Kanalsanierung: welche Kosten auf Sie zukommen

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Die Preise für eine Kanalsanierung varieren je nach Kommune

Wenn es Löcher oder Risse im Kanalrohr gibt, sollte das umgehend repariert werden. Welche Kosten bei einer Kanalsanierung entstehen können, welche Methoden zur Sanierung es gibt, und wer die Kosten tragen muss, verrät ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Wann muss man als Haus- und Grundbesitzer für die Kosten an Kanalschäden überhaupt aufkommen – und wann muss man die Kosten überhaupt selbst tragen?

Kostencheck-Experte:Der erste Teil der Frage war schon einmal richtig gestellt: Man muss nur als Grundstücksbesitzer für die Kosten aufkommen.

Ansonsten ist die Frage gar nicht so eindeutig zu beantworten. Das hängt immer von den Satzungen der Kommune ab, für welche Teile des Kanals der Hausbesitzer zuständig ist – das kann entweder bis zur Grundstücksgrenze reichen, oder bis zur Abzweigung vom Hauptkanal.

Wenn es in diesen Teilen aber Schäden gibt, muss man für die Reparaturen selbst sorgen – und auch dafür aufkommen.

Frage: Welche Folgen drohen, wenn man die Kanalsanierung nicht durchführt?

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich muss man einmal festhalten, dass eine dichte Abwasserleitung ja gesetzlich schon einmal vorgeschrieben ist. Das ist laut verschiedener Gesetze Pflicht – etwa nach § 61 Wasserhaushaltsgesetz, das Hausbesitzern grundsätzlich vorschreibt, das sie Zustand und Funktionsfähigkeit ihrer Abwasserleitungen überprüfen müssen.

Laut der DIN (die gesetzlich aber nicht bindend ist) sollten Abwasserleitungen mindestens alle 20 Jahre auf ihre Dichtheit geprüft werden, eine Erstprüfung kann nach 30 Jahren erfolgen.

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Die Regelungen für das Abwasser variieren von Region zu Region

Die einzelnen Bundesländer haben dabei jeweils unterschiedliche Regelungen entwickelt, die teilweise für kleine häusliche Abwasserleitungen gelten und teilweise nicht. Hier muss man sich also immer bezüglich der Vorschriften selbst informieren, die in der eigenen Kommune (Wasserschutzgebiet/kein Wasserschutzgebiet) gelten.

Daneben gibt es aber auch direkte nachteilige Folgen, wenn man beschädigte Abwasserleitungen nicht repariert. Austretendes Schmutzwasser kann nicht nur mit der Zeit das Grundstück mit Abfallstoffen belasten, sondern auch zu Hohlräumen führen, die im Lauf der Zeit Setzungen an Gebäuden nach sich ziehen können. Auch der Pflanzenwuchs kann beeinträchtigt werden, und der Grundwasserspiegel auf dem Grundstück kann sich verändern.

Wenn man ständig Verstopfungen in der Abwasserleitung feststellt, und wenn es klar zu Rissbildungen kommt, oder Rohrverbindungen defekt sind, sollte man auf jeden Fall sanieren.

Frage: Was kostet so eine Kanalsanierung?

Kostencheck-Experte: Das kann man unmöglich pauschal sagen. Die Kosten liegen bei Privatgrundstücken bei geschlossenen Reparaturen in den meisten Fällen im Bereich von rund 1.000 bis 6.000 EUR – in einzelnen Fällen können aber durchaus auch deutlich höhere Kosten fällig werden, je nachdem, wie und was saniert wird.

Frage: Was bestimmt die Kosten für die Sanierung?

Kostencheck-Experte: Bei einer Kanalsanierung spielen zahlreiche Kostenfaktoren eine Rolle:

  • die Art der Sanierung, die vorgenommen wird
  • Art und Umfang der Schäden am Rohr
  • die Rohrlänge und die Zahl der Abzweigungen der Rohre
  • die Zugänglichkeit der Rohre
  • die Rohrdurchmesser, die betroffen sind

Die Kosten der Sanierungsmaßnahmen hängen dann natürlich auch immer noch vom ausführenden Fachbetrieb ab – auch hier gibt es teilweise recht große Preisunterschiede.

Bei einzelnen Arten der Sanierung spielt dann auch die Bodenbeschaffenheit eine recht große Rolle für die Kosten.

Frage: Welche unterschiedlichen Sanierungsarbeiten gibt es?

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich kann man Abwasserleitungen auf zwei Arten sanieren:

Die Kosten der Inliner-Sanierung sind dabei deutlich günstiger. In vielen Fällen kann man bis zu 50 % der Kosten gegenüber dem Aufgraben sparen.

Frage: Welche Nebenkosten können – neben den eigentlichen Sanierungsarbeiten – noch anfallen?

Kostencheck-Experte: Zur Sanierung gehören noch einige Arbeiten im Vorfeld oder im Nachgang.

  • eine Rohrinspektion (Kamerainspektion), um das Schadensausmaß festzustellen
  • eine Dichtheitsprüfung im Vorfeld, falls nur ein Verdacht besteht
  • eine umfassende Rohrreinigung, um eine Sanierung möglich zu machen (wird aufgegraben und das betreffende Rohr komplett getauscht, kann das natürlich entfallen)

Im Nachgang werden dann noch einige weitere Arbeiten erforderlich:

  • gegebenenfalls das Öffnen von Seitenästen
  • eine Dichtheitsprüfung und das Ausstellen einer Bestätigung über die Dichtheit
  • das Erstellen einer Dokumentation über den Vorher-Nachher-Zustand

Frage: Was ist mit den Arbeiten für das Aufgraben?

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Werden die Rohre komplett ausgetauscht, entstehen deutlich höhere Kosten

Kostencheck-Experte: Werden die Rohre komplett getauscht, sind natürlich zunächst Aufgrabungsarbeiten notwendig. Die Kosten für das Aufgraben sind in der Praxis schwer kalkulierbar – oft kommt es hier zu massiven, ungeplanten Kostenerhöhungen. Für die Höhe der tatsächlichen Kosten spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle:

  • die Bodenbeschaffenheit (Sandboden ist hier wesentlich günstiger als ein „steinreicher“ Boden, besonders teuer wird es bei Problembereichen)
  • die Tiefe der Rohrlage
  • die Länge des aufzugrabenden Abschnitts
  • die Zugänglichkeit des Abschnitts für die Arbeiten

Unternehmen verlangen hier selbst bei gleichen Bedingungen deutlich abweichende Kosten. Achten Sie in diesem Fall unbedingt darauf, dass die korrekte, tatsächlich vorhandene Bodenbeschaffenheit (ist aus dem Bodengutachten abzulesen) bei der Angebotsstellung verwendet wird. Achten Sie darauf, welche Bodenklasse bei Ihrem Bodengutachten am Grundstück festgestellt wurde (meist 3 – 5).

In den üblichen Bodenklassen müssen Sie bei Fachunternehmen mit rund 4 – 10 EUR pro m³ und mit rund 60 – 90 EUR pro Baggerstunde rechnen. In einer Baggerstunde werden in der Regel zwischen 0,5 und 1 m³ Boden abgetragen.

Bei problematischen Bodenverhältnissen kann die Stundenleistung aber auch deutlich geringer liegen, und zusätzlicher Arbeitsaufwand erforderlich sein. Auch wenn Wassereinbrüche im Boden vorkommen oder steinige Böden das Aufgraben erschweren, kann das hohe Zusatzkosten verursachen.

Danach muss natürlich auch wieder eine entsprechende Einbettung der Rohre erfolgen und zugeschaufelt werden. Auch das sollte auf dem Angebot stehen.

Frage: Welche Methode macht wann Sinn?

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Es gibt verschiedene Verfahren für die Kanalsanierung

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich ist natürlich aus Kostengründen immer eine Inliner-Sanierung zu bevorzugen, wann immer das möglich ist.

Die Preise lassen sich nach einer Inspektion meist sehr genau vorhersagen, es kommen keine möglichen ungeplanten Kostenfallen auf Sie zu wie bei Grabungsarbeiten. Zudem sind die Kosten bei der Inliner-Sanierung auch im Allgemeinen deutlich günstiger als beim Austausch von Rohren.

Natürlich kann es sich in manchen Situationen lohnen, stark beschädigte Rohre komplett auszutauschen. Besonders wenn die Schäden größer sind, werden Inliner-Reparaturen manchmal sehr aufwändig, vor allem wenn längere, schwer zugängliche Rohrstrecken saniert werden sollen.

Werden Rohre hier komplett getauscht, kann man davon ausgehen, dass auch in den nächsten 30 Jahren höchstwahrscheinlich keine Schäden mehr zu erwarten sind und keine Dichtheitsprüfung mehr erfolgen muss.

Frage: Wie kann man bei einer notwendigen Kanalsanierung Kosten sparen?

Kostencheck-Experte: Auf die Arbeiten selbst hat man ja keinen Einfluss. Hier kann man nur die günstigere Variante (die Kanalsanierung mit Inliner oder Kurzliner) wählen, wenn das sinnvoll ist.

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Kosten im Vorfeld vergleichen spart Geld

Im Vorfeld sollte man natürlich auch ein wenig Preise bei den Fachbetrieben vergleichen. Konkrete Angebote wird man zwar fast immer erst nach einer Besichtigung oder mit einer vorliegenden Dokumentation bekommen, aber man kann das Preisniveau der einzelnen Fachbetriebe durchaus ein wenig vergleichen, indem man nach Preisen für konkrete Leistungen fragt. Ansonsten bietet sich auch an, zunächst einmal eine Kamerainspektion machen zu lassen und mit der Kameraaufzeichnung auf CD dann konkret Angebote einzuholen.

Wer gerade neu baut, sollte unbedingt darauf achten, dass ausreichend Revisionsschächte bei der Abwasserleitung eingebaut werden. Das erleichtert die Zugänglichkeit erheblich und macht einfache und kostengünstige Sanierungen leichter möglich. Auch bei der Qualität der Rohre sollte man beim Neubau möglichst nicht am falschen Ende sparen. Qualitativ höherwertige Rohre und eine saubere Einbettung können zwar anfangs etwas teurer sein, langfristig macht sich das aber meist bezahlt.

Frage: Ist ein Schäden an den Abwasserleitungen nicht manchmal durch eine Gebäudeversicherung gedeckt?

Kostencheck-Experte: Ideal wäre natürlich, wenn die Gebäudeversicherung im Falle eines Schadens an der Abwasserleitung die Kosten trägt. Bei manchen Gebäudeversicherungen ist das möglich.

Dann kann man sich bei einer notwendigen Sanierung beruhigt zurücklehnen. Wer gerade über Änderungen bei der Gebäudeversicherung nachdenkt, sollte durchaus überlegen, diese Leistung mit hineinzunehmen. In manchen Fällen müssen Sie dafür aber eine aktuelle (bestandene) Dichtheitsprüfung vorlegen.

Sie müssen allerdings immer darauf achten, was genau bei Ihrer Police abgesichert ist. Sehr häufig zahlen Versicherungen nur für Rohrbrüche – wenn ein Schaden aufgrund von Wurzeleinwuchs, generell undichte Rohre oder undichte Rohrverbindungen zurückzuführen ist, verweigert die Versicherung dann die Leistung. Das sollte man also unbedingt im Vorfeld schon genau abklären.

Frage: Dichte Kanalleitungen auf Privatgrundstücken sind ja auch im öffentlichen Interesse. Gibt es denn Förderungen für eine Sanierung, oder kann man die Kosten zumindest steuerlich absetzen?

Kostencheck-Experte: Bislang bietet nur die NRW-Bank eine Förderung für die Sanierung von Abwasserleitungen am Privatgrundstück an. Das gilt aber nur für Grundstücke in NRW.

In anderen Bundesländern gibt es keine solche Unterstützung. Darum auch der Hinweis mit der Gebäudeversicherung.

Steuerlich absetzbar sind für Hausbesitzer alle Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten. In der Regel kann man sie als Werbungskosten voll abziehen, wenn das Gebäude vermietet ist.

Nutzt man das Gebäude hingegen selbst, kann man nicht alle Kosten komplett absetzen.

Die Kostenanteile für

  • Arbeitsleistung
  • Fahrten und
  • Maschinenkosten

der Handwerker können zu einem kleinen Teil (20 % der Kosten) von der Steuer abgesetzt werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Rechnung des Fachbetriebs diese Posten gesondert aufweist und per Überweisung bezahlt wird. Materialkosten können dabei nicht berücksichtigt werden. Die Leistungen kann man nur bis zu einem Maximalbetrag von 1.200 EUR pro Jahr absetzen, darüber hinausgehende Beträge werden nicht anerkannt.

Tipps & Tricks

Informieren Sie sich rechtzeitig bei Ihrer Kommune, ob und wann bei Ihren Abwasserleitungen eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden muss. So haben Sie noch etwas Zeit, um vorauzuplanen.