Kosten und Finanzierungsmöglichkeiten der Physiotherapie-Ausbildung

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Sie arbeiten gerne mit Menschen zusammen und interessieren sich für Themengebiete wie Medizin, Anatomie oder Physiologie? Sie wünschen sich gleichzeitig einen Beruf, der vielseitig ist und in dem Sie Personen mit unfall-, alters- oder krankheitsbedingten Einschränkungen bei der Wiederherstellung ihrer Beweglichkeit und anderer körperlicher Funktionen helfen können? Dann wäre vielleicht eine Ausbildung oder Umschulung zum/zur Physiotherapeuten/in genau das Richtige für Sie. Welche Kosten dabei auf Sie zukämen, wie diese abläuft und welche beruflichen Möglichkeiten sich im Anschluss bieten, damit befasst sich dieser Artikel.

Wo kann ich diese Ausbildung machen?

Kostencheck: In Deutschland bieten über 200 staatliche und private Schulen die Ausbildung zum/zur Physiotherapeuten/in an. Neben dem klassischen 3-jährigen Lehrgang können Sie auch ein Studium an einer Fachhochschule absolvieren. Ein Fernstudium hingegen ist wegen der vielen praktischen Ausbildungsinhalte sowie der vorgeschriebenen Praktika nicht möglich.

Was kostet die Ausbildung

Kostencheck: Bislang ist die Ausbildung in vielen Heilberufen, so auch jene zum/zur Physiotherapeuten/in, nicht immer kostenfrei. Welche Kosten entstehen ist unter anderem abhängig davon, ob Sie diese an einer staatlichen oder privaten Schule machen.

KostenübersichtPreis
staatliche Schulekostenfrei, evtl. muss Lehrmaterial selbst finanziert werden
private Schule50 – 450 EUR Schulgeld
 30 – 80 EUR Zwischenprüfungsgebühren
 150 – 300 EUR Prüfungsgebühren
 etwa 250 EUR für Lehrbücher
Studiumkostenlos (staatlichen Fachhochschulen) bis zu 600 EUR monatliche Lehrgangsgebühren (private Fachhochschulen)
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Nicht alle Schulen erheben Schulgelder

Hinzu kommen die Kosten für die Unterbringung sowie Exkursionen. Einige Institute erheben eine zusätzliche Gebühr für Skripte, bei anderen Schulen wird eine Aufnahmegebühr fällig.

Da die Kosten für die gesamte Ausbildungszeit nicht nur von den Schulgebühren, sondern auch von vielen individuellen Faktoren abhängig sind, lassen sie sich nur schwer beziffern. So ist die schulgeldpflichtige Ausbildung in einer teuren Stadt wie München unter anderem durch die Miete wesentlich kostenintensiver als jene an einem schulgeldfreien Campus im Umland von Berlin, wo sich zudem relativ günstig leben lässt.

Wie kann ich die Ausbildung finanzieren?

Kostencheck: Während der Ausbildung gilt es

  • die Kosten für Schulgeld (Studiengebühren) sowie Lehrmaterial und
  • den Lebensunterhalt

zu finanzieren. Hierfür gibt es, neben der Unterstützung durch die Eltern oder einen Nebenjob, verschiedene Möglichkeiten:

 GeldgeberInformationen
SchülerBAföGNur für Schüler/innen in der Erstausbildung. Alter unter 30. Vollzuschuss, rückzahlungsfrei.
 Elternunabhängiges BAföGWird nur in Ausnahmefällen bezahlt, z.B. wenn keine Unterhaltspflicht der Eltern besteht. Rechtslage ist kompliziert, lassen Sie sich ggf. beraten.
 BildungsgutscheinMuss im Rahmen einer Einzelfallprüfung bei der Arbeitsagentur beantragt werden.
 BildungskreditZinsgünstiges Darlehen, das zusätzlich oder nach dem BAföG beantragt werden kann. Ist vier Jahre nach der Fälligkeit der ersten Auszahlung in monatlichen Raten zurückzuzahlen.
 Berufsförderungsdienst der BundeswehrFördert Erst- und Zweitausbildungen sowie vorberufsspezifische Weiterbildungen. Der BFD erstellt nach vorhergehender Beratung einen Förderungsplan.
 KindergeldSie dürfen das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Für den Antrag genügt eine Bescheinigung der Schule.
 SteuerersparnisDas Schulgeld ist bis 5.000 EUR jährlich (höchstens 30 Prozent des Schulgelds) steuerlich absetzbar.
berufliche WeiterbildungAufstiegs-BAföGVoraussetzung: Anerkannte, abgeschlossene Erstausbildung oder vergleichbarer Abschluss. Eine berufliche Qualifikation, die jener des Physiotherapeuten ähnlich ist, darf nicht vorliegen. Es gibt keine Altersgrenze.
 BildungsgutscheinMuss im Rahmen einer Einzelfallprüfung bei der Arbeitsagentur beantragt werden.
 BildungsprämieDieses Programm richtet sich an Erwerbstätige, die eine Weiterbildung machen möchten oder eine Fortbildung, die nicht vom Arbeitgeber finanziert wird. Lassen Sie sich diesbezüglich beraten.
 BildungskreditZinsgünstiges Darlehen, das zusätzlich oder nach dem BAföG beantragt werden kann. Ist vier Jahre nach der Fälligkeit der ersten Auszahlung in monatlichen Raten zurückzuzahlen.
 Berufsförderungsdienst der BundeswehrFördert Erst- und Zweitausbildungen sowie vorberufsspezifische Weiterbildungen. Der BFD erstellt nach vorhergehender Beratung einen Förderungsplan. gilt auch, wenn Sie als Zeitsoldat verpflichtet waren.
 WeGebAUDiese Förderung richtet sich an ungelernte Beschäftigte. Haben Sie das 45. Lebensjahr vollendet, kann die Agentur für Arbeit bis zu 75 Prozent der Lehrgangskosten übernehmen. Lassen Sie sich beraten!
 WeiterbildungsstipendiumFördert unter anderem die Weiterbildung im Gesundheitsbereich. Möchten Sie diese Förderung in Anspruch nehmen, müssen Sie eine abgeschlossene Ausbildung in einem Gesundheitsberuf nachweisen. Altersgrenze: 25 Jahre.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

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Ein angehender Physiotherapeut muss auch selbst fit sein

Kostencheck: Grundvoraussetzung an den meisten Schulen ist ein mittlerer Bildungsabschluss (Mittlere Reife). Möchten Sie Physiotherapie an einer Hochschule studieren, benötigen Sie die Hochschulreife.

In der Praxis werden Bewerber mit Abitur bevorzugt. Die Fachschulen wählen die Bewerber/innen nach eigenen Kriterien aus und Sie müssen ein anspruchsvolles Bewerbungsverfahren durchlaufen. Hier werden:

  • die persönliche Fitness
  • Allgemeinbildung
  • motorische Fähigkeiten

für diesen abwechslungsreichen Gesundheitsberuf getestet.

Viele Schulen haben zudem bestimmte Zugangsvoraussetzungen. Dies können sein:

  • Ein Mindestalter von 16 Jahren.
  • Der Nachweis über ein Praktikum an einer physiotherapeutischen Einrichtung.

Physiotherapeut/in ist ein anspruchsvoller Beruf, der hohe Anforderungen an den Charakter stellt. Sie sollten nachfolgende, persönliche Voraussetzungen erfüllen:

  • Sicher im Umgang mit Menschen sein.
  • Zuverlässig und selbstständig arbeiten.
  • Über die Bereitschaft verfügen, Verantwortung für das Wohlbefinden anderer zu tragen.
  • Manuelles Geschick und etwas technisches Verständnis mitbringen.
  • Geduldig sein und sich in Kranke einfühlen können.
  • Seelisch und körperlich belastbar sein.
  • Eine gute Beobachtungsgabe haben.
  • Mit Fantasie und Kreativität an Ihre neue Aufgabe herangehen.
  • Interessiert sein an Sport und einer gesunden Lebensführung.

Was sind die schulischen Ausbildungsinhalte?

Kostencheck: Die Ausbildung zum Physiotherapeuten/in umfasst mindesten 2.900 Stunden Theorie in der Schule mit sowohl praktischen als auch theoretischen Unterrichtsinhalten. Dies sind beispielsweise:

  • Anatomie
  • Physiologie
  • Krankengymnastische Behandlungstechniken
  • Verschiedene Behandlungsformen wie: Massage-, Hydro-, Licht-, Thermo- und Strahlentherapie
  • Rehabilitation
  • Prävention
  • Bewegungs- und Trainingslehre
  • Bewegungserziehung

Einen hohen Stellenwert hat das Fach Sport, in dem Sie die Auswirkungen verschiedener Sportarten auf den menschlichen Körper kennenlernen. Auch Deutsch und Biologie stehen auf dem Stundenplan.

Was mache ich im Praktikum?

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Während der Ausbildung müssen mehrere Praktika absolviert werden

Kostencheck: Während der Ausbildung durchlaufen Sie mehrere Praktika mit einem zeitlichen Umfang von mindestes acht Wochen. Diese finden meist in Krankenhäusern statt. Sie lernen die Arbeit auf folgenden Stationen kennen:

  • Chirurgie
  • Innere Medizin
  • Orthopädie
  • Neurologie
  • Pädiatrie
  • Psychiatrie
  • Gynäkologie.

Kann ich während des Studiums im Ausland arbeiten?

Kostencheck: An vielen Schulen besteht die Möglichkeit, ein Auslandspraktikum zu absolvieren. Sie können beispielsweise mit behinderten Kindern in Nepal arbeiten, die erlernten Fähigkeiten in einem Altenheim in Südamerika einbringen oder Hausbesuche bei Senioren in Australien machen.

Der interkulturell sehr unterschiedliche Umgang mit Krankheiten ist eine interessante und nicht immer ganz einfache Erfahrung, die von vielen als sehr bereichernd empfunden wird. Im Zuge der Freiwilligenarbeit sind diese Auslandssemester häufig kostenfrei, denn Unterkunft und Verpflegung werden gestellt.

Wie sind die beruflichen Chancen?

Kostencheck: Diese sind als sehr gut einzustufen. Der Alltag zeichnet sich heute oft durch eine gewisse Bewegungslosigkeit aus, viele Tätigkeiten werden überwiegend im Sitzen ausgeführt. Dies führt, wie auch das immer höher werdende Alter, zu unterschiedlichen Erkrankungen, die durch Physiotherapie spürbar verbessert werden können.

Nicht nur im staatlichen Gesundheitsbereich an Krankenhäusern sind zahlreiche Stellen zu besetzen, auch private Praxen suchen immer wieder nach Physiotherapeuten. Möchten Sie sich selbstständig machen, ist eine Spezialisierung ratsam.

Welche Aufgabenfelder erwarten mich?

Kostencheck: Haben Sie die staatliche Prüfung bestanden, dürfen Sie als anerkannte/r Physiotherapeut/in tätig werden. Ihr Einsatzgebiet:

  • Krankenhäuser und Kliniken
  • Gesundheitszentren
  • Altenheime und Pflegeeinrichtungen
  • Sportvereine und Fitnesscenter
  • Wellnesseinrichtungen
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Die möglichen Arbeitsbereich für Physiotherapeuten sind umfangreich

Hier führen Sie beispielsweise rehabilitierende Maßnahmen nach Operationen durch oder mobilisieren nach einer schweren Krankheit. Sie planen Therapien eigenständig und führen sie durch. Durch Anleitungen für das selbstständige Üben helfen Sie, die Situation der Betroffenen dauerhaft zu verbessern. Beratungsgespräche gehören ebenso zu Ihrem Aufgabengebiet wie Gruppenangebote.

Leider geht es auch als Physiotherapeut/in nicht ganz ohne Schriftkram. So müssen Sie Patientenakten führen und verwalten, Ihre Kosten mit den Krankenkassen abrechen, Berichte verfassen und die Behandlungsverläufe protokollieren.

Was verdiene ich während der Ausbildung und als geprüfter Physiotherapeut

Kostencheck: Während der Schulausbildung erhalten Sie keine Vergütung, sondern müssen sogar manchmal für Schulgeld und andere Aufwendungen aufkommen. Die Kosten für die Ausbildung sind manchmal recht hoch.

Leider schlägt sich das, wie in vielen Gesundheitsberufen, nur begrenzt im Monatsverdienst nieder. Dieser liegt bei Berufsanfängern im Mittel bei etwa 2.100 EUR brutto. Das Gehalt lässt sich durch regelmäßige Fortbildungsmaßnahmen und Zusatzqualifikationen aber deutlich steigern.

Es lohnt sich also, in diesem Beruf am Ball zu bleiben. Je nach Dauer und Umfang müssen Sie hierfür einige Tage oder Wochen im Jahr einplanen. Je nachdem wo Sie beschäftigt sind kann der Arbeitgeber die Kosten für die Spezialisierung übernehmen.

Tipps & Tricks
Als Masseur/-in oder medizinische/r Bademeister/in können Sie eine verkürzte Physiotherapie-Nachqualifizierung machen. Diese können Sie an vielen Schulen sogar berufsbegleitend absolvieren, sodass die Finanzierung keine Hürde für diese, zahlreiche neue berufliche Perspektiven eröffnende, Zusatzqualifikation darstellt.