Elektrische Fußbodenheizung: welche Kosten fallen an?

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Vorgewärmte Fußböden im Bad sind ein echter Luxus. Sie lassen sich auch mithilfe einer elektrischen Fußbodenheizung realisieren, ohne dass eine wasserführende Fußbodenheizung im Haus liegt – das hat allerdings seinen Preis. Was Anschaffung und Betrieb von elektrischen Fußbodenheizungen kosten können, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Was sind die klassischen Einsatzgebiete für eine elektrische Fußbodenheizung?

Kostencheck-Experte: In den allermeisten Fällen werden elektrische Fußbodenheizungen in Bädern und Wellnessbereichen – etwa rund um eine Kellersauna verbaut, um den Fußboden zu temperieren. Dafür sind elektrische Fußbodenheizungen auch am besten geeignet.

In manchen Fällen kann es durchaus auch Sinn machen, unter einem Schreibtisch oder an anderen Stellen den Boden ein wenig anzuwärmen, um keine kalten Füße zu bekommen. Bodenbeläge wie Fliesen können in der kalten Jahreszeit trotz ihrer sonstigen Vorteile durchaus ein wenig kühl werden, wenn die Raumtemperatur sich noch im durchschnittlichen Bereich bewegt.

Im Wesentlichen sind elektrische Fußbodenheizungen aber immer nur eine zusätzliche Heizung – als Hauptheizung sind sie aufgrund der vergleichsweise geringen Leistung und der hohen Energiekosten kaum geeignet.

Ein Relikt aus früheren Zeiten ist die sogenannte Estrichspeicherheizung. Zu Zeiten als Nachtstromtarife noch die Regel waren, wurde die Heizung über Nacht mit dem kostengünstigen Nachtstrom aufgeladen, wobei der vorhandene Estrich, in den die Fußbodenheizung eingebaut war, als Speichermedium verwendet wurde. Tagsüber gab der aufgeheizte Estrich seine Wärme dann langsam und stetig wieder an den Raum ab.

Solche Speicherheizungen sind heute kaum mehr zeitgemäß und sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich schlicht eine Katastrophe. Zudem fallen heute bei vielen Stromanbietern die Nachtstromtarife weg, wo es sie noch gibt, sind sie auch deutlich teurer als früher.

Verbilligter Nachtstrom war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Mittel, den „überflüssigen“ Strom aus den vor allem mit Braunkohle betriebenen Kraftwerken einigermaßen sinnvoll loszuwerden. Kohlekraftwerke brauchen eine gleichmäßige Auslastung, um effizient zu arbeiten – da nachts aber kaum jemand Strom verbraucht, wurden die Nachtspeicherheizungen erfunden und besonders in den 60er und 70er Jahren in sehr vielen Gebäuden eingebaut.

Wegen des insgesamt schlechten Wirkungsgrads von Speicherheizungen lohnt sich ein Einsatz heute auch kaum noch, selbst wenn man den benötigten Strom über eine Photovoltaik-Anlage selbst erzeugen würde. Es gibt bessere Möglichkeiten, den Strom für eine Heizung zu verwenden – etwa Wärmepumpenheizungen. Damit kann man die elektrische Nachtspeicher-Fußbodenheizung heute getrost als Relikt vergangener Tage betrachten.

Elektrische Fußbodenheizung als Direktheizung haben dagegen wenigstens im Bereich des Komfortgewinns noch eine gewisse Berechtigung – obwohl man auch hier eher kritisch auf die Kosten schauen sollte.

Frage: Was kosten elektrische Fußbodenheizungen?

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Die Preise für elektrische Fußbodenheizungen beginnen bei 50€ pro qm

Kostencheck-Experte: Das hängt immer von der jeweiligen Leistung und von der Bauart ab.

In den meisten Fällen werden Sie aber mit Kosten von rund 50 EUR pro m² bis 120 EUR pro m² rechnen – abhängig von der Leistung und der Größe der Heizmatte. Dabei ist in den meisten Fällen ein Thermostat und eine Regelungs- und Steuereinheit bereits mit vorhanden.

Grundsätzlich gilt, dass die elektrischen Heizmatten mit steigender Größe deutlich günstiger werden. Der Preis für eine 10 m² große Matte kann ein Viertel des Preises für eine Matte mit 1 m² Fläche betragen.

Zusätzlich für den Preis der Matte (meist mit Steuereinheit und notwendiger Verkabelung) müssen noch Kosten für das Anschließen berechnet werden.

Man sollte also immer eine möglichst große Fläche in einem Stück bedecken, wenn man bei der Anschaffung Kosten sparen will.

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir wollen in unserem insgesamt 10 m² Bad eine elektrische Heizung zwischen Dusche und Tür verlegen. Die nötige Größe beträgt damit 4 m². Gleichzeitig bringen wir unterhalb der Matte noch eine Dämmschicht an, damit die Wärme möglichst nicht in den Boden, sondern nur nach oben in den Raum gestrahlt wird. Wir entscheiden uns für eine Heizleistung von 150 W.

Posten Preis
Komplettset 2 x 2 m² inkl. Steuerung, Thermostat und Selbstlernfunktion, Touch-Display 408 EUR
Bodendämmung 20 mm Stärke 142 EUR
Anschlusskosten Elektriker 175 EUR
Gesamtkosten 725 EUR
Kosten pro m² 181,25 EUR pro m²

Hierbei handelt es sich natürlich lediglich um die Kosten für eine bestimmte Matte eines einzelnen Herstellers. Die Preise können in anderen Fällen auch deutlich unterschiedlich liegen.

Der Einbau der Matte und der Bodendämmung wird in unserem Fall beim Verlegen der Fliesen vom Handwerker mit übernommen. Das Anbringen der Steuerungseinheit an der Wand und das Anschließen der Bedieneinheit übernimmt der Elektriker für uns.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten für eine elektrische Fußbodenheizung insgesamt ab?

Kostencheck-Experte: Hier muss man sich natürlich immer genau ansehen, was man wo einbauen möchte. Die Anschaffungskosten hängen ab von

  • der zusammenhängenden Flächengröße der Heizmatte
  • der Leistung der Heizmatte
  • dem darüber liegenden Bodenbelag
  • der Art der Dämmmatte (sofern eine eingesetzt wird)
  • den Anschlusskosten für die Heizmatten

Wesentlichster Kostenfaktor ist dabei die Größe der Matte, wie wir bereits gesehen haben. Auch die Leistung hat noch einen Einfluss auf den Preis.

Frage: Was kosten Dämmmatten?

Kostencheck-Experte: Das ist immer abhängig von der Stärke der Dämmmatte und dem Material, aus dem sie besteht. Zudem haben Dämmmatten unterschiedliche Preise, je nachdem unter welcher Art von Bodenbelag sie eingesetzt werden.

Die nachfolgende Tabelle mit Richtpreisen für Unterböden macht das deutlich:

für Bodenbelag Kosten bei 10 mm Stärke Kosten bei 20 mm Stärke Kosten bei 30 mm Stärke
alle schwimmend verlegten Bodenbeläge 20 EUR pro m² 22,50 EUR pro m² 25,50 EUR pro m²
Teppich und Vinylböden, Linoleum, Kork 29,50 EUR pro m² (Einheitsstärke, höher nicht möglich) nicht möglich nicht möglich
Fliesen und alle verklebten Bodenbeläge 32 EUR pro m² 37,80 EUR pro m² 41,50 EUR pro m²

Die Preise sind lediglich grobe Richtpreise zur Orientierung, sie verdeutlichen aber insbesondere die Kostenunterschiede bereits sehr gut. Im Einzelfall können die Preise eines Händlers natürlich auch von diesen Richtpreisen abweichen.

Frage: Wie sieht es nun mit den Verbrauchskosten aus? Wie teuer wird das?

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Die jährlichen Stromkosten für die Fußbodenheizung halten sich in Grenzen

Kostencheck-Experte: Das kann man sich ganz leicht ausrechnen.

Ziehen wir unsere Badheizung aus dem Kostenbeispiel zum Rechnen heran: Auf eine Größe von 4 m² leistet unsere Heizung 4 x 150 W, also 600 W insgesamt. Das sind 0,6 kW.

In jeder Stunde, die unsere Heizung läuft, verbraucht sie also 0,6 kWh. Die kWh kostet beim aktuellen Strompreis rund 30 Cent. Damit verursacht jede Stunde, die unsere Fußbodenheizung läuft 0,18 EUR an Kosten.

Würden wir sie die ganze Heizperiode durchgehend laufen lassen (in unseren Breiten sind das etwa 2.000 Stunden pro Jahr) würde das jährliche Kosten von 360 EUR verursachen.

In der Praxis werden wir die Fußbodenheizung aber sicherlich nicht so lange laufen lassen. Wenn man mit 2 Stunden morgens und 3 Stunden abends rechnet, also mit 5 Stunden Betriebsdauer pro Tag während 6 Monaten im Jahr (Oktober bis März) würden dadurch Stromkosten in der Höhe von 162 EUR jährlich entstehen.

Je größer natürlich die Fußbodenheizung ist und je höher ihre Leistung, desto teurer werden auch die Stromkosten. Wenn die Heizung dann zudem auch noch länger in Betrieb ist, kann das zu beträchtlichen Stromkosten führen.

Frage: Lohnt sich eine elektrische Fußbodenheizung als Komplettheizung beispielsweise fürs Bad?

Kostencheck-Experte: Das hängt natürlich von den örtlichen Gegebenheiten ab – in der Regel wird das aber kaum wirtschaftlich sein.

Rechnen wir das einmal anhand unseres Beispiel-Badezimmers durch: Wir haben ein Haus nach EnEV-Standard – der berechnete Heizenergieverbrauch liegt bei rund 70 kWh/m²/Jahr.

Würden wir mit Strom heizen, könnten wir die Heizenergie gleich direkt umrechnen: Um 1 kWh Wärme zu erzeugen brauchen wir (minimale Verluste nicht mit eingerechnet) rund 1 kWh Strom.

In unserem Bad wäre das ein Energieverbrauch von 700 kWh pro Jahr. Bei einem Strompreis von von 30 Cent pro kWh ergibt das Stromkosten von 210 EUR jährlich – allein für die Beheizung des Badezimmers. Ob man bereit ist, diesen Betrag für die Heizung in einem 10 m² großen Badezimmer aufzubringen, ist fraglich – zumal ein Anschluss an die Hauptheizung deutlich günstiger wäre.

Bei einer Gasheizung, an die das Bad angeschlossen würde, lägen die Kosten für die Beheizung des Badezimmers bei rund 42 EUR pro Jahr, also bei einem Fünftel.

Die elektrische Fußbodenheizung ist damit tatsächlich nur als Komfort-Zusatzheizung sinnvoll – als Hauptheizung muss man schon sehr viel Geld ausgeben, um einen Raum ausreichend warm zu bekommen.

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