durch eine in der direkten Umgebung unseres Hauses stattfindende Veranstaltung gestört. Wir wollen das verbieten lassen und brauchen dafür zunächst eine aussagekräftige Dokumentation. Ein Anbieter für Lärmschutzgutachten stellt uns ein versiegeltes Lärmmessgerät für 6 Wochen zur Verfügung und erstellt aus den von uns durchgeführten Messungen nach einer Auswertung dann ein Gutachten.

Posten Preis
Zurverfügungstellung Lärmrecorder, 6 Wochen 645 EUR
Auswertung der Aufnahmen 895 EUR
Erstellung eines detaillierten Gutachtens anhand der ausgewerteten Messungen 945 EUR
Gesamtkosten Messgerät, Auswertung und Gutachtenerstellung 2.485 EUR

Die hier gezeigten Kosten beziehen sich auf die Preisgestaltung eines einzelnen Ingenieurbüros bei bestimmten, festgelegten Leistungen. Die Kosten für die Erstellung von Lärmschutzgutachten in anderen Fällen und insbesondere für die Erstellung von Lärmprognosen können auch deutlich unterschiedlich liegen.

Frage: In welchem Preisrahmen bewegen sich die Kosten für ein Lärmgutachten?

Kostencheck-Experte: Das hängt ganz vom Aufwand der Begutachtung und Auswertung im jeweiligen Fall ab. Dazu kommen die teilweise sehr unterschiedlichen Preisgestaltungen von Ingenieurbüros, wenn sie frei beauftragt werden.

Lediglich wenn sie im Auftrag eines Gerichts im Zuge eines Verfahrens tätig werden, gelten vorgegebene Kostensätze nach dem Justizvergütungs und -entschädigungsgesetz (JVEG), die zwischen 70 EUR pro Stunde und 100 EUR pro Stunde liegen. Dazu kommen noch Fahrtaufwendungen, Schreibaufwand und der Aufwand für Hilfskräfte und Messverfahren, die ebenfalls nach gesetzlichen Vorgaben abgerechnet werden.

Frage: Wovon hängen die Kosten für ein Lärmgutachten ab?

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Wird ein Lärmgutachten vom Gericht in Auftrag gegeben, gelten bestimmte Kostensätze.
Kostencheck-Experte: Maßgeblich ist hier:

  • der Gegenstand der Begutachtung (Art des verursachten Lärms, Lärmquelle)
  • der Aufwand für die Messung und Dokumentation im Einzelfall
  • die Preisgestaltung des ausführenden Gutachters
  • ob es sich um eine Begutachtung auf Anordnung eines Gerichts (es gilt das JVEG) oder um eine privat beauftragte Begutachtung (Preise sind frei gestaltbar) handelt

Frage: Kann man auftretende Lärmbelästigungen nicht auch selbst messen und dokumentieren?

Kostencheck-Experte: Das ist natürlich möglich, entsprechende Schallpegel-Messgeräte erhalten Sie bereits ab rund 120 EUR im Fachhandel.

Allerdings stellt sich dabei immer die Frage nach der Aussagekraft von solchen Messungen und ob sie vom Vermieter, von Lärmverursachern oder gar von öffentlichen Stellen oder Gerichten so anerkannt werden. Besonders bei Rechtsstreitigkeiten sollte auf eine möglichst unbestechliche und fachlich fundierte Dokumentation durch einen Sachverständigen geachtet werden.

Beim Selbstbestellen eines Lärmschutzgutachters sollte man darüber hinaus darauf achten, dass die meisten Rechtsschutzversicherungen die Kosten für einen selbst bestellten Gutachter nicht übernehmen. Sie zahlen lediglich, wenn das Gericht selbst im Zuge des Verfahrens eine Begutachtung anordnet.

Eigene Lärmmessungen und eine selbst angefertigte Dokumentation können aber möglicherweise hilfreich sein, um das Gericht davon zu überzeugen, dass eine offizielle Begutachtung sinnvoll ist und angeordnet werden sollte.

Text: Kostencheck.de