Elektroinstallation: Welche Kosten fallen an?

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Wer ein Haus neu baut oder ein Bausatz- oder Ausbauhaus kauft, ist mit den Kosten für die Elektro-Installation konfrontiert – von Bauherrn werden sie im Vorfeld häufig unterschätzt. Was eine Elektroinstallation in der Praxis wirklich kostet und wovon die Kosten abhängen, verrät ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Macht denn die Elektroinstallation tatsächlich so einen hohen Aufwand?

Kostencheck-Experte: Viele haben, wenn es um die Elektroinstallation geht, noch ein Bild von früheren Zeiten im Kopf: zwei bis vier Steckdosen pro Raum, die Lichtinstallation und die Küche anschließen – fertig.

Die hohen Komfortansprüche, die wir heute haben stellen auch an das Elektronetz im Haus viel höhere Ansprüche, als das noch in den 80ern der Fall war. Nicht nur die Zahl der Steckdosen, die wir pro Raum brauchen, hat sich erhöht – es werden auch mehr und kompliziertere und teilweise sehr leistungsstarke Geräte angeschlossen, viele Geräte werden geladen, Steuerungen und moderne Einbauleuchten kommen dazu und das Kabelaufkommen im Haus ist deutlich höher als früher.

In der Regel bleiben die Kosten aber in einem überschaubaren Rahmen, wenn man sich im Vorfeld etwas mit der Installation beschäftigt und gut und umfassend plant.

Frage: Was kostet eine Elektroinstallation im Einfamilienhaus?

Kostencheck-Experte: Natürlich sind die Anforderungen jedes Bauherrn etwas anders, und auch die Geräte-Ausstattung unterscheidet sich von Haus zu Haus immer ein wenig. Pauschale Preise zu nennen ist deshalb schwierig.

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Die Preise für die Elektroinstallation variieren sehr stark
Im Allgemeinen müssen Sie aber bei einem typischen Einfamilienhaus bei 140 m² Wohnfläche mit Kosten ab rund 9.000 EUR insgesamt rechnen. Im Einzelfall kann das aber noch deutlich mehr sein – bei einer gehobenen Ausführung kann das auch problemlos das Doppelte sein.

Im Allgemeinen geht man davon aus, das in den meisten Fällen beim Neubau die Elektroinstallation mit rund 3 % – 5 % der Gesamtkosten beim Bau zu Buche schlägt.

Ein Kostenbeispiel aus der Praxis

In einem neu gebauten Einfamilienhaus mit einer Größe von 130 m² soll die Elektroinstallation vom Elektriker eingebaut werden. Mit dem Elektriker wird eine mittlere Ausführungsqualität vereinbart, verwendet werden Schalter- und Steckdosenserien der mittleren Preisklasse.

Posten Preis
Baustromverteiler, für 6 Monate samt Stromverbrauch 850 EUR
Hauptzählerschrank, Zuleitung und Anschluss 1.550 EUR
Material gesamt für die Installation, inkl. Kleinmaterial 5.700 EUR
Arbeitslohn, rund 200 Stunden 8.600 EUR
Gesamtkosten 16.700 EUR

Das ist natürlich nur ein einzelnes Beispiel aus der Praxis – je gewünschter Ausstattung können die Kosten im individuellen Fall auch deutlich höher oder niedriger liegen.

Frage: Von welchen Kostenfaktoren hängen die Kosten bei der Elektroinstallation im Einfamilienhaus einmal grundlegend ab?

Kostencheck-Experte: In der Praxis spielen mehr Faktoren eine Rolle, als man zunächst glaubt:

  • das Ausstattungsniveau und die Materialpreise
  • die Zahl der Steckdosen, Schalter und Beleuchtungen im Haus
  • die Zahl der Leerrohre und die benötigten Kabellängen
  • die Menge der zusätzlichen Ausstattungsdetails

sind die wesentlichsten Einflussfaktoren für die Kosten der E-Installation.

Frage: Wie verhält sich das mit dem Ausstattungsniveau und den Materialpreisen?

Kostencheck-Experte: Nun – grundsätzlich bieten Elektroinstallationsbetriebe dem Bauherrn unterschiedliche Ausstattungsvarianten an:

  • Grundinstallation
  • mittlere Ausstattung und eine
  • gehobene Ausstattung

Was man sich darunter genau vorzustellen hat, ist nicht überall gleich – es handelt sich dabei auch nur um grundlegende Begriffe. Interpretiert werden sie von jedem Elektriker ein wenig anders – für den einen ist das Luxus, für den anderen etwas anderes.

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Schon die Materialkosten für Steckdose oder Schalter variieren extrem
Bei den Materialpreisen ist das etwas überschaubarer. Bei Steckdosen und Schaltern kommen in der Regel ja Serien zum Einsatz – und Serien können sehr unterschiedlich teuer sein. Das beeinflusst selbst die Kosten für die Grundinstallation oft schon beträchtlich. Das ist so ähnlich wie mit den Armaturen im Bad – die teure Armaturen- und Accessoireserie treibt den Preis für die Badausstattung auch gleich einmal in die Höhe, allerdings in kleinerem Maßstab. Bei der Elektroinstallation sind die Auswirkungen auf den Gesamtpreis viel höher.

Frage: Wie viele Steckdosen braucht man unbedingt?

Kostencheck-Experte: Das ist immer die Frage, welche Grundausstattung schon unverzichtbar ist. Im Wesentlichen hängt das aber auch mit dem persönlichen Lebensstil zusammen, und mit den Ansprüchen, die man grundlegend hat.

Die „Minimalausstattung“ sind

  • eine Wechselschaltung für Deckenlicht im Flur
  • Deckenlicht im Flur
  • 2 Steckdosen im Flur
  • Klingelgong und Klingeltaster
  • Außenleuchte
  • Herdanschluss in der Küche
  • Deckenleuchte in der Küche
  • 5 Steckdosen als Mehrfach-Steckdosen in der Küche
  • Steckdose jeweils für Kühlschrank, Geschirrspüler, Dunstabzug
  • Ausschaltung für Deckenleuchte im Bad
  • Ausschaltung für Wandleuchte im Bad
  • Deckenleuchte im Bad
  • Wandleuchte im Bad
  • 2 Steckdosen
  • Steckdose für Waschmaschine und Trockner
  • jeweils Deckenleuchte und Ausschaltung sowie 2 Steckdosen für jedes Schlaf- und Kinderzimmer
  • Ausschaltung für Außenbeleuchtung Terrasse
  • Außenbeleuchtung Terrasse
  • zwei Steckdosen Terrasse (Doppelsteckdose) witterungsgeschützt
  • Ausschaltung Deckenleuchte Wohnzimmer
  • Ausschaltung weitere Leuchte Wohnzimmer
  • Deckenbeleuchtung
  • weitere Leuchte
  • 5 Steckdosen Wohnzimmer
  • SAT-Anschluss

Sieht man sich das einmal im Gesamtbild an, erkennt man, wie viel Aufwand heute tatsächlich schon unverzichtbar ist. In der Praxis wird man in den meisten Fällen mit dieser Minimalausstattung erfahrungsgemäß dennoch kaum das Auslangen finden.

Frage: Welche zusätzlichen Ausstattungen können noch dazukommen?

Kostencheck-Experte: Da gibt es eine ganze Menge. An vieles wird im Vorfeld oft gar nicht gedacht.

Bei Rolladen- und Jalousienschaltern, die schon in der Minimalausstattung nicht berücksichtigt wurden, können zusätzlich auch noch Zeitschaltuhren oder eine Astro-Funktion sinnvoll sein (dann werden die Rolläden nach den tatsächlichen Sonnenauf- und Untergangszeiten geschaltet anstatt nach der Uhr, das kann Energie sparen). Für solche Schalter müssen Sie rund 130 – 170 EUR je Stück rechnen.

Raumthemostate werden häufig auch vergessen. Wer aber die Temperatur in jedem Raum einzeln regeln will, kommt um ein Raumthermostat nicht herum. Die Kosten betragen für ein einfaches Thermostat UP rund 50 EUR, aufwändige Thermostate kosten ab rund 150 EUR pro Stück.

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In der Küche sind besonders viele Anschlüsse nötig
In der Küche wird – neben dem Herdanschluss – oft auch ein Extra-Stromkreis für Backofen und Mikrowelle benötigt, dazu jeweils ein Leistungsschutzschalter pro Gerät. Insgesamt müssen Sie hier ebenfalls mit Kosten deutlich über 100 EUR rechnen.

Netzwerk- und Antennenanschlüsse so wie Datenleitungen werden auch gerne vergessen bei der Planung. Das gleiche gilt für Einbau-Leuchten.

Im Bad macht oft ein Bewegungsmelder Sinn, zusätzlich wird häufig eine Entlüftung benötigt, meist mit Nachlauf-Schalter. Auch dafür müssen die Anschlüsse bereits im Vorfeld geplant werden.

Im Außenbereich ist oft zusätzliche Beleuchtung nötig, dazu kommen die Anschlüsse für eine eventuelle Alarmanlage. Die Verlegung eines Kabels zum Klingeltaster am Gartentor geht auch gerne unter – ist aber oft gewünscht und sicherlich auch sinnvoll.

Wer mit offenen Augen durch seinen Neubau geht, wird hier und dort wahrscheinlich immer wieder neue und zusätzliche Anschlüsse entdecken die er noch braucht. Man sollte sich zur Gewohnheit machen, jeden Einfall sofort im Plan einzutragen – so kann nichts vergessen werden und muss später dann teuer nachinstalliert werden.

Frage: Wie kann man bei der Elektroinstallation Kosten sparen?

Kostencheck-Experte: Der erste – und wichtigste – Punkt ist hier Eigenleistung. Die „gefährlichen“ Arbeiten darf – und sollte man auch – keinesfalls selber machen. Tatsächlich besteht gerade im Bereich der Grundausstattung der hauptsächliche Arbeitsaufwand aus einer großen Menge von einfachen, ungefährlichen Arbeiten, die nur einfach sehr zeitaufwändig sind.

Wer hier bereit ist, mit Hand anzulegen, kann sich eine Menge Kosten bei der Installation sparen. Lassen Sie sich vom Elektriker zunächst zeigen, wie es geht, und worauf Sie achten müssen. In der Regel sind Elektriker froh, nicht so viel mit zeitaufwändigen, langwierigen Arbeiten gebunden zu sein. In unserem Beispiel hätte sich der Bauherr Geld gespart, wenn er folgende Arbeiten übernommen hätte:

  • Schlitze stemmen
  • Unterputz-Dosen setzen
  • Kabel einziehen

Bezogen auf unser Beispiel wären hier rund 2.000 EUR bis 3.000 EUR Ersparnis leicht möglich gewesen. Das sind immerhin 10 % bis 15 % der Gesamtkosten.

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Wer sein Material selber kauft, kann erhebliche Kosten sparen
Der zweite Punkt betrifft das Material: Wer bei kleinen Betrieben vor Ort seine Elektroinstallation beauftragt, wird oft deutlich mehr für das Material bezahlen. Wer sein Material selbst beschafft, fährt hier bei den Materialkosten meist deutlich günstiger – in einzelnen Fällen lassen sich die Kosten für das Material dadurch sogar um bis zu 40 % oder 50 % reduzieren.

Frage: Planung ist wahrscheinlich auch ein Faktor, oder?

Kostencheck-Experte: Ja, genau. Je exakter Sie im Vorfeld wissen, welche Geräte Sie wo anschließen wollen, wie Ihre Beleuchtung in den Räumen aussehen soll und wie viele Steckdosen Sie brauchen, desto besser können Sie planen.

Das lohnt sich oft, denn so können teure „Überinstallationen“ vermieden werden.

Frage: Lohnt es sich, über das Ausstattungsniveau der Installation nachzudenken, und es eventuell zu senken?

Kostencheck-Experte: Die Ausstattung ist immer allein Geschmackssache. Sicherheit und Funktionalität sind auch bei einer einfachen Ausstattung gegeben. Und bei der teuren Schalterserie kann man natürlich auch immer ein wenig sparen. Und wer Steckdosen nicht einzeln sondern wo möglich immer gleich mehrere als Steckdosen-Serie einbauen lässt, kann die Kosten auch noch ein wenig drücken.

Lässt man genug Leerrohre verlegen, kann man die einfachere Ausstattung auch später einmal erweitern, wenn man höheren Komfort haben möchte. Die Erstinstallation kommt in der Regel dann aber deutlich günstiger.

Auch bei der Beleuchtung kann man etwas sparen: Wer nicht unbedingt an den ungünstigsten Worten eine hohe Zahl von Einbauleuchten benötigt, erspart dem Elektriker oft einiges an Aufwand – und sich selbst die Kosten.

Tipps & Tricks

Lassen Sie sich Zeit für die Planung, und gehen Sie in Gedanken immer wieder durch, was Sie im Haus tun wollen, und welche Geräte dort eingebaut werden sollen. Auf diese Art und Weise gelingt es am ehesten, an alles zu denken.

Text: Kostencheck.de
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