Berufliche Weiterbildung: Was kostet die Ausbildung zum Rettungssanitäter?

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Als Rettungssanitäter werden Sie im Berufsalltag mit immer wieder neuen Herausforderungen konfrontiert, denn oft erfahren Sie erst am Unfallort, was passiert ist. Sie müssen nun spontan entscheiden, wie Sie den Betroffenen helfen können. In diesem Beruf erleben Sie Ihren Alltag als ausgesprochen erfüllend, da Sie etwas gesellschaftlich Relevantes tun, das dem Leben Sinn verleihen kann. Was die Ausbildung zum Rettungssanitäter kostet und viele wertvolle Informationen rund um dieses Berufsbild haben wir in diesem Artikel zusammengetragen.

Welche Unkosten kommen durch die Ausbildung zum Rettungssanitäter auf mich zu?

Kostencheck: Wie bei zahlreichen Berufen im Gesundheitswesen sind diese nicht einheitlich geregelt. Sie müssen mit Ausbildungskosten zwischen 1.200 EUR und 2.200 EUR rechnen. Diese teilen sich wie folgt auf:

KostenübersichtPreis
Gebühr für den Grundlehrgang1000 – 1800 EUR
alternativ: Aufbaulehrgang vom Rettungshelfer zum Rettungssanitäter800 – 1300 EUR
Abschlusslehrgang incl. Prüfungsgebühr400 – 500 EUR
Lehrmaterial, sofern dieses nicht in der Gebühr für den Grundlehrgang enthalten ist50 – 100 EUR
Verpflegungs- und Übernachtungskostenindividuell
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Die Kosten variieren sehr stark

Die Kosten variieren je nach Ausbilder stark. Durch eventuell anfallende Verpflegungs- und Übernachtungskosten kann sich diese Qualifikation, abhängig vom gewünschten Standard, zusätzlich verteuern.

Die Mitglieder bestimmter Hilfsorganisationen können in den Genuss von Preisnachlässen kommen. Meldet ein Verband mehrere Mitarbeiter zum Kurs an, sind ebenfalls Nachlässe möglich.

Gibt es Fördermöglichkeiten?

Kostencheck: Können Sie den Betrag nicht selbst aufbringen, gibt es zahlreiche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, wie nachfolgende Tabelle zeigt:

Wer fördert?Wie wird gefördert?
Betrieb im RettungsdienstÜbernimmt die Kosten incl. Lehrmaterial und evtl. anfallender Reisekosten vollständig. Gelegentlich wird sogar ein kleines Gehalt während der Ausbildung bezahlt.
Förderung durch die ArbeitsagenturUm in den Genuss eines Bildungsgutscheins zu kommen muss der gewählte Bildungsträger AZAV-qualifiziert sein. Bitte beachten Sie, dass der Bildungsgutschein in der Regel vier Wochen vor Beginn der Maßnahme eingereicht werden muss und beantragen Sie diesen rechtzeitig.
Ratenzahlung beim BildungsträgerBei ausreichender Bonität bieten manchen Ausbilder diese Möglichkeit. Allerdings werden fast immer Zinsen verlangt, die auch über denen Ihrer Hausbank liegen können. Vergleichen Sie deshalb die Angebote gut.
StipendiumSeit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, dass Sie als Mitglied einer Hilfsorganisation in den Genuss eines Stipendiums kommen können.
BildungskreditDieser wird beispielsweise von der KFW angeboten und ist nicht abhängig von Vermögen und Einkommen der Eltern. Die Rückzahlung erfolgt nach Abschluss der Maßnahme in Raten.
BundeswehrEhemalige Zeitsoldaten haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine Förderung durch den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr.
BerufsgenossenschaftenMöchten Sie aus gesundheitlichen Gründen umschulen, kann auch die Berufsgenossenschaft die Kosten in voller Höhe übernehmen.

Wie lange dauert die Ausbildung und welche Voraussetzungen gibt es?

Kostencheck: Die Dauer dieser Qualifikation ist gesetzlich geregelt und richtet sich nach den „Grundsätzen zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst“. Deshalb kann die die Ausbildungsdauer von Bundesland zu Bundesland variieren. Sie dauert zwischen drei und neun Monaten. Der Kurs kann ich Voll- oder Teilzeit stattfinden.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die ich erfüllen muss?

Kostencheck: Wie in beinahe jedem Beruf müssen Sie bestimmte Bedingungen erfüllen:

  • Vorausgesetzt wird in der Regel mindestens der Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung, Ausnahmen sind allerdings möglich.
  • Ein Mindestalter von 17 oder 18 Jahren erreicht haben.
  • Eine ärztliche Bescheinigung über die gesundheitliche und körperliche Eignung vorlegen.
  • Es wird ein abgeschlossener Erste-Hilfe-Kurs, der nicht älter als ein bis zwei Jahre sein darf, verlangt
  • Häufig müssen Sie ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
  • Manchmal wird auch ein Führerschein der Klasse C1 verlangt.

Wobei es auch hierbei keine einheitlichen Regelungen gibt. Erkundigen Sie sich deshalb im Vorfeld beim zuständigen Bildungsträger, welche Zertifikate und Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Welche charakterlichen Eigenschaften sollte ein Rettungssanitäter mitbringen?

Kostencheck: Diese sind, entsprechend dem Berufsbild, sehr vielfältig. Mitbringen sollten Sie in jedem Fall:

  • Ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
  • Die Fähigkeit, selbstständig zu Handeln
  • Organisationstalent
  • Gute Gesundheit und Beweglichkeit
  • Manuelle Geschicklichkeit
  • Unter Stress ruhig und besonnen zu arbeiten.
  • Selbstbeherrschung, Geduld und Einfühlungsvermögen.
  • Fähigkeit zur Teamarbeit.
  • Kommunikations- und Reflexionsfähigkeit
  • Außerdem sollten die Bereitschaft zur Schichtarbeit vorhanden sein.
  • Blut sehen und mit den Schmerzen anderer umgehen zu können.

Wie läuft die Ausbildung ab?

Kostencheck: Diese umfasst mindestens 520 Stunden die sich folgendermaßen aufgliedern:

  • Eine schulische Ausbildung (160 Stunden).
  • Ein Praktikum an einer Klinik (160 Stunden).
  • Ein Praktikum an einer Rettungswache (160 Stunden).
  • Einen abschließenden Lehrgang mit Prüfung (40 Stunden).
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Der erste Teil ist Theorie

Im ersten Teil erlernen Sie theoretische Grundlagen wie Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre, Organisation und Einsatztechnik. Im klinischen Teil erwerben Sie Kenntnisse im praktischen Umgang mit medizinischen Geräten sowie die Grundlagen der Krankenpflege. Hieran schließt sich das Praktikum an der Rettungswache an, in dem Sie praktische Einsatzerfahrung sammeln und das Gelernte anwenden. Dieser Part wird intensiv betreut, denn Sie lernen hier auch, wie Sie mit den häufig psychisch sehr belastenden Einsatzsituationen umgehen. Der letzte Teil der Ausbildung bereitet Sie schließlich auf die Abschlussprüfung vor.

Kann die Ausbildung verkürzt werden?

Kostencheck: Sind Sie bereits Rettungshelfer, kann diese Qualifikation unter bestimmten Voraussetzungen auf die Ausbildung zum Rettungssanitäter angerechnet werden. Erkundigen Sie sich auch diesbezüglich im Vorfeld bei dem Bildungsträger.

Gibt es auch die Möglichkeit einer dualen Ausbildung?

Kostencheck: Sofern Sie es mit Ihren Arbeitszeiten vereinbaren können, können Sie Abendkurse belegen. Diese finden nach Dienstschluss statt, sodass Sie die Qualifikation zum Rettungssanitäter quasi berufsbegleitend machen. Allerdings stellt dies eine sehr hohe, zusätzliche Belastung dar.

Wie sehen die Ausbildungsinhalte aus?

Kostencheck: Als Rettungssanitäter haben Sie eine sehr verantwortungsvolle Aufgaben, auf die Sie während der Ausbildung gründlich vorbereitet werden. Sie lernen beispielsweise:

  • Notfallsituationen zu erkennen und diese zu bewerten, sodass Sie
  • die richtigen lebenserhaltenden oder lebensrettenden Maßnahmen auswählen, durchführen und im Anschluss dokumentieren können.
  • Betroffene Personen zu unterstützen.
  • Bei Diagnostik und Therapie Schwerverletzter mitzuwirken.
  • Im Krankentransport Tätigkeiten der Notfallrettung auszuführen.
  • Qualitätsstandards im Rettungsdienst zu sichern.

Hieraus ergeben sich folgende Themenschwerpunkte für die Ausbildung:

  • Notfallmedizin
  • Anatomie
  • Physiologie
  • Krankheitslehre
  • Arzneimittel
  • Hygiene
  • Einsatztaktik
  • Organisation und Dokumentation
  • rechtliche Grundlagen

Welche Unterschiede gibt es zwischen Rettungssanitäter, Rettungsassistent und Notfallsanitäter?

Kostencheck: Im normalen Alltag purzeln diese Begrifflichkeiten gerne durcheinander. Allerdings unterscheiden sich die Aufgaben der Menschen hinter diesen Berufsbezeichnungen wesentlich:

BerufsbezeichnungTätigkeitsfeld
RettungssanitäterÜbernimmt beim Krankentransport die Verantwortung. Er ist Teil der Besatzung eines Rettungswagens, Notarztwagens oder Notarzteinsatzfahrzeugs.
RettungshelferViele Rettungssanitäter steigen als Rettungshelfer in diesen verantwortungsvollen Beruf ein und absolvieren nach einiger Zeit eine Weiterbildung.
RettungsassistentEine noch höher qualifizierte Person, jedoch kein Arzt. Der Rettungssanitäter ist dem Rettungsassistenten unterstellt. Im Unterschied zum Rettungssanitäter hat er eine anerkannte Ausbildung von mindestens zwei Jahren absolviert. Seit dem 01.01.2014 lautet die Berufsbezeichnung nicht mehr Rettungsassistent, sondern Notfallsanitäter. Gleichzeitig hat sich die Ausbildungszeit auf drei Jahre verlängert.

Was verdiene ich nach der Ausbildung zum Rettungssanitäter?

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Rettungssanitäre verdienen um die 2000€

Kostencheck: Nach der Ausbildung können Sie mit einem Gehalt zwischen 1.700 EUR und 2.500 EUR rechnen. Durch Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen lässt sich das Gehalt nochmals steigern. Diese große Gehaltsspanne ergibt sich unter anderem durch die unterschiedlichen Regelungen der verschiedenen Bundesländer.

Wie hoch Ihr Gehalt ausfällt ist aber auch von Ihrem Arbeitgeber abhängig. Dies sind in der Regel öffentliche, kirchliche oder private Rettungsdienste, die entsprechen dem Tarifvertrag im öffentlichen Dienst (TVöD, VKA) entlohnen. Auch die Bundeswehr, die Feuerwehr oder die Berg- und Wasserrettung kommen als Arbeitgeber in Frage. Eine sehr interessante Aufgabe ist die Anstellung bei einem Unternehmen, das private Rückholdienste anbietet.

Wie sieht mein Berufsalltag aus?

Kostencheck: Notfälle ereignen sich zu jeder Tages- und Nachtzeit, deshalb ist es in diesem Beruf üblich, in Schichten zu arbeiten. Auch an Feiertagen- und Wochenenden werden Sie Dienst haben, wobei gilt, dass Sie nie mehr als 48 Stunden wöchentlich arbeiten dürfen. Haben Sie Familie muss diese bereit sein, Ihre wechselnden Dienstzeiten mitzutragen.

Je nachdem ob Sie in einer ländlichen oder städtischen Region arbeiten, gestaltet sich der Berufsalltag unterschiedlich intensiv. Der reine Krankentransport gehört ebenso zu Ihren Aufgaben wie unterschiedlichste Notfälle. Dies kann ein Schwächeanfall einer Seniorin sein, ein Autounfall mit Schwerverletzten oder ein Notfall auf eine Baustelle, bei dem sich ein Arbeiter verletzt hat. Sie führen Wiederbelebungsmaßnahmen durch, überwachen die Vitalfunktionen oder stillen Blutungen. Mit viel Empathie beruhigen Sie Patienten und deren Angehörige. Auch die Desinfektion des Krankenwagens unter Einhaltung der Hygienestandards sowie die Dokumentation der Einsätze gehört zu Ihren Aufgaben.