Solarthermie: welche Kosten fallen an?

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Solarthermie kann eine hervorragende Ergänzung zu vielen Heizungsarten sein – insbesondere da in den letzten Jahren die Preise für Solartechnik massiv gefallen sind. Mit welchen Kosten Sie für eine Solarthermie-Anlage rechnen müssen und wann sich diese Kosten lohnen, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Wie funktioniert Solarthermie eigentlich – und wo genau kann man sie einsetzen?

Kostencheck-Experte: Solarthermie wird häufig mit Photovoltaik verwechselt: beides braucht Solarkollektoren, eine Photovoltaik-Anlage erzeugt allerdings Strom, während mit Solarthermie nur Warmwasser erzeugt wird. Für beide Arten der Solartechnik kommen auch ganz unterschiedliche Solarkollektoren zum Einsatz.

Mithilfe der Kraft der Sonne lässt sich sehr gut heißes Wasser erzeugen. Moderne Kollektoren sind in der Lage, auch bei geringerer Sonneneinstrahlung erstaunliche Wassertemperaturen zu erzeugen. Das Kaltwasser wird in die Kollektoren auf dem Dach geleitet, erwärmt und gelangt dann in einen Heißwasserspeicher, wo es warm gehalten wird.

Verwenden lässt sich dieses Warmwasser direkt – für jeden Warmwasserbedarf im Haus (Dusche, Leitungswarmwasser, etc.) oder auch indirekt: indem man dem Heizungskreislauf warmes statt kaltes Wasser zufügt, verringert man den Energiebedarf der Heizung beträchtlich. Wenn die Heizung Wasser nicht von 8 °C auf 60 °C bringen muss, sondern nur noch von 50 °C auf 60 °C muss sie natürlich wesentlich weniger arbeiten, und verbraucht dann deutlich weniger Energie.

Um einen weit verbreiteten Irrtum zu beheben: Solarkollektoren können auch in der kälteren Jahreszeit warmes Wasser erzeugen. Die Kraft der Sonne ist durchaus ausreichend, um selbst an kalten Wintertagen oder sogar bei vereisten Kollektoren Warmwasser mit 40 °C oder sogar 65 °C (bei Vakuumröhren-Kollektoren) zu erzeugen. Durch die integrierten Pufferspeicher der Anlage steht dann auch immer eine ausreichende Menge an Warmwasser zur Verfügung, selbst wenn an einigen Tagen alles grau ist und kaum Sonne scheint. Eine Solarthermie-Anlage „funktioniert“ also nicht nur im Sommer.

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Solarthermien helfen, den Energieverbrauch zu senken
Durch den Einsatz von Solarthermie kann man in den meisten Fällen den Heizenergiebedarf um rund 20 % senken – und damit sinken auch die Heizkosten im gleichen Maß. Bei hochwertigen Anlagen kann man bei optimaler Ausrichtung oft sogar bis zu 30 % der anfallenden Heizkosten einsparen. Wichtig ist hierfür auch die geografische Lage (vor allem wegen der von Gebiet zu Gebiet unterschiedlichen Sonnenstunden in den Wintermonaten).

Da eine Solarthermie-Anlage im laufenden Betrieb selbst praktisch keine Kosten verursacht, lohnt sich das natürlich sehr häufig – es müssen nur die Einmalkosten bezahlt werden.

Frage: Was kostet eine Solarthermie-Anlage?

Kostencheck-Experte: Das kann natürlich unterschiedlich sein – je nach Größe der Anlage und dem Einsatzzweck.

Durch die in den letzten Jahren stark gefallenen Kosten für die Solarmodule – um bis zu 70 % in den letzten 10 Jahren – kosten heute aber selbst Anlagen zur Heizungsunterstützung beim Einfamilienhaus kaum mehr als 10.000 EUR.

Bei Anlagen, die nur die Warmwasserbereitung und nicht die Heizung unterstützen sollen (etwa bei einer vorhandenen Wärmepumpenheizung), können zum Teil sogar nur Kosten von rund 5.000 EUR anfallen.

Für größere Haushalte oder Mehrfamilienhäuser liegen die Kosten dann natürlich höher – auch bei größeren Personenzahlen im Haushalt (ab rund 6 Personen) muss man meist mit höheren Anlagenkosten rechnen.

Die Kosten können durch entsprechende Förderungen sogar noch gesenkt werden. Dadurch entsteht am Ende ein sehr geringer Kostenaufwand für eine dauerhafte Verringerung der Heizkosten. Je nach Höhe der Heizkosten kann sich eine Solarthermie-Anlage daher sehr schnell bezahlt machen.

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir wollen auf dem Hausdach unseres Einfamilienhauses eine kleine Solarthermie-Anlage installieren lassen, um zusätzlich auch unsere Gas-Brennwertheizung zu unterstützen und unseren Warmwasserbedarf zu decken. Wir entscheiden uns für eine 15 m² große Anlage mit einfachen und kostengünstigen Flachkollektoren und einen 1.000 l großen Warmwasser-Kombispeicher.

Posten Preis
15 m² Sollarkollektoren 4.600 EUR
Montage und Installation der Anlage inkl. Montagematerial 2.700 EUR
Warmwasserspeicher 1.800 EUR
Gesamtkosten der Anlage 9.100 EUR
Förderung Solarthermie-Anlage abzüglich 2.100 EUR
selbst zu tragende Kosten 7.000 EUR

Hierbei handelt es sich natürlich lediglich um beispielhafte Kosten, die lediglich für die Installation einer ganz bestimmten Anlagentyp eines Herstellers auf einem bestimmten Haus gelten. Die Kosten können bei anderen Gebäuden auch deutlich abweichen.

In unserem Fall zeigt sich, dass die Anlage vergleichsweise geringe Einmalkosten verursacht. Eine Anlage mit Vakuumröhren-Kollektoren wäre etwas teurer gewesen, hätte dabei aber auch in gleicher Größe eine deutlich höhere Leistung erbracht. Das wäre in diesem Fall aber kaum sinnvoll gewesen.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten für eine Solarthermie-Anlage im Allgemeinen ab?

Kostencheck-Experte: Hier müssen einige Faktoren in Betracht gezogen werden:

  • die beabsichtigte Verwendung der Anlage (lediglich Warmwasserbereitung oder auch Heizungsunterstützung)
  • die Bauweise der Solarkollektoren
  • die Größe des Heißwasserspeichers
  • den Aufwand für die Installation und die Montage

Dazu kommen dann natürlich auch noch die Preisunterschiede bei unterschiedlichen Herstellern und die von Unternehmen zu Unternehmen leicht unterschiedlichen Montage- und Einbaukosten.

Alle diese Faktoren müssen immer berücksichtigt werden, wenn es um die Kosten einer Solarthermie-Anlage geht – daraus resultieren auch deutliche Kostenunterschiede von Haus zu Haus und von Anlage zu Anlage.

Frage: Inwieweit beeinflusst die Verwendung der Anlage die Kosten?

Kostencheck-Experte: Es macht einen ganz wesentlichen Unterschied, ob eine Solarthermie-Anlage nur zur Warmwasserbereitung genutzt werden soll oder auch für die Heizungsunterstützung eingesetzt wird.

Es geht hier um drei wichtige Unterschiede:

  • die Größe der Kollektorfläche
  • die Größe des angeschlossenen Speichers
  • eventuell auch die verwendete Kollektor-Technologie (Flachkollektoren oder Vakuumröhren-Kollektoren)

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Für eine Person reichen etwa 1,5qm Fläche
Wenn die Anlage lediglich zur Warmwasserbereitung genutzt werden soll, braucht man meist nur rund ein Drittel der Kollektorfläche. Ein gängiger Richtwert ist dabei rund 1 m² – 1,5 m² Kollektorfläche pro Person im Haushalt. Diese Werte sind allerdings nur grobe Schätzwerte für Flachkollektoren.

Abhängig von der Größe des Hauses, der möglichen solaren Ausbeute (Ausrichtung / Lage des Hauses) und dem individuellen Warmwasserbedarf muss man manchmal geringfügig von diesen Werten abweichen.

Ein Beispiel: Für einen 3-Personen-Haushalt werden häufig Kollektorflächen von rund 5 m² gewählt. Bei einem 4-Personen-Haushalt mit hohem Wasserbedarf müsste man in vielen Fällen sicherheitshalber wohl noch etwas zugeben.

Wenn eine Heizungsanlage mit Warmwasserrohren vorhanden ist, lässt sich diese Heizung auch zusätzlich mit dem Heißwasser aus der Solarthermie-Anlage unterstützen.

Dafür ist aber eine wesentlich größere Kollektorfläche nötig (in der Regel mindestens 15 m² bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus). Zudem muss auch der Heißwasserspeicher entsprechend größer dimensioniert werden: während für die Warmwassernutzung rund 300 l bei einem Einfamilienhaus meist ausreichen, ist für eine sinnvolle Heizungsunterstützung mindestens ein Wasserspeicher Größe von 1.000 l erforderlich.

Beides führt natürlich zu deutlich unterschiedlichen Kosten – für die (Flach-)Kollektoren müssen statt rund 1.500 EUR meist mindestens 4.500 – 5.000 EUR aufgewendet werden.

Einen Wasserspeicher in der Größe von 1.000 l bekommen Sie meist für rund 2.000 EUR, abhängig von der Gerätemarke und dem Funktionsumfang. Für einen hochwertigen Heißwasserspeicher in der Größe von 300 l müssen Sie dagegen meist nur rund 800 EUR – 1.200 EUR rechnen.

Frage: Welchen Einfluss hat die Kollektor-Technologie auf den Preis?

Kostencheck-Experte: Verbreitet sind heute vor allem zwei grundsätzliche Kollektortypen:

  • Flachkollektoren und
  • Vakuumröhren-Kollektoren

Bei gewöhnlichen Flachkollektoren müssen Sie im Allgemeinen mit Preisen von rund 300 EUR pro m² rechnen.

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Vakuumröhren sind teurer aber effizienter
Vakuumröhren-Kollektoren sind rund doppelt so teuer, dafür aber auch deutlich leistungsfähiger. In vielen Fällen können Sie durch den Einsatz von Vakuumröhren-Kollektoren die erforderliche Größe der Kollektorfläche fast halbieren. In den meisten Fällen werden Vakuumröhren-Kollektoren aber wegen der höheren Vorlauftemperatur und der deutlich besseren Leistung in den Wintermonaten gewählt.

In unserem Kostenbeispiel hätte eine 8 m² große Kollektorfläche mit Vakuumröhren-Kollektoren rund 7.500 EUR statt 4.500 EUR gekostet – die Mehrkosten wären also immer noch überschaubar gewesen.

Frage: Welche Kosten verursacht die Installation der Anlage in der Regel?

Kostencheck-Experte: Das richtet sich nach der Anlagengröße, aber auch nach dem Installationsaufwand vor Ort.

Für ein Einfamilienhaus können Sie im Allgemeinen mit rund 2.000 EUR – 3.000 EUR durchschnittlich rechnen, das notwendige Montage-Material (Verrohrung, etc.) ist dabei schon mit eingerechnet.

Die Preise, die einzelne Unternehmen für die Installation verlangen, können leicht voneinander abweichen – verschiedene Komplett-Angebote zu vergleichen kann sich also lohnen. Dabei sollte man diese Arbeiten aber auf jeden Fall nur Fachbetriebe durchführen lassen.

Wenn die Solarmodule aufgerichtet werden müssen (zum Beispiel auf einem Flachdach oder für bessere Leistung) können auch deutlich höhere Installationskosten anfallen.

Frage: Welche Förderungen kann man für Solarthermie-Anlagen erhalten?

Kostencheck-Experte: Die wichtigste Förderung für Solarthermie kommt vom BAFA (dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle).

Gefördert werden hier bevorzugt neu errichtete Solarthermie-Anlagen in Altbauten. Damit soll eine breitere Nutzung von regenerativen Energien in Privathaushalten angeregt werden.

Die Fördersätze sehen dabei wie folgt aus:

Förderungsart Bedingungen Förderungsbetrag
Förderung für ausschließlich Warmwasserbereitung (Basisförderung) Kollektorfläche 3 m² bis 40 m², mindestens 200 l Warmwasserspeicher 50 EUR je m² Kollektorfläche, dabei Mindestförderung 500 EUR
Förderung für Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung (Basisförderung) Kollektorfläche 7 m² bis max. 40 m², mind. 40 l Speicher pro m² Kollektorfläche 140 EUR je angefangenem m² Kollektorfläche, Mindestförderung 2.000 EUR
Effizienzbonus mindestens KfW-Effizienzhaus 55 oder besser 50 % Aufschlag auf die Basisförderung

Diese Förderung gilt wie gesagt nur für Bestandsgebäude, die nachträglich mit einer Solarthermie-Anlage ausgerüstet werden. Wird gleichzeitig auch die Heizung erneuert und auf eine ökologisch vorteilhafte Heizung gewechselt (Biomasse, Gas-Brennwertheizung), gibt es noch einen zusätzlichen Kombinationsbonus.

Beim Neubau werden Solarthermie-Anlagen nur dann gefördert, wenn mehr als 3 Wohneinheiten errichtet werden – also ein Mehrfamilienhaus. In diesem Fall errechnet sich die Förderung dann individuell aus der Größe und der Leistung der Anlage.

Finanzieren lassen sich solche Anlagen auch zusätzlich über zinsbegünstigte Kredite (KfW-Programm 151, 152).

Frage: Wo lohnt sich eine Solarthermie-Anlage?

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich ist die Rechnung recht einfach: Wenn 20 % der Heizkosten ausreichen, damit sich die Anlage innerhalb einer angemessenen Zeitspanne amortisiert, dann rechnet sich das.

Hätten wir beispielsweise 1.800 EUR Heizkosten, würden wir pro Jahr 360 EUR (=20 %) einsparen. Die 7.000 EUR Kosten, die wir selber tragen müssen, hätten sich dann in rund 20 Jahren amortisiert.

Wäre unser Gebäude aber besonders effektiv gedämmt und hätten wir eine sehr sparsame Heizung, die lediglich 1.000 EUR Kosten verursacht, wäre das nur noch ökologisch lohnend, finanziell dagegen kaum noch. Die 7.000 EUR an zusätzlichen Kosten würden sich erst in 35 Jahren amortisieren – erst ab dann wäre unsere Heizung tatsächlich günstiger.

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