Berufliche Fortbildung: Was kostet die Ausbildung zum Alltagsbegleiter?

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Alltagsbegleiter leisten Senioren und Menschen mit Handicap Hilfe bei der Alltagsgestaltung und Bewältigung. Es handelt sich hierbei um einen sehr erfüllenden Beruf, denn Sie müssen flexibel auf die Bedürfnisse der zu betreuenden Person eingehen. Im Interview mit dem Kostencheck-Experten erfahren Sie, was die Ausbildung zum Alltagsbegleiter kostet, welche Inhalte Sie erwarten sowie viele weitere, interessante Details rund um diese Tätigkeit.

Was ist ein Alltagsbegleiter?

Kostencheck: Alltagsbegleiter nach 87b, 53c und 43b ist eine Bezeichnung aus dem elften Buch des Sozialgesetzbuchs. Diese Paragrafen regeln die zusätzliche Betreuung und Aktivierung Pflegebedürftiger durch Betreuungskräfte.

Seit dem Pflegestärkungsgesetz, das am 01.01.2015 in Kraft trat, haben nicht mehr nur demente Heimbewohner, sondern alle Pflegebedürftigen ein Anrecht auf zusätzliche Betreuung durch einen Alltagsbegleiter. Für diesen gibt es verschiedene Berufsbezeichnungen, die alle des gleiche Berufsbild meinen, Dies sind beispielsweise:

  • Präsenzkraft
  • Seniorenbetreuer
  • Alltagsbetreuer
  • Seniorenbetreuer
  • Seniorenassistent
  • Demenzbegleiter
  • Betreuungsassistent (teils mit dem Zusatz 87b, 53c, stationäre Betreuung oder 45b )
  • zusätzliche Betreuungskraft
  • Pflege- und Betreuungsassistent.

Alltagsbegleiter sorgen für Abwechslung und Betreuung zwischendurch und schaffen so Freiraum für die pflegenden Angehörigen oder das Pflegepersonal.

Was kostet die Ausbildung?

Kostencheck: Die Kosten für diesen Kurs variieren von Bildungsträger zu Bildungsträger. Einen Überblick verschafft nachfolgende Tabelle:

AnbieterKosten
Johanniter860 EUR
Pari-Schulen990 EUR
Malteser830 EUR
Altenpflegeschule605 EUR
Fernakademie120 EUR monatlich

Pauschal kann also gesagt werden, dass Sie mit Kosten zwischen 600 bis zu 1.000 EUR rechnen müssen.

Wo finden die Qualifizierungsmaßnahmen statt?

Kostencheck: Die wird von zugelassenen Verbänden und Bildungsanbietern durchgeführt. Beinahe in jeder Stadt finden Sie entsprechende Kurse, sodass weite Anfahrtswege entfallen. Sollte dies nicht der Fall sein, können Sie alternativ einen Fernlehrgang absolvieren.

Gibt es Fördermöglichkeiten?

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Fördermittel für die Ausbildung sind erhältlich

Kostencheck: Entspricht die Umschulung den erforderlichen Voraussetzungen, so ist eine Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter (Bildungsgutschein) möglich. Auch bei der Deutschen Rentenversicherung oder dem Berufsförderungsdienst der Bundeswehr können Sie die Kostenübernahme beantragen. Um in den Genuss einer finanziellen Unterstützung zu kommen, müssen Sie einen Bildungsträger wählen, der zertifizierte Kurse anbietet.

Müssen Sie die Kosten selbst tragen, können Sie diese je nach individueller Situation als Vorgründungskosten, Betriebskosten, Sonderkosten oder Werbungskosten steuerlich geltend machen. Welche Absetzbarkeit für Sie in Frage kommt, darüber gibt Ihr Steuerberater oder der für Sie zuständige Finanzbeamte Auskunft.

Welche Zulassungsvoraussetzungen muss ich erfüllen?

Kostencheck: Der Beruf als Alltagsbegleiter eignet sich hervorragend für Quereinsteiger. Um zum Kurs zugelassen zu werden, müssen Sie ein 5-tägiges Orientierungspraktikum (40 Wochenstunden) nachweisen können. Dadurch wird sichergestellt, dass Ihnen die Arbeit im Pflegeheim auch wirklich liegt. Verfügen Sie über entsprechende Erfahrungen, beispielsweise weil Sie bereits als ehrenamtliche Kraft in der Altenpflege tätig waren, entfällt das Vorpraktikum.

Des Weiteren müssen Sie, um das Zertifikat zu erhalten, einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen, der nicht länger als zwei Jahre zurückliegen darf. Häufig wird dieser im Zuge des Kurses vom Träger angeboten.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Ausbildung als Alltagsbegleiter?

Kostencheck: Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht vorgeschrieben. Viele Anbieter dieses Kurses setzen ein Mindestalter von 18 Jahren sowie die Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift voraus. Grundlegende Computerkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil.

Freude, Empathie und Geduld sind Charaktereigenschaften, die jeder Alltagsbegleiter mitbringen sollte. Weitere wichtige Voraussetzungen wären:

  • Soziale Kompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Beziehungsfähigkeit
  • Kreativität
  • Flexibilität
  • psychische Belastbarkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Teamfähigkeit

Um als Alltagsbegleiter arbeiten zu dürfen, müssen Sie eine Qualifizierungsmaßnahme von mindestens 160 Stunden durchlaufen haben. Diese kann in Vollzeit- oder Teilzeit stattfinden. Sie beinhaltet:

  • einen Basiskurs mit 100 Stunden Theorie
  • sowie einen Aufbaukurs von 60 Stunden.

Hinzu kommt ein abschließendes, 2-wöchiges Vollzeitpraktikum in einem Altenheim. Die Qualifikation schließt mit einer Prüfung ab. Bestehen Sie diese, erhalten Sie ein anerkanntes Zertifikat. Im Anschluss fühlen Sie sich sicher im Umgang mit den Patienten, erkennen deren Ressourcen und können diese angemessen fördern.

Wie lange dauert dieser Kurs?

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Die Dauer der Ausbildung variiert je nach Ausbilder

Kostencheck: Auch hier kann keine allgemeingültige Aussage gemacht werden. In den meisten Fällen dauert die Ausbildung zum Alltagsbegleiter vier bis fünf Monate. Es gibt jedoch auch Wochenendkurse, die entsprechend mehr Zeit in Anspruch nehmen. Auf die Kosten und die Fördermöglichkeiten hat die Dauer des Kurses keine Auswirkung.

Was lerne ich in der Ausbildung?

Kostencheck: Die Ausbildungsinhalte sind vielfältig und zielen auf Ihr späteres Einsatzgebiet ab. Sie lernen beispielsweise:

  • Grundkenntnisse der Kommunikation und Interaktion
  • Grundkenntnisse verschiedener Demenzerkrankungen, deren Ursache und Häufigkeit
  • Grundkenntnisse der Pflege
  • Grundkenntnisse der Pflegedokumentation
  • Bewegungsprogramme
  • Arbeiten mit der Biografie
  • Beschäftigungsmöglichkeiten
  • Aktivitäten planen und selbstständig durchführen
  • Kontakte im Alter
  • Umgang mit Angehörigen
  • Stress- und Konfliktlösung
  • Ernährungslehre
  • Hygienevorschriften
  • Sterbebegleitung
  • Rechtliche Grundlagen
  • Wohnen und Wohnformen.

Geht es auch ohne Qualifizierung?

Kostencheck: Sind Sie bereits in der Pflege tätig und haben dort eine Ausbildung absolviert oder, so Sie ungelernte Kraft sind, an entsprechenden Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen, gelten Sie als qualifiziert und dürfen sofort als Alltagsbegleiter tätig werden.

Wo kann ich nach dem Kurs angestellt werden?

Kostencheck: Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Alltagsbegleiter finden beispielsweise Anstellung in:

  • Einrichtungen der Tagespflege
  • ambulanten Gruppen
  • stationären Wohngruppen
  • Pflegeheimen
  • privaten Haushalten.

Anspruch haben nicht nur Patienten in Pflegeeinrichtungen, auch anderweitig beeinträchtigte Personen wie beispielsweise Schlaganfallpatienten oder an Parkinson Erkrankte werden durch Alltagsbegleiter unterstützt.

Welche Aufgaben erwarten mich?

Kostencheck: Alltagsbegleiter ist ein sehr vielfältiger Beruf, in dem Sie jeden Tag etwas Neues erwartet. Die zu erfüllenden Aufgaben sind individuell abhängig von der zu betreuenden Person und Ihrem Einsatzgebiet, denn Menschen mit Handicap haben ganz andere Bedürfnisse als Senioren mit Demenz oder bettlägerige Personen.

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Alltagsbegleiter sollen den Alltag älterer Leute aufpeppen

Für den Alltagsbegleiter steht nicht die Pflege im Vordergrund, sondern Sie gestalten den Alltag bunt und abwechslungsreich. So freuen sich Bettlägerige darüber, die Tageszeitung vorgelesen zu bekommen, ein nettes Gespräch zu führen oder einfach über Ihre Nähe. Einem Demenzkranken mit gesteigertem Bewegungsdrang wird durch einen ausgedehnten Spaziergang in der Natur geholfen. Gemeinsam zu singen, basteln, malen und spielen bereichert den Alltag von Pflegebedürftigen und sorgt für Abwechslung. Gymnastikstunden und Mahlzeiten im gemütlichen Rahmen komplettieren das Betreuungsprogramm.

Im Privathaushalt gestaltet sich der Arbeitsalltag meist etwas anders. Hier entlasten Sie in erster Linie die pflegenden Angehörigen. So begleiten Sie Personen mit Einschränkungen zum Einkaufen, ins Theater oder in ein Konzert. Sie unterstützen Menschen mit Demenz, damit diese möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld verbleiben können. Beschäftigungsangebote wie Lesen, Singen, Malen oder spielen runden Ihr Aufgabenfeld ab.

Sind Fortbildungsmaßnahme vorgeschrieben?

Kostencheck: Damit Ihr Zertifikat gültig bleibt, müssen Sie jährlich an einer oder mehreren Pflichtfortbildungen mit mindestens 16 Gesamtstunden teilnehmen. In diesen wird Ihr Wissen für die Berufspraxis auf den aktuellen Stand gebracht. In der Regel werden die Kosten für diese Weiterqualifikation durch den Arbeitnehmer getragen.

Was ist der Unterschied zwischen Alltagsbegleiter, Pflegebegleiter und Pflegehelfer?

Kostencheck: Für Alltagsbegleiter gibt es wie eingangs erwähnt verschiedenste Begriffe. Alltagsbegleiter haben eine anerkannte Ausbildung durchlaufen, während Pflegebegleiter in der Regel ehrenamtlich tätig sind. Sie haben keine Aufgabengebiete aus dem Bereich der Pflege oder Betreuung und somit nur eine beratende und informierende Funktion. Alltagsbegleiter hingegen erbringen betreuerische Leistungen und haben eine fundierte Ausbildung durchlaufen.

Der Pflegehelfer muss eine einjährige Ausbildung an einer Berufsfachschule für Altenpflege absolvieren und ist im Unterschied zum Alltagsbegleiter pflegerisch und nicht in der Betreuung und Aktivierung tätig.

Wie sind die Anstellungschancen und was verdiene ich als Alltagsbegleiter?

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Alltagsbegleiter werden in Zukunft immer mehr gebraucht

Kostencheck: Der Beruf als Alltagsbegleiter gilt, bedingt durch den demografischen Wandel, als zukunftssicher. Die Aussichten, nach dem Kurs eine Anstellung zu finden, sind ausgesprochen gut. In nahezu jedem Pflegeheim werden inzwischen Alltagsbegleiter eingesetzt und es gibt derzeit mehr offene Stellen als Bewerber. Die Höhe des Gehalts ist abhängig vom Träger und liegt zwischen 1.700 EUR und 2.000 EUR.

Häufig werden Alltagsbegleiter in Teilzeit oder auf Minijobbasis eingestellt. Je nach Einrichtung müssen Sie damit rechnen, im Schichtbetrieb und auch an den Wochenenden zu arbeiten. Nicht unüblich ist auch eine freiberufliche Tätigkeit, beispielsweise als stundenweiser Alltagsbegleiter.

Ich möchte einen Alltagsbegleiter engagieren, was kostet das?

Kostencheck: Leider lässt sich nicht verbindlich sagen, wie viel Sie für die stundenweise Betreuung eines Angehörigen aufwenden müssen. Die Kosten variieren von Anbieter zu Anbieter, selbst innerhalb einer Stadt. Hinzu kommen je nach Pflegedienst noch Anfahrtskosten.

Pauschal lässt sich sagen, dass Sie mit einem Stundenlohn von mindestens 15 bis 30 EUR rechnen müssen. Da die Kosten so stark variieren, lohnt es sich, mehrere Anbieter zu vergleichen. Die Arbeit des Alltagsbegleiters können Sie sowohl das Pflegegeld als auch einen Zuschuss für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nutzen. Schon ab dem ersten Pflegegrad können Sie dadurch einen monatlichen Betrag von 125 EUR beanspruchen. Mit steigendem Pflegegrad erhöht sich dieser Zuschuss.