Dachreinigung: Welche Kosten sind realistisch?

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Dachziegel haben eine enorme Lebensdauer, die oft zwischen 30 und 40 Jahre liegen kann. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie während dieser Zeit auch tatsächlich ansehnlich wirken müssen. Gegen Verschmutzungen und Moosbefall hilft eine professionelle Dachreinigung. Was das Kosten kann und welche Kosten als überhöht anzusehen sind, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Was kostet eine Dachreinigung in der Regel?

Kostencheck-Experte: Das muss man immer im jeweiligen Einzelfall und nach einer genauen Beschreibung der gestellten Aufgabe beurteilen – das macht es so schwierig.

In der Praxis kann eine Dachreinigung zwischen 0 EUR pro m² und 15 EUR pro m² Dachfläche kosten. Die „kostenfreie“ Variante kommt meist im Zuge von Dachbeschichtungen zum Einsatz, für die eine gründliche, vorangehende Reinigung des Dachs ohnehin zwingende Voraussetzung ist, meist aber im Gesamtpreis für die Beschichtung des Dachs gleich mit eingerechnet ist.

Man muss also zunächst einmal unterscheiden, von welcher Art von Dachreinigung man spricht:

  • um eine einfache, grundlegende Dachreinigung
  • um eine Dachreinigung mit nachfolgender Versiegelung
  • um eine Dachreinigung im Zuge einer Dachbeschichtung
  • um eine Spezialreinigung mit besonderen Geräten oder Techniken (z. B. mikrobielle Moosentfernung)

Je nachdem, welche Art der Reinigung erfolgt, können die Kosten in der Praxis schon einmal recht unterschiedlich liegen.

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Eine Reinigung mit Hochdruckreiniger kostet etwa 5€ pro qm
Eine einfache Reinigung der Dachfläche mit dem Hochdruckreiniger ohne Einsatz von speziellen Reinigungsmittel oder nachfolgender Versiegelung kostet in der Regel ab rund 5 EUR pro m² Dachfläche. Wird nachfolgend eine Dachbeschichtung ausgeführt, wird die Reinigung in der Regel nicht separat berechnet, da sie ohnehin eine unverzichtbare Grundlage für die nachfolgenden Arbeiten darstellt.

Für eine Dachreinigung mit nachfolgender Versiegelung müssen Sie in den meisten Fällen zwischen 10 EUR pro m² und 15 EUR pro m² rechnen.

Wenn spezielle Reinigungsgeräte, Reinigungsmittel oder besondere Techniken zum Einsatz kommen, kann der Preis dann auch einmal um 5 EUR pro m² bis 10 EUR pro m² steigen, ebenso, wenn ein Dach sehr stark verschmutzt ist, eine komplizierte Dachgeometrie hat oder schwierig zugänglich ist.

Zusätzlich wird meist noch die Anfahrt berechnet, gegebenenfalls auch der Aufwand für das Herstellen einer Zugangsmöglichkeit zum Dach, wenn diese nicht direkt gegeben ist.

Kostenbeispiel aus der Praxis

Ein 210 m² großes Dach soll gereinigt und imprägniert werden. Das Dach ist mittelmäßig verschmutzt, weist aber einen vergleichsweise hohen und dichten Moos- und Algenbefall auf.

Beim Dach selbst handelt es sich um ein einfaches Satteldach, das gut zugänglich ist, der Wasserablauf vom Dach ist aufgrund der höheren Dachneigung sehr gut.

Posten Preis
Anfahrt 40 EUR
Reinigung komplett, Reinigungsmittel zusätzlich: Moosentferner 1.890 EUR
Imprägnierung des kompletten Dachs 1.470 EUR
Gesamtkosten 3.400 EUR
Gesamtkosten pro m² 16,00 EUR pro m²

Hierbei handelt es sich nur um ein einzelnes Kostenbeispiel, das lediglich für ein bestimmtes Haus und für die Ausführung durch ein bestimmtes Unternehmen gilt. Die Kosten können in anderen Fällen auch deutlich unterschiedlich liegen.

In unserem Fall wurde vergleichsweise kostengünstig gearbeitet. Ohne eine Imprägnierung des Dachs wäre die Wirkung der Dachreinigung insgesamt nur von kurzer Dauer – damit erscheinen die Mehrkosten für die Imprägnierung gerechtfertigt, die verhindert dass sich neuer Schmutz festsetzen kann.

Frage: Von welchen Dingen hängen die Kosten für eine Dachreinigung in der Praxis ab?

Kostencheck-Experte: Da Dächer insgesamt recht unterschiedlich sein können und auch unterschiedliche Verschmutzungsgrade aufweisen können, sind auch die Kosten von Dach zu Dach oft recht unterschiedlich.

Einfluss auf die Kosten einer Dachreinigung haben immer:

  • die Größe der Dachfläche
  • die vorhandene Dachneigung
  • die Konstruktionsweise des Dachs und die Dachgeometrie
  • der jeweilige Verschmutzungsgrad des Dachs
  • möglicherweise vorhandene Dachschäden (Staunässe, Undichtigkeiten)
  • wie gut die Dachfläche zugänglich ist
  • ob spezielle Reinigungsmittel eingesetzt werden müssen oder besondere Geräte zum Einsatz kommen

Daneben spielt natürlich auch immer die individuelle Preisgestaltung des beauftragten Unternehmens eine wichtige Rolle. Die Preisunterschiede sind von Unternehmen zu Unternehmen häufig sehr unterschiedlich, viele kleinere oder spezialisierte Unternehmen bieten zudem oft kostengünstige Pauschalen an. Ein Vergleich der Preise lohnt sich also, am besten schickt man allerdings aussagekräftige Fotos vom Dach um tatsächlich realistische Angebote zu erhalten.

Frage: Inwieweit spielen Dachneigung und Konstruktionsweise des Dachs bzw. Dachgeometrie eine Rolle für die Kosten?

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Dächer mit einer starken Neigung lassen sich leichter reinigen
Kostencheck-Experte: Dächer mit hohen Dachneigungen haben zumeist einen sehr guten Wasserablauf, was Reinigungen des Dachs deutlich erleichtert. Bei sehr steilen Dächern kann es umgekehrt aber auch wieder schwieriger sein, sie zu betreten. Das muss man immer im Einzelfall beurteilen.

Kompliziert konstruierte Dächer mit vielen Kehlen und Rinnen sowie in unterschiedlichen Winkeln zueinander stehenden Kleinflächen erschweren in der Regel die Reinigung, auch weil der Wasserablauf dann deutlich langsamer ist. Damit steigt der Aufwand für die Reinigung und in der Folge dann oft auch der Preis.

Frage: Warum sind Schäden am Dach problematisch?

Kostencheck-Experte: Bei einer Dachreinigung wird mit großen Mengen an Wasser gearbeitet. Bei vorhandenen Schadstellen am Dach könnte Wasser durch diese eindringen – das soll natürlich vermieden werden.

In der Regel werden kleinere Schäden von professionellen Anbietern daher im Vorfeld ausgebessert und soweit es geht behoben. Das können Undichtigkeiten sein aber auch Staunässe in bestimmten Dachbereichen. Für größere Schäden braucht man dann allerdings zumeist den Dachdecker – und muss deutlich höhere Kosten rechnen. Immerhin sind bei Beauftragung eines professionellen Reinigungsanbieters die Schadstellen dann bereits bekannt.

Frage: Welche Zusatzkosten fallen für besondere Reinigungsmittel und -geräte an?

Kostencheck-Experte: Das ist von Anbieter zu Anbieter und von Gerät zu Gerät meist sehr unterschiedlich.

Kommen nur zusätzliche Reinigungsmittel zum Einsatz, werden dafür häufig nur Zuschläge von rund 1 EUR pro m² bis 2 EUR pro m² erhoben.

Bei Spezialtechniken, wie etwa der mikrobiellen Moosentfernung (das Moos wird von auf das Dach aufgebrachten Mikroorganismen als Futterquelle verwendet und so in kurzer Zeit regelrecht vom Dach „getilgt“) muss man dann oft schon Zuschläge im Bereich von 5 EUR pro m² bis 10 EUR pro m² rechnen.

In der Praxis sollte man das allerdings immer mit dem Anbieter direkt nach einer Vorort-Besichtigung klären, welche zusätzlichen Reinigungsmittel und Geräte zum Einsatz kommen und welche Zuschläge der Anbieter dafür verlangt.

Frage: Warum spielt die Zugänglichkeit des Dachs eine Rolle für die Kosten?

Kostencheck-Experte: Wenn ein Dach über einen einfachen Dachausstieg betreten werden kann, ist das für den Anbieter der Dachreinigung natürlich der einfachste Weg.

Sich andere Zugangsmöglichkeiten zum Dach zu schaffen, kann deutlich aufwendiger sein. Dieser Aufwand wird dann häufig natürlich auch separat verrechnet. Auch das hängt aber immer wieder vom jeweiligen Einzelfall und vom jeweils beauftragten Anbieter ab.

Frage: Lohnt sich eine Dachreinigung finanziell überhaupt?

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Eine Dachreinigung ist eine rein kosmetische Maßnahme
Kostencheck-Experte: Die Reinigung eines Dachs ist – so viel muss man bedenken – eine rein kosmetische Maßnahme. Sie verlängert die Lebensdauer der Dachziegel nicht erheblich und sorgt auch nur in geringem Maß für eine höhere Witterungsfestigkeit der Dachziegel, auch wenn das von anbietenden Unternehmen gern behauptet wird.

Unsachgemäß ausgeführte Dachreinigungen und Beschichtungen können im Gegenteil sogar eher ein eine Gefahr für die Lebensdauer von Dachziegeln bedeuten.

Setzt man bei einem klassischen Steildach die Kosten für eine komplette Neueindeckung ins Verhältnis, muss man sich als Hausbesitzer tatsächlich fragen, ob sich eine Dachreinigung – und auch eine Dachbeschichtung – überhaupt lohnt.

Eine Neueindeckung mit kostengünstigen Betondachsteinen – bei der man sich dann mit Sicherheit aller Sorgen um das Dach für mindestens 20 Jahre entledigt hat – kostet ab rund 25 EUR pro m². Im Einzelfall mag das vielleicht noch um 5 EUR pro m² bis 10 EUR pro m² teurer sein – man erhält dafür aber nicht nur ein Dach das aussieht wie neu, sondern auch tatsächlich neu ist und um das man sich die nächsten Jahrzehnte sicherlich nicht mehr kümmern muss. Nach einer Reinigung oder auch Beschichtung kann einige Jahre später dennoch ein Austausch der Dachziegel anstehen, wenn sie schon zuvor beginnende Schäden hatten. Davor schützen Reinigungen und Beschichtungen nicht.

Vor diesem Hintergrund sollte man die Kostenfrage also immer abwägen.

Frage: Kann man ein Dach nicht auch selbst reinigen?

Kostencheck-Experte: Voraussetzung dafür ist in der Regel ein wirklich dafür geeigneter Hochdruckreiniger – solche Geräte kann man aber meist für 10 EUR bis 15 EUR pro Tag auch leihen.

Für die Arbeiten am Dach muss man dann noch die entsprechende Sicherheitsausrüstung und gegebenenfalls auch die nötigen professionellen Reinigungsmittel in ausreichender Menge beschaffen.

Wenn man schwindelfrei und körperlich fit ist und sich am Dach sicher bewegen kann, ist das Selberreinigen sicherlich eine Möglichkeit, die einen Großteil der Kosten spart.

Frage: Wann sind die Kosten für eine Dachreinigung als überhöht anzusehen?

Kostencheck-Experte: Das ist in der Praxis immer schwierig zu sagen – in einzelnen Härtefällen kann die Reinigung tatsächlich einen hohen Aufwand verursachen – und dann (gerechtfertigterweise) auch entsprechend teurer werden. Für Beschichtungen gilt das Gleiche, vielleicht sogar noch mehr, da hier die Kosten für einen höheren Farbauftrag schnell deutlich zu Buche schlagen können.

Vorsicht bei Nachberechnungen

Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, wenn die Dachfläche beim Angebot zu niedrig geschätzt wird und später dann eine teure Nachberechnung erfolgt. Das ist auch eine sehr häufige Masche von weniger seriösen Anbietern.

Da kaum jemand die Größe seiner Dachfläche genau kennt, wird – anstatt sie fachgerecht zu berechnen – einfach anhand von alten Abwasserrechnungen oder einfach „über den Daumen“ schätzen. Das kann natürlich nicht realistisch sein, da Abwasserberechnungen die

Hausgrundfläche

als versiegelte Fläche werten – die ja schräg stehende Dachfläche kann aber in der Praxis bis zu 1,5 mal so groß sein. Danach steht der Anbieter dann beim Kunden und verlangt plötzlich eine immense Nachzahlung auf den eigentlich vereinbarten Betrag wegen der falschen Flächengrundlage.

Einberechnet werden müssen bei Dachbeschichtungen und auch bei Dachreinigungen zudem immer die senkrechten Teile des Ortgangs. Auch das sollte schon vor der Angebotsabgabe berücksichtigt werden – nicht erst in einer Zusatzforderung danach. Diese Teile sind ja von Anfang an schon da.

Dagegen hilft nur, die Größe der eigenen Dachfläche genau zu kennen oder gegebenenfalls vom Dachdecker schnell einmal professionell berechnen zu lassen (das ist keine besonders schwierige Aufgabe und mithilfe der entsprechenden Tabellen und einige einfachen Messungen in ein paar Minuten erledigt).

Haustürgeschäfte sollte man grundsätzlich nicht abschließen, auch nicht wenn (wie das sehr häufig der Fall ist) ein „besonderes Angebot wegen einer Baustelle in der Nähe“ gemacht wird. Damit wird auch häufig für Dachbeschichtungen geworben. Kein Unternehmen gibt seinen Mitarbeitern aber „zuviel Farbe mit“ oder verschafft seinen Mitarbeitern so viel Freizeit in der Arbeit, dass sie neben der ursprünglichen Baustelle noch schnell eine weitere erledigen können. Von solchen „Schnellgeschäften“ sollte man tunlichst Abstand nehmen.

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