Trockenestrich: Welchen Preis muss man rechnen?

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Auch bei Trockenestrich ist eine Trockenzeit einzuhalten

Trockenestrich kann in vielen Fällen eine gute Alternative zum herkömmlichen Estrich sein. Welche Preise man für Trockenestriche in der Regel rechnen muss, und welche Preisunterschiede es zu anderen Estricharten gibt, verrät der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Um das gleich einmal zu Anfang zu klären: worin liegt der Unterschied zwischen Trockenestrich und anderen Estrichen?

Kostencheck-Experte: Anders als herkömmliche Estricharten, die immer nass eingebaut werden, wird der Trockenestrich über ein Plattensystem eingebaut. Das bringt einige Vorteile mit sich:

  • es braucht keine Trockenzeit abgewartet werden, wie bei anderen Estrichen (etwa bis zu 30 Tage bei Zementestrichen)
  • es wird keine zusätzliche Baufeuchte eingetragen
  • die Oberfläche ist nach dem Verlegen innerhalb von 24 Stunden begehbar
  • Trockenestrich kann auch bei tiefen Temperaturen problemlos eingebaut werden (etwa im Herbst oder Winter in ungeheizten Räumen)
  • für den Einbau sind keine besonderen Geräte nötig
  • es werden für den Einbau nicht zwingend Fachleute benötigt (bei herkömmlichen Estrichen sollte man selber lieber nichts versuchen)
  • Trockenestrich kann auch allein und ohne Helfer eingebaut werden
  • durch die vielen unterschiedlichen Estrichstärken, die man fertig kaufen kann, ist eine problemlose Anpassung des Trockenestriches möglich
  • auch größere Unebenheiten lassen sich ohne komplizierte Ausgleichsestriche einbauen, Leitungsschichten werden automatisch mit eingebaut

Alle diese Vorteile können in einzelnen Fällen zum Tragen kommen – dann ist Trockenestrich im Vergleich zu herkömmlichen nass eingebauten Estrichen eine gute Alternative.

Frage: Das sind schon eine Menge Vorteile. Die haben vermutlich dann auch ihren Preis – was kostet Trockenestrich im Allgemeinen?

Kostencheck-Experte: Trockenestrich ist – vom Material her gesehen – tatsächlich deutlich teurer als herkömmliche Nassestriche.

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Trockenestrich ist teurer als Nassestrich

Im Allgemeinen müssen Sie mit Preisen zwischen 15 EUR pro m² und 30 EUR pro m² bei Trockenestrich rechnen.

Zu den Estrichelementen kommen aber unter Umständen noch einige weitere Kosten. Das kann von Fall zu Fall aber unterschiedlich sein.

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis:

In einem bisher nicht genutzten Nebenraum soll im späten Herbst noch Estrich eingebaut werden. Die Fläche des Raums beträgt 44 m². Verlegt werden sollen 60 mm starke Trockenestrich-Elemente. Wegen des unebenen Untergrunds ist eine Ausgleichsschicht erforderlich. Eine Dampfsperre soll ebenfalls eingebaut werden.

Posten Preis
Estrich-Elemente 1.232 EUR
Kleber 42 EUR
Ausgleichsschüttung 450 EUR
Dampfsperr-Folie 110 EUR
Kleinmaterial (Schrauben, Fugenspachtelmasse, faserverstärkt) 50 EUR
Gesamtkosten 1.884 EUR

Alleine die Materialkosten liegen für dieses Vorhaben aber insgesamt bei 42,81 EUR pro m². Das ist natürlich nur ein Kostenbeispiel aus der Praxis – in anderen Fällen können, je nach erforderlicher Stärke der Estrichelemente und örtlichen Gegebenheiten die Kosten deutlich höher oder niedriger ausfallen.

In unserem Beispiel müssen Sie den Trockenestrich selbst verlegen. Dazu gehört immerhin ein wenig Geschick. Wenn Sie die Arbeiten vom Handwerker ausführen lassen, werden Sie in den meisten Fällen zwischen 300 EUR und 500 EUR zusätzlich rechnen müssen.

Im Vergleich zu herkömmlichen Zementestrichen oder einem Anhydrit-Fließestrich liegen die Kosten für den Trockenestrich natürlich sehr hoch – da muss schon ein guter Grund für den Einbau bestehen.

Ein Trockenestrich ist in unserem Fall beim Selbsteinbau schon teurer als ein herkömmlicher Zementestrich mit samt der Verlegung durch die Fachleute.

Frage: Wovon hängen die Preise für Trockenestrich im Allgemeinen ab?

Kostencheck-Experte: Dafür spielen einige Faktoren eine Rolle:

  • die Stärke des benötigten Estrichs und die statische Belastbarkeit
  • die Zusammensetzung der gewählten Trockenestrich-Elemente
  • die Stärke der gewünschten Dämmschicht
  • die Stärke der nötigen Ausgleichsschicht
  • die Preise für die Zusatzmaterialien (Kleber, Fugenspachtelmasse, etc.)

Frage: Welche Preisunterschiede gibt es bei den einzelnen Estrich-Elementen?

Kostencheck-Experte: Die Preisunterschied richten sich hier nach verschiedenen Kriterien:

  • nach der Art des Estrich-Elements
  • nach der Stärke der Estrich-Schicht
  • nach der vorhandenen Dämmung

Die nachfolgende Tabelle soll das ein wenig illustrieren:

Elementart Preis pro m²
Estrichelement aus Gipsfaser, 20 mm, Dämmung 2E11 16,76 EUR pro m²
Estrichelement aus Gipsfaser, 30 mm, Holzfaserdämmplatte 10 mm 21,52 EUR pro m²
Estrichelement MW, 35mm, Dämmung Mineralwolle 10 mm 24,22 EUR pro m²
Estrichelement aus Gipsfaser, 50 mm, Dämmung Polystyrol-Hartschaum 20 mm 23,36 EUR pro m²
Powerpanel (zementgebundener TE) 25 mm, ohne Dämmung 32,87 EUR pro m²
Aquapanel (zementgebundener TE), 12,5 mm ohne Dämmung 20,90 EUR pro m²

Das zeigt schon einmal die Unterschiede. Was vor allem auffällt, ist dass die zementgebundenen Varianten bei gleicher Stärke schon empfindlich teurer sind als die Estrichemelemente aus Gipsfaser-Platten.

Wird eine hohe Tragkraft benötigt, oder handelt es sich um stark belastete Bereiche, kommt man oft um zementgebundene Estrichelemente aber nicht herum.

In vielen Fällen wird man auch den gesamten Bodenaufbau statisch durchrechnen müssen, um eine sinnvolle Estrich-Stärke im jeweiligen Einzelfall zu ermitteln. Von dem Ergebnis hängen dann auch ganz wesentlich die Kosten für das Gesamtprojekt ab.

Der Haupt-Preisfaktor sind in der Praxis also die Estrich-Elemente selbst.

Frage: Im Kostenbeispiel erschien auch die Ausgleichsschicht relativ teuer – welche unterschiedlichen Kosten muss man da rechnen?

Kostencheck-Experte: Das kommt wiederum auf die verwendete Schüttung an. Als Ausgleichsschüttung werden dabei verschiedene Perlit-Materialien verwendet, die auch leicht unterschiedliche Eigenschaften haben.

Die meisten Hersteller von TE-Elementen bieten auch zusätzlich gleich die passende Ausgleichsschüttung mit an. Die Preise können hier aber recht variabel sein.

Zudem muss man aber auch immer den Verbrauch pro m² und cm Schüttungshöhe mit berücksichtigen.

Produkt Verbrauch und Sackgröße Preis
BIT Perlit (bituminierte Ausgleichsschüttung, gebundene Schüttung) 11 l/m² und cm, 100-Liter-Sack 30 EUR je 100 l Sack
Perlit HAWA (hartwachsummantelte Ausgleichsschüttung) 11 l/m² und cm, 100-Liter-Sack 38 EUR je 100 l Sack
BS Perlit (bituminierte Ausgleichsschüttung, gebundene Schüttung) 10,5 l/m² und cm, 40-Liter-Sack 8,90 EUR je 40 l Sack
HYPerlit (hydrophobierte Ausgleichsschüttung, gebundene Schüttung) 12 l/m² und cm, 100-Liter-Sack 11,16 EUR je 100 l Sack
BituPerl Ausgleichsschüttung, gebundene Schüttung) 11 l/m² und cm, 100-Liter-Sack 25 EUR je 100 l Sack
BIT Perlit (bituminierte Ausgleichsschüttung, gebundene Schüttung) 11 l/m² und cm, 100-Liter-Sack 30 EUR je 100 l Sack
Fermacell Ausgleichsschüttung, 10 l/m² und cm, 50-Liter-Sack 12 EUR je 50 l Sack
Fermacell gebundene Ausgleichsschüttung, gebundene Schüttung) 10 l/m² und cm, 80-Liter-Sack 30 EUR je 80 l Sack
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Auch die Kosten für die Ausgleichsschicht müssen bedacht werden

Man sieht also, dass es hier durchaus Preisunterschiede gibt. Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede nicht so groß zu sein, manchmal sind sie auch durch verschiedene Gebindegrößen verschleiert.

Rechnet man dann nach, kann man aber bei einzelnen Produkten durchaus Unterschiede zwischen 0,24 EUR pro Liter und 0,39 EUR pro Liter erkennen. Bei dem hohen Bedarf kann das durchaus beträchtlich sein – in unserem Musterbeispiel haben wir immerhin rund 1.300 Liter Schüttung verbraucht.

Dazu kommt, dass man für eine geplante Dämmwirkung je nach Produkt unterschiedlich hohe Schüttungen anlegen muss – das muss man dann umgekehrt wieder mit dem Verbrauch in Litern und dem Preis in Liter Produkt in Verbindung bringen.

Frage: Gibt es bei den übrigen Verbrauchsmaterialien ebenso hohe Preisunterschiede?

Kostencheck-Experte: Wenn wir uns einmal ansehen, was man da so braucht, dann sind das:

  • Kleber für Estrich-Elemente
  • Schrauben (unterschiedlich, je nach Estrich)
  • faserverstärkte Fugenspachtelmasse und eine
  • Dampfsperr-Folie

Beim Kleber für die Trockenestrich-Elemente gibt es noch kleinere Unterschiede, je nachdem, welches Produkt man verwendet. In unserem Beispiel haben wir einen Fertigkleber von Fermacell verwendet, hier liegt der Kilopreis bei rund 15 EUR, andere Kleber kosten ab rund 10 EUR pro kg und können durchaus auch bis zu 30 EUR pro kg kosten.

Da aber 1 kg Kleber meist für fast 20 m² reicht, fallen die Unterschiede nicht ganz so ins Gewicht.

Beim Fugenspachtel muss man darauf achten, dass man unbedingt faserverstärkte Spachtelmassen verwendet – herkömmliches Rigips-Spachtel genügt hier nicht. Beim Fugenspachtel müssen Sie ab rund 1,60 EUR pro kg rechnen. Der Verbrauch liegt zwischen 0,2 und 0,4 kg/m², je nach Plattenstärke und Anzahl der (Trockenbau-)Kanten. Damit entstehen beim Fugenspachtel Kosten zwischen 0,30 EUR pro m² und 0,60 EUR pro m².

Die noch notwendigen Schnellbauschrauben erhält man meist recht kostengünstig – 1.000 Schrauben kosten im Allgemeinen zwischen 10 EUR und 15 EUR. In unserem Beispiel kamen wir damit aus. Kleinere Mengen (z.B. 250 Schrauben) sind dann entsprechend günstiger.

Bei der Dampfsperrfolie müssen Sie im Allgemeinen rund 2,50 EUR pro m² kalkulieren. Je nach Art der Folie, die Sie verwenden, kann der Preis aber ein wenig über oder unter diesem Wert liegen.

Frage: Das gibt schon einmal einen guten Überblick über die Materialkosten, die anfallen können. Wie teuer wird es, wenn man verlegen lässt?

Kostencheck-Experte: Die Preise für Handwerker-Leistungen sind natürlich recht unterschiedlich, vieles hängt auch vom Zeitaufwand ab, der am speziellen Ort dann benötigt wird. Und Handwerker verlangen natürlich unterschiedlich hohe Preise für ihre Arbeitsleistung.

Im Allgemeinen werden Sie, wenn Sie verlegen lassen, aber zwischen 7 EUR pro m² und 12 EUR pro m² an Kosten für die Handwerker zusätzlich veranschlagen.

Frage: Wie kann man beim Trockenestrich nun am besten Kosten sparen?

Kostencheck-Experte: Zunächst einmal natürlich, indem man überall darauf verzichtet, wo es geht. Ein klassischer Nassestrich ist samt Einbau meist schon günstiger als der reine Materialpreis beim Trockenestrich.

Wenn es aber gute Gründe dafür gibt, und man um einen Trockenestrich nur schwer herum kommt, sollte man überlegen, ihn selber einzubauen. Das ist im Allgemeinen nicht allzu kompliziert. Auf diese Art und Weise spart man zumindest die Einbaukosten.

Tipps & Tricks

Wie man Trockenestrich selber richtig einbaut, ist an dieser Stelle ausführlich beschrieben.