Welche Kosten kommen durch eine Parodontosebehandlung auf mich zu?

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Parodontitis gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Zahnhalteapparates und kann zu vorzeitigem Zahnverlust führen. Nicht nur das Bindegewebe, auch die Knochensubstanz werden durch die chronisch fortschreitende Entzündung zerstört. Aus diesem Grund ist es wichtig, Parodontitis konsequent behandeln zu lassen. Welche Kosten dadurch auf Sie zukommen, wie die Therapie abläuft und viele weitere Informationen finden Sie in diesem Interview mit dem Kostencheck-Experten.

Was ist Parodontitis überhaupt?

Kostencheck: Bei der Parodontitis handelt es sich um eine bakterielle Erkrankung des Zahnhalteapparates. Auslöser ist der mikrobielle Keimfilm (Plaque), der die Zähne überzieht. Die Erreger scheiden Giftstoffe und Säuren aus, welche Zähne und Zahnfleisch angreifen. Das Zahnfleisch entzündet sich und schwillt an, wodurch die Reinigung der betroffenen Stellen zusätzlich erschwert wird.

Schleichend löst sich die Verbindung zwischen Zahn und Zahnfleisch, eine Zahnfleischtasche entsteht. Diese bietet den Bakterien einen idealen Lebensraum. Der Körper versucht, die Eindringlinge durch die Aktivierung knochenabbauender Zellen zu bekämpfen. Dabei werden nicht nur die Krankheitserreger, sondern auch der Zahnhalteapparat (Parodont) angegriffen. Das Zahnfleisch geht immer weiter zurück, zwischen den Zähnen zeigen sich infolge des fehlenden Gewebes dunkle Dreiecke. Der Zahn beginnt sich zu lockern und fällt schließlich aus.

Was kostet die Paradontosebehandlung?

Kostencheck: Das kommt darauf an, welchen Umfang die empfohlene Behandlung haben wird. Die Regelleistungen werden von der Krankenkasse übernommen. Wünschen Sie eine darüber hinausgehende, sinnvolle und moderne Therapie, addieren sich die Kosten wie folgt:

  • Die Vorbehandlung mit Zahnreinigung und Laboranalyse kostet 100 bis 400 EUR.
  • Für die Laser- und Plasmatherapie werden 15 EUR je Zahn berechnet. Für das komplette Gebiss müssen Sie mit etwa 400 EUR rechnen.
  • Die empfohlene Nachsorge beläuft sich auf etwa 50 bis 200 EUR.

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Eine Paradontosebehandlung ist teuer
Auch für Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung können sich die selbst zu entrichtenden Kosten auf 150 bis 1.000 EUR addieren. Die Preise für private Leistungen werden nach GOZ mit dem 2,3 oder 3 fachen Faktor berechnet. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, lassen Sie sich in jedem Fall nach eingehender Beratung einen Heil- und Kostenplan erstellen und diesen genau vom behandelnden Zahnarzt erläutern.

Abhängig vom Vertrag übernehmen viele Zahnzusatzversicherungen zumindest einen Teil dieser Aufwendungen. Um keine böse Überraschung zu erleben, sollten Sie sich die Kostenübernahme vor Behandlungsbeginn bestätigen lassen und den Heil- und Kostenplan auch bei der Zusatzversicherung einreichen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Kostencheck: Damit die gesetzliche Krankenversicherung die Aufwendungen zumindest teilweise übernimmt, müssen Sie zunächst einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Hierfür erhebt der behandelnde Zahnarzt einen Parodontalstatus (PSI). Er misst er die Tiefe der Zahnfleischtaschen, fertigt ergänzende Röntgenaufnahmen an und erstellt einen Heil- und Kostenplan, den Sie bei der Krankenkasse einreichen können.

Zum Leistungsumfang der Kassen zählen:

  • Befundaufnahme
  • Röntgendiagnostik
  • So notwendig, eine Modellherstellung des Kiefers
  • Lokale Betäubungen
  • Infiltrations- oder Leitungsanästhesie
  • Geschlossene Paradontosebehandlung
  • Chirurgische Paradontitisbehandlung
  • Lokale Mundschleimhautbehandlung

Zunächst wird meist der Antrag für eine geschlossene Paradontitisbehandlung gestellt. Bleiben auch nach dieser Zahnfleischtaschen mit einer Tiefe von über 5,5 Millimetern bestehen, kann eine chirurgische Behandlung sinnvoll sein und entsprechend beantragt werden.

Nach abgeschlossener Therapie bezahlt die Krankenkasse die regelmäßige Kontrolle des Zahnbetts, das Messen der Zahnfleischtaschen sowie die Entfernung neuer Beläge.

Welche Teile der Behandlung muss ich selbst bezahlen?

Kostencheck: Vor oder während der Behandlung sind häufig Schritte nötig, welche nicht immer oder in vollem Umfang von der Krankenkasse bezahlt werden. Hierzu gehören beispielsweise:

Kostenübersicht Preis
3 D Röntgen 150 EUR
Bakterientest 70 – 100 EUR
professionelle Zahnreinigung 70 – 120 EUR
Laserbehandlung 60 – 120 EUR
Regenerative Parodontalchirurgie 100 – 300 EUR
spezielle Tinkturen oder Spülungen 5 – 25 EUR

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Die Kosten für eine Paradontosebehandlung setzen sich aus vielen Komponenten zusammen
Oben genannte Beträge können nur einen groben Anhaltspunkt bieten. Die tatsächlichen Kosten schwanken in Abhängigkeit vom gewählten Zahnarzt und der Region stark.

Für die Nachsorge müssen Sie ebenfalls einen gewissen Eigenanteil, der zwischen 50 und 200 EUR liegen kann, in Kauf nehmen, da einige Maßnahmen nicht im Leistungskatalog aufgeführt sind. Da es sich bei der Paradontitis um eine chronische Erkrankung handelt, die unbehandelt immer wieder auftritt, sollten Sie die Prophylaxe sehr ernst nehmen.

Welche Ursachen hat Paradontitis?

Kostencheck: Es gibt eine Vielzahl von Risikofaktoren, deshalb ist Paradontitis auch so weit verbreitet. Hierzu zählen:

  • Mangelnde Mundhygiene: Auf den Zähnen lagern sich Speichelbestandteile an, die nach kurzer Zeit von Bakterien besiedelt werden. Wird diese Plaque nicht regelmäßig entfernt, kommt es zu Paradontitis und/oder Karies.
  • Schmutznischen durch überstehende Füllungen und Kronen.
  • Ein geschwächtes Immunsystem.
  • Zahnstein, der aus mit Kalk umschlossenen Krankheitserregern besteht. Er weist eine zerklüftete Oberfläche auf, die wiederum ein optimaler Nährboden für Plaque ist.
  • Individuelle Anfälligkeit: Heute weiß man, dass diese Zahnbetterkrankung familiär gehäuft auftritt. Ob eine genetische Veranlagung oder die anerzogene Mundhygiene hierfür verantwortlich sind, ist allerdings unklar.
  • Rauchen: Das im Tabakrauch enthaltene Nikotin setzt die Durchblutung des Zahnfleisches herab. Dadurch kann das Immunsystem Bakterien schlechter im Schach halten. Rund 70 Prozent der an Parodontitis erkrankten Menschen sind Raucher.
  • Stoffwechselerkrankungen: Krankheiten wie Diabetes oder Rheuma begünstigen Paradontitis ebenfalls..

Welche Risiken hat eine unbehandelte Parodontitis?

Kostencheck: Leider sind locker werdende, ausfallende Zähne nicht die einzige Folge einer unbehandelten Parodontitis. Gelangen die Keime in den Blutkreislauf, kann diese Zahnbetterkrankung zu schwerwiegenden, gesundheitlichen Schäden führen:

  • Erhöhtes Herzinfarkt-, Schlaganfall- und/oder Thromboserisiko.
  • Gefahr von Lungenentzündungen
  • Infektionen an den Gelenken
  • Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit.

Was wird bei der Behandlung gemacht?

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Die Behandlung von Paradontose tut nicht weh
Kostencheck: Die Therapie wird auf die individuelle Zahnsituation abgestimmt. Für den erfolgreichen Abschluss sind meist mehrere Sitzungen erforderlich.

Die Therapie verläuft schmerzfrei, da der Zahnarzt die zu behandelnden Bereiche betäubt. Im Anschluss werden die Zahnfleischtaschen gründlich gereinigt. Die im Labor bestimmten Keimarten lassen sich sehr gezielt mit Antibiotika bekämpfen.

Die Zahnfleischtaschen können auch mittels Laser und lichtaktivierten, bakterienabtötenden Substanzen keimfrei gemacht werden. Diese Behandlung ist sehr schonend, wird allerdings derzeit noch nicht von der Krankenkasse finanziert.

Ist auch der Knochen im Mitleidenschaft gezogen, baut der Zahnarzt diesen mit Ersatzmaterial wieder auf. Allerdings ist es nur begrenzt möglich, Knochensubstanz an durch Parodontitis geschädigten Zähnen wiederzugewinnen.

Stören Sie sich an den freiliegenden Zahnhälsen und Verfärbungen, sorgt die plastische Paradontalchirurgie für ein optisch schönes Ergebnis. Der Zahnarzt bedeckt die Unregelmäßigkeiten mit kleinen Gewebeanteilen aus anderen Regionen der Mundschleimhaut, sodass ein ebenmäßiges Gesamtbild entsteht.

Welche Symptome treten durch eine Parodontitis auf?

Kostencheck: Viele Patienten nehmen eine Parodontitis im Anfangsstadium gar nicht wahr, da sich diese Zahnbetterkrankung schleichend entwickelt. Ein erstes Anzeichen kann Zahnfleischbluten nach dem Zähneputzen sein. Es tritt im fortgeschrittenen Stadium auch dann auf, wenn Sie beispielsweise in einen knackigen Apfel beißen.

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Wer unter andauerndem Zahnbluten leidet, sollte schnell einen Zahnarzttermin machen
Stellen Sie bei der Zahnpflege fest, dass das Zahnfleisch deutlich gerötet und angeschwollen ist, sollten Sie rasch einen Termin beim Zahnarzt vereinbaren. Nur durch eine Parodontitisbehandlung kann jetzt noch verhindert werden, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht und sich Knochensubstanz zurückbildet. Geschieht dies, reagieren die Zähne schmerzempfindlich auf Wärme oder Kälte. Häufig kommt es auch zu sehr unangenehmem Mundgeruch. Überschreitet der Knochenschwund ein gewisses Maß, lockern sich die Zähne und fallen aus.

Breitet sich die Infektion aus, was sehr gefährlich ist, kommt es zu:

  • Kieferklemme (der Mund lässt sich nicht mehr normal öffnen)
  • Schluckbeschwerden
  • undeutlicher Sprache
  • Schwellungen im Gesichts- und Halsbereich.

Stellen Sie derartiges bei sich fest, sollten Sie umgehend einen Zahnarzt, gegebenenfalls den zahnärztlichen Notdienst, aufsuchen.

Kann man einer Parodontitis vorbeugen?

Kostencheck: Einer Parodontitis lässt sich bis zu einem gewissen Grad vorbeugen:

  • Putzen Sie mindestens zweimal täglich gründlich die Zähne.
  • Verwenden Sie dabei auch Interdentalbürsten und Zahnseide. Nur so lässt sich Plaque aus den Zahnfleischtaschen entfernen.
  • Es ist sinnvoll, sich die richtige Zahnputztechnik vom Zahnarzt zeigen zu lassen.
  • Auch die professionelle Zahnreinigung dient der Parodontitis-Prophylaxe. Hier werden nicht nur die Zähne gründlich gereinigt, sondern individuelle Problemzonen aufgedeckt. Wie häufig diese Maßnahme erforderlich ist, hängt vom Zustand des Zahnbetts ab.
  • Litten Sie schon einmal unter Parodontitis, sind Zahnarztbesuche im halbjährlichen Abstand Pflicht.
  • Raucher haben ein deutlich erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken. Versuchen Sie, nicht nur dem Zahnbett und den Zähnen zuliebe, mit dem Rauchen aufzuhören.
  • Leiden Sie unter Grunderkrankungen wie Diabetes, sollten diese effektiv behandelt werden.

Was kann ich tun, damit die Parodontitis nicht wieder kommt?

Kostencheck: Wichtig ist eine gute Nachsorge, die anfangs auch monatlich, mindestens aber alle drei Monate, erfolgen sollte. Lassen Sie zusätzlich in regelmäßigen Abständen eine medizinische Zahnreinigung durchführen und scheuen Sie die aus eigener Tasche zu entrichtenden Kosten in Höhe von 80 bis 120 EUR nicht.

Achten Sie im Alltag darauf, die Zähne zweimal täglich gründlich zu reinigen. Neben einer guten Zahnbürste sollten Sie Zahnseide und Interdentalbürstchen verwenden. Spezielle Mundspülungen sorgen dafür, dass sich Bakterien nicht mehr so leicht am Zahnfleischrand ansiedeln und die Zahnfleischtaschen wandern können.

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