Was kostet die Sicherungsphase der Zähne durch einen Retainer?

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Endlich stehen die Zähne im makellosen Bogen und der Patient kann sein strahlendes Lächeln zeigen. Leider ist den Zähnen das perfekte Behandlungsergebnis und die hierfür notwendige Geduld herzlich egal, sie würden sich ohne abschließende Retention bei sehr vielen Patienten wieder in die alte Position bewegen. Deshalb schließt die Behandlung beim Kieferorthopäden fast immer mit einem Retainer ab. Im Interview mit dem Kostencheck-Experten klären wir unter anderem, was diese kostet und welche Varianten es gibt.

Was ist ein Retainer?

Kostencheck: Bei diesem kieferorthopädischen Gerät, das auch als Zahnstabilisator oder Retentionsgerät bezeichnet wird, handelt es sich um eine herausnehmbare oder festsitzende Art der Zahnspange. Diese dient jedoch nicht der eigentlichen Zahnregulierung, sondern stabilisiert das Gebiss und hält die Zähne in der gewünschten Position.

Was kostet ein Retainer?

Kostencheck: Die Kosten für den Retainer liegen, abhängig davon, ob Sie den Zahnstabilisator für einen oder beide Kiefer benötigen, im Durchschnitt zwischen 200 und 500 EUR. Wie viel Sie tatsächlich für diese Behandlung aufwenden müssen wikrd unter anderem davon beeinflusst, für welche Variante und welches Material Sie sich entscheiden. Letztlich wirkt es sich auf die Kosten aus, wie lange eine Stabilisierung der Zähne notwendig ist.

Trägt die Krankenversicherung diese Kosten?

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Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für den Retainer, wenn dieser nach dem Zähnerichten eingesetzt wird
Kostencheck: Bis zu zwei Jahre nach dem Ende der aktiven Behandlung trägt die Krankenkasse die Kosten für den Retainer. Dies inkludiert Neuanfertigungen und notwendige Reparaturen. Gerechnet wird hierbei nicht vom aktuellen Monat an, sondern vom Ende des Kalenderquartals, für das die letzte Zahlung der aktiven Zahnregulierung von der Kasse bezahlt wurde.

Allerdings gilt die Kostenübernahme nur für herausnehmbare Retainer. Festsitzende Zahnstabilisatoren sind nur bei einer Kontaktpunktabweichung an den Frontzähnen des Unterkiefers Kassenleistung. Die KIG-Einstufung muss in diesem Fall E3 oder E4 entsprechen. Ist dies nicht der Fall, ist diese Variante in Eigenleistung zu bezahlen.

Auch wenn Ihr Kieferorthopäde eine längere Stabilisierungsphase für sinnvoll hält, müssen gesetzlich Versicherte diese Kosten selbst tragen.

Ob und wie lange die private Krankenversicherung für die Kosten des Zahnstabilisators aufkommt, ist abhängig vom Tarif. Informieren Sie sich deshalb im Vorfeld der Therapie, in welchem Umfang die Kosten übernommen werden.

Achtung: Bei Erwachsenen tragen die gesetzlichen Krankenversicherer nur in wenigen Ausnahmen die Kosten für den Retainer. Wie auch die Behandlung mit der aktiven Zahnregulierung ist die Stabilisierungsphase Privatleistung.

Mein Kieferorthopäde empfiehlt einen geklebten Retainer. Was kostet dieser?

Kostencheck: Diese Variante ist fast immer in Eigenleistung zu bezahlen. Die Kosten hierfür belaufen sich auf 200 bis 400 EUR je Kiefer. Wie hoch die tatsächlichen Aufwendungen sind, ist abhängig von:

  • der Anzahl der Zähne,
  • dem verwendeten Material,
  • ob die Notwendigkeit neuer Abdrücke besteht,
  • der Region, in der Sie leben.

Da die Kosten auch von Arzt von Arzt variieren, sollten Sie diese vor Behandlungsbeginn erfragen.

Warum ist ein Retainer sinnvoll?

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Der Retainer sorgt dafür, dass die Zähne nicht wieder verrutschen
Kostencheck: Die Behandlung mit einer Zahnspange ist langwierig und so sind manche Patienten enttäuscht, wenn sie erfahren, dass noch eine mehrere Jahre dauernde Nachbehandlung notwendig ist. Diese ist aber in vielen Fällen anzuraten, denn nur so lässt sich das erzielte Ergebnis stabilisieren und der Behandlungserfolg dauerhaft sicherstellen.

Drängen Sie deshalb keinesfalls auf ein vorzeitiges Therapieende. Zwar bekommen Sie dann den Eigenanteil der Zahnbehandlung etwas früher von der Krankenkasse zurückerstattet. Es enden jedoch auch Ihre Ansprüche der Kasse gegenüber. Werden danach weitere Maßnahmen notwendig, weil sich die Zähne wieder verschieben, müssen Sie diese aus eigener Tasche bezahlen.

Wie lange muss der Retainer getragen werden?

Kostencheck: Kieferorthopäden vertreten die Meinung, dass der Zahnstabilisator mindestens so lange getragen werden sollte, wie die aktive Zahnspange. Allerdings hängt die Dauer auch davon ab, wie stark die Zahnfehlstellung war, welche Zähne betroffen waren und wie alt der Patient ist.

Kinder müssen den Retainer im Durchschnitt zwei Jahre tragen, bei Erwachsenen wird häufig eine deutlich längere Stabilisierungsphase, die unter Umständen lebenslang sein kann, empfohlen.

Welche Arten von Retainer gibt es?

Kostencheck: Etabliert haben sich die nachfolgenden drei Varianten:

Form Art Beschreibung
Platten-Retainer Herausnehmbar Ähnelt einer losen Zahnspange. Er besteht aus einer Kunststoffbasis mit Halteelementen aus Draht. Eignet sich für leichte bis mittelschwere Fehlstellungen.
Kunststoffschiene (Tiefziehschiene) Herausnehmbar Diese Schienen bestehen aus Kunststoff, der alle Zähne umfasst. Geeignet für leichte bis mittelschwere Zahnfehlstellungen.
Lingual-Retainer Fest Dünne Drähte, die mit einem Kunststoffkleber auf der Innenseite der Zähne befestigt werden. Eignet sich für mittelschwere bis schwere Zahnfehlstellungen.

Was sind die Vor- und Nachteile eines Platten-Retainers?

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Ein Platten-Retainer ähnelt einer herausnehmbaren Zahnspange
Kostencheck: Optisch ähnelt dieser Retainer einer herausnehmbaren Zahnspange. Er besteht aus einem Kunststoffkörper, der mit einem Metallbügel versehen ist und kommt als Abschlussbehandlung von schwächeren bis mittelschweren Zahnfehlstellungen zum Einsatz. Dieser Retainer muss anfangs ganztägig, im späteren Verlauf nur noch nachts, getragen werden. Verspüren Sie beim Einsetzen des losen Retainers einen leichten Druck, können Sie eigenständig die Tragezeit erhöhen, sodass die Zähne in der richtigen Position stabilisiert werden.

Wichtig ist es, den Retainer lange genug und wirklich täglich zu tragen, sonst war die häufig jahrelange Zahnspangenbehandlung umsonst. Ein immer häufiger werdendes: „Heute setze ich die Spange ausnahmsweise einmal nicht ein!“ kann fatale Folgen nach sich ziehen und es kann sogar erforderlich werden, nochmals eine aktive Behandlung zu beginnen.

Andererseits erleichtert der lose Zahnstabilisator die Mundhygiene spürbar. Der Patient erreicht mit Zahnbürste und Zahnseide jede Stelle des Mundes, da der Retainer eigenständig herausgenommen werden kann.

Mein Kieferorthopäde empfiehlt eine Kunststoffschiene. Welche Vor- und Nachteile hat diese?

Kostencheck: Diese Schiene besteht aus einem speziellen Acrylkunststoff. Sie umschließt alle Kronen des Kiefers und stabilisiert dadurch die Zähne in ihrer Endposition. Der Kunststoff ist nur ein bis zwei Millimeter dick und legt sich nahezu unsichtbar an die Konturen des Gebisses an. Das sehr feine Material wird schon nach kurzer Tragezeit nicht mehr wahrgenommen.

Um den Behandlungserfolg zu sichern ist es notwendig, die Schienen ausreichend lange zu tragen. Ein Vorteil dieses Verfahrens ist die unkomplizierte Pflege des Gebisses sowie die unauffällige Optik des Retainers.

Was versteht man unter einem Lingual-Retainer?

Kostencheck: Diese Variante besteht aus dünnen, mehrfach verseilten Metalldrähten, welche auf die Innenseite der Zähne geklebt werden. Fixiert werden diese nicht mit Brackets, wie bei einer festsitzenden Zahnspange, sondern mittels einer adhäsiven Klebetechnik.

Der Draht wird individuell an die Stellung und Form der Zähne angepasst und sichert so die optimale Zahnstellung über Jahre hinweg. Von außen ist er nicht zu sehen und wird nach sehr kurzer Eingewöhnungszeit vom Träger nicht mehr als störend wahrgenommen.

Dieser Zahnstabilisator bietet den Vorteil eines effizienteren Behandlungserfolgs, da er dauerhaft an den Zähnen befestigt ist. Er kann weder vergessen noch verloren werden und auch die Gefahr des immer selteneren Einsetzens ist nicht gegeben. Es besteht, entsprechende Zahnpflege vorausgesetzt, kein erhöhtes Kariesrisiko.

Ist die Behandlung mit dem Retainer aufwändig?

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Um den Retainer herzustellen, ist lediglich ein Zahnabdruck vonnöten
Kostencheck: Meist wird zum Ende der Behandlung mit einer Zahnspange sowieso ein Kieferabdruck angefertigt, der zugleich als Basis für die Anfertigung des Retainers dient.

Anschließend wird der Zahnstabilisator eingesetzt. Herausnehmbare Modelle können Sie zu Hause selbst vor der Zahnpflege entfernen und reinigen. Die festsitzende Variante erfordert weiterhin eine sehr gründliche und etwas aufwändigere Zahnhygiene.

Wie oft muss der Sitz des Retainers überprüft werden?

Kostencheck: Mit dem Retainer müssen Sie nicht mehr so oft in die Praxis Ihres Kieferorthopäden wie während der aktiven Behandlungszeit. Es genügt in der Regel, den Sitz ein- bis zweimal jährlich überprüfen zu lassen.

Hat sich ein festsitzender Retainer gelöst, sollten Sie diesen unbedingt zeitnah wieder befestigen lassen.

Was passiert, wenn kein Retainer eingesetzt wird?

Kostencheck: Insbesondere wenn Sie die Behandlung mit dem Retainer aus eigener Tasche bezahlen müssen ist es verführerisch, auf diesen zu verzichten. Dies wäre allerdings unklug, denn hierdurch können Sie den gesamten Behandlungserfolg gefährden. Die Zähne wandern mit hoher Wahrscheinlichkeit zurück an ihren alten Platz und stehen wieder schief.

Experten beziffern die Rückfallwahrscheinlichkeit innerhalb von zehn Jahren mit etwa neunzig Prozent. Zwar nimmt der Drang der Zähne in ihre Ursprungsposition zurückzukehren im Laufe der Zeit ab, kann aber bei manchen Menschen lebenslänglich bestehen. Deshalb ist es wichtig, den Retainer ausreichend lange zu tragen und die Position der Zähne regelmäßig vom Zahnarzt kontrollieren zu lassen.

Fazit: Da die Zähne den Drang haben, in die einer Zahnspangen-Therapie vorausgehende Stellung zurückzuwandern, ist ein Zahnstabilisator als Abschluss einer kieferorthopädischen Behandlung fast immer sinnvoll. Die Kosten halten sich in überschaubaren Grenzen und werden, sofern es sich um herausnehmbare Retainer handelt, von der Krankenkasse übernommen. Festsitzende Modelle aus Draht werden allerdings nur in Ausnahmefällen von der Versicherung finanziert, haben jedoch den Vorteil, dass sie nahezu unsichtbar sind auch für viele Jahre getragen werden können.

Text: Michaela Kaiser