Berufliche Fortbildung: Was kostet ein Fernstudium?

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Eine interessante Alternative, die immer mehr Studenten als Variante zum Präsenzstudium nutzen, bietet das Fernstudium. Sie bleiben dadurch im Unterschied zur Hochschule vor Ort zeitlich flexibel. Ob Sie abends, am Wochenende oder im Urlaub lernen bleibt hierbei Ihnen überlassen, vorausgesetzt, Sie schaffen das festgelegte Pensum. Arbeiten können Sie überall dort, wo ein Internetzugang vorhanden ist. Sie sind also nicht an die eigene Wohnung gebunden, sondern können sich beispielsweise auch in der ruhigen Atmosphäre einer Bibliothek Ihren Studien widmen. Allerdings liest man oft, dass ein Fernstudium nicht ganz billig ist. Mit welchen Kosten Sie für dieses rechnen müssen und wertvolle Spartipps haben wir in diesem Artikel kompakt und übersichtlich für Sie zusammengefasst.

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

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Die Preise für ein Fernstudium variieren von 50 bis fast 1000€ pro Monat

Kostencheck: Die Ausgaben für das Fernstudium hängen von verschiedenen Faktoren wie der gewählten Fakultät und dem Studiengang, aber auch individuellen Aspekten ab. An der einzigen staatlichen Einrichtung, der Fernuniversität in Hagen, müssen Sie nur etwa 50 Euro monatlich für ein Bachelor-Studium kalkulieren. Ein Master-Studiengang an einer privaten Fernuni hingegen kostet bis zu 860 Euro.

In nachfolgender Tabelle haben wir verschiedene Studiengänge und die Kosten aufgelistet, sodass Sie sich ein Bild über die zu erwartenden monatlichen Aufwendungen machen können:

Studiengangniedrigster Preishöchster Preis
BWL Bachelor55 EUR380 EUR
Ernährungsberater130 EUR330 EUR
Psychologie50 EUR380 EUR
Informatik50 EUR330 EUR
Jura60 EUR250 EUR
Soziale Arbeit180 EUR330 EUR
Master Business Administration220 EUR860 EUR
BWL Master250 EUR600 EUR

Hierzu kommen noch Reise- und Übernachtungskosten, da auch bei einem Fernstudium Präsenzphasen vorgeschrieben sind.

Wie setzen sich die Kosten zusammen?

Kostencheck: Der größte Batzen entfällt auf die erhobenen Studiengebühren. In der Regel sind in diesen

  • die Studienunterlagen (Lehrbriefe, Skripte)
  • die persönliche Betreuung durch Tutoren
  • die Korrekturen der eingesandten Aufgaben
  • der Zugang zur Online-Plattform
  • sowie die Präsenzseminare

enthalten. Häufig auch, sofern notwendig, Veranstaltungen im Ausland.

Weitere Kosten, die anfallen können, wären:

  • Prüfungsgebühren
  • Studierendenbeiträge
  • Gebühren für zusätzliche Fachliteratur
  • Material-, Druck- und Kopierkosten
  • Gebühren für nicht verpflichtende Präsenzseminare
  • Reise-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten
  • Kosten für freiwillige Auslandsaufenthalte
  • Gebühren für die Abschlussarbeit

Diese variieren stark, sodass keine allgemeinen Angaben gemacht werden können. In einem BWL-Studiengang sind diese Kosten aber in der Regel weit niedriger als in einem Fernstudium Malerei, für das Sie teure Leinwände und Farben benötigen.

Wovon sind die Kosten noch abhängig

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Ein Fernstudium an einer privaten Uni ist deutlich teurer als an einer öffentlichen

Kostencheck: Wie teure das Fernstudium wird, ist in erster Linie von der gewählten Fernuniversität abhängig. Die staatliche Fernuni ist weit günstiger als privaten Fakultäten. Dafür bieten letztere oft einen besseren Service und auch im Onlinestudium angenehmere Rahmenbedingungen.

Da monatliche Gebühren anfallen, wirkt sich schon die Regelstudienzeit auf den Preis aus. Genügt Ihnen diese Zeit nicht, können Sie das Studium häufig kostenfrei darüber hinaus verlängern.

Die Art des Studiengangs ist ebenfalls ein Kostenfaktor. Masterstudiengänge sind fast immer teurer als ein Erststudium, das mit dem Bachelor abschließt. Noch preiswerter sind nicht-akademische Fernlehrgänge, die nur einen bestimmten Themenbereich vermitteln.

Auch die persönlichen Ausgaben wirken sich auf den Preis aus. So können Sie den kostengünstigsten Weg für die Anreise wählen oder bequem erster Klasse fahren. Auch Übernachtungen vor Ort können ins Geld gehen, beispielsweise weil Sie im Hotel wert auf einen guten Standard legen. Aber gerade hier, ebenso wie bei der Verpflegung, bietet sich die Möglichkeit, so manche bare Münze zu sparen.

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

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BAföG gibt es nur für die Erstausbildung

Kostencheck: Nicht jeder kann die Kosten für ein Fernstudium problemlos selbst aufbringen. Leider scheidet BAföG meist aus, da die Berufsausbildungsförderung nur die Erstausbildung oder ein Masterstudium unterstützt. Gerade wer ein Fernstudium in Betracht zieht, hat aber bereits eine Lehre absolviert und möchte sich durch diese Zusatzqualifikation Aufstiegsmöglichkeiten im Job sichern. Zudem gelten beim BAföG Altersgrenzen von 30 (Bachelor) beziehungsweise 35 Jahren (Master) sowie eine Einkommensgrenze von derzeit 4.800 EUR brutto.

Folgende Fördermöglichkeiten erleichtern die Finanzierung:

ArtBedingungen
Meister-BafÖGGefördert wird die Weiterbildung von Handwerkern und Fachkräften, unabhängig vom Alter. Voraussetzung: Es liegt noch kein Abschluss vor, der dem angestrebten sehr nahe steht.
BildungsgutscheineIst die Weiterbildung via Fernstudium für die Eingliederung von Arbeitssuchenden sinnvoll, können Sie Bildungsgutscheine bei der Agentur für Arbeit beantragen. Sie müssen sich dann selbst um eine Fernuniversität und den passenden Studiengang kümmern. Dieser muss AZWV-zertifiziert sein.
ArbeitgeberKönnen Sie Ihren Chef davon überzeugen, dass Ihr Fernstudium auch für das Unternehmen von Nutzen ist, übernehmen viele Arbeitgeber zumindest einen Teil der Kosten.
StipendiumDas Aufstiegsstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unterstützt Studierende mit Berufserfahrung. Sie müssen, um dieses zu erhalten, Ihr besonderes Talent und Engagement bewiesen haben.
KreditEin Studienkredit, z.B. von der KfW ist eine weitere Möglichkeit. Allerdings müssen Sie in diesem Fall das Geld nach Beendigung der Ausbildung zurückzahlen.

Kann ich durch ein Fernstudium Steuern sparen?

Kostencheck: Durch steuerliche Vorteile lassen sich die Kosten um bis zu 8.500 EUR, abhängig vom Studiengang und den Ausgangskosten, senken. Ist das Fernstudium bereits das zweite Studium oder die zweite Ausbildung, können Sie die Aufwendungen jedoch als Werbungskosten geltend machen.

Angerechnet werden:

  • Studiengebühren
  • notwendige Arbeitsmittel wie ein Computer
  • Internet- und Telefonkosten
  • das Arbeitszimmer
  • Studienliteratur
  • Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten
  • zusätzliche Gebühren für freiwillige, das Studium unterstützende Seminare

Teuer oder günstig, was ist besser?

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Nicht immer ist teuer auch besser

Kostencheck: Wie so oft lässt sich auch beim Fernstudium nicht pauschal beantworten, ob ein höherer Preis eine bessere Studienqualität garantiert. Oftmals bezahlen Sie einfach mehr, weil es sich um ein sehr renommiertes Institut handelt. Vergleichen Sie deshalb Inhalte und Leistungen gründlich. Die Zahl der erfolgreichen Abschlüsse und Erfahrungen von Absolventen, die Sie beispielsweise im Internet finden, helfen, das Preis-Leistungsverhältnis abzuschätzen.

Wie lange dauert ein Fernstudium?

Kostencheck: Fernstudiengänge haben ebenso wie Präsenzstudiengänge feste Regelstudienzeiten. Kostenlos zu verlängern geht fast immer. Aber gerade beim Fernstudium besteht häufig die Möglichkeit, das Studium in weniger als den angegebenen Semestern zu absolvieren. Hierzu müssen Sie allerdings einen Antrag stellen, denn dies bedeutet eine intensive Abstimmung zwischen Ihnen und dem Institut. Nur so bekommen Sie alle nach dem regulären Studienverlauf vorgesehenen Unterlagen.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass Sie geringere Gebühren für Ihr Studium bezahlen. Auch in der verkürzten Studienzeit erhalten Sie alle Unterlagen und müssen alle erforderlichen Prüfungen ablegen, der Aufwand für das Institut bleibt also gleich.

Bedenken Sie zudem, dass eine Verkürzung der Studienzeit einen erheblichen Zeit-Mehraufwand für Sie selbst erforderlich macht. Die sowieso schon knappere Freizeit reduziert sich nochmals. Aus diesem Grund gelingt es nur wenigen Fernstudenten, die Regelstudienzeit zu unterschreiten.

Wie läuft ein Fernstudium ab?

Kostencheck: Haben Sie sich für eine Fernuniversität entschieden, bekommen Sie schon nach wenigen Tagen die ersten, wichtigen Unterlagen. Jetzt kann es schon losgehen:

  • Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die Studienmaterialien, online verfügbare Dokumente, Studienhefte und weitere Medien.
  • Wie Sie lernen bleibt Ihnen weitestgehend selbst überlassen. Die Reihenfolge, in welcher Sie den Stoff bearbeiten, wird jedoch vorgegeben und Sie sollten sich für raschen Erfolg auch daran halten.
  • Arbeiten Sie sich einen Lernplan aus, das hilft bei der Selbstmotivation und Sie können das zu bewältigende Semesterpensum einschätzen.
  • Sie haben Fragen? Mit diesen können Sie sich jederzeit an den Fachlehrer oder Dozenten wenden.
  • Gelöste Aufgaben werden an das Institut übermittelt und hier korrigiert. So erhalten Sie Rückmeldung, ob Sie den Stoff verstanden haben und wo Sie aktuell stehen.
  • Je nach Fernkurs müssen Sie unterschiedlich viele Präsenzveranstaltungen besuchen.
  • Die Leistungskontrolle erfolgt bei Hochschulstudiengängen in regelmäßigen Abständen. Die notwendigen Prüfungen können Sie bei fast allen Instituten an verschiedenen Standorten ablegen, sodass der Anreiseweg nicht zu lang ist.
  • Am Studienende gilt es häufig eine Abschlussarbeit zu schreiben. Die Benotung dieser fließt in die Endnote hinein und dann ist es auch schon geschafft und Sie können sich über den Abschluss dieser intensiven Lebensphase freuen.

Welche besonderen Herausforderungen erwarten mich?

Kostencheck: Neben vielen Vorteilen haben die Studenten durch die besonderen Rahmenbedingungen auch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen:

Motivation und Zeitbedarf:

Gerade wer berufsbegleitend studiert muss eine gehörige Portion Eigeninitiative mitbringen. Sie müssen etwa fünfzehn bis zwanzig Wochenstunden Ihrer Freizeit opfern, um das Studienpensum zu bewältigen. Ihre Urlaubstage müssen Sie oft für Prüfungen reservieren, unter diesem Zeitmangel können die Sozialkontakte leiden.

Fehlender Austausch mit Mitstudenten:

Anders als im Hörsaal entwickeln sich nicht automatisch Kontakte. Um Lerngruppen zu bilden, müssen Sie selbst aktiv werden und sich beispielsweise im Online-Studienzentrum anmelden.

Alleine studieren

Ein Fernstudium verlangt, dass Sie sich alleine und sehr intensiv mit einem Thema auseinander setzen. Fällt Ihnen dies schwer, sollten Sie auch die im Rahmen eines Fernlehrgangs angebotenen freiwilligen Präsenzveranstaltungen wahrnehmen. Hier können Sie Fragen vor Ort stellen und Lerngruppen aufbauen.

Die Kostenfrage

Für ein Fernstudium fallen, wie in obiger Tabelle bereits aufgeführt, nicht ganz unbedeutende Kosten an. Schaffen Sie den Abschluss nicht, an der Fernuni Hagen brechen beispielsweise fast 50 Prozent der Studierenden ab, bleiben Sie auf den Kosten sitzen. Allerdings gilt der erste Studienmonat als Probezeit, in der Sie sich überlegen können, ob dieses Studienmodell das richtige für Sie ist.

Tipps & Tricks
Gerade an den privaten Fernuniversitäten lohnt es, auf Rabattaktionen zu achten. Diese gelten meistens für einen bestimmten Aktionszeitraum,. So lassen sich schnell einmal über 1.000 EUR, gerechnet auf die gesamte Studienzeit, sparen.