Gerüstbau: Welche Kosten muss man für das Eingerüsten rechnen?

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Für den privaten Gebrauch lohnt sich stets der Ausleih eines Gerüst

Für die meisten Arbeiten an der Fassade und am Dach wird ein Gerüst benötigt – auch dann, wenn man die Arbeiten selber ausführen will. Welche Kosten man für das Aufstellen und die Miete eines Gerüsts rechnen muss, und welche Kostenunterschiede es dabei geben kann, erfahren Sie ausführlich vom Kostencheck-Experten.

Frage: Lohnt sich die Gerüstmiete denn – oder wäre es kostengünstiger, selbst ein Gerüst anzuschaffen?

Kostencheck-Experte: Ein Gerüst zu mieten lohnt sich fast in allen Fällen im privaten Bereich – selbst bei längeren Standdauern.

Die Kosten für eine Anschaffung, das Aufstellenlassen (bei einigen Gerüsten ist fachliche Aufsicht nötig) und die Abnahme liegen relativ hoch. Zudem müsste man darauf achten, dass man ein Gerüst anschafft, das auch für alle Arbeiten tauglich ist, das geht in der Regel nur bei teuren Allround-Gerüsten. Was das alles kosten kann, ist übrigens an dieser Stelle ausführlich beschrieben.

Frage: Was kostet das Aufstellen eines Gerüsts von einem Fachbetrieb in der Regel?

Kostencheck-Experte: Die Preise können hier natürlich unterschiedlich sein. Im Allgemeinen müssen Sie aber mit zwischen 6 und 12 EUR pro m² Gerüst rechnen, wenn das Gerüst für 4 Wochen gemietet wird. Kommen Extras dazu, wird es fallweise auch etwas teurer.

Dazu ein Kostenbeispiel aus der Praxis:

Eine Hausfassade soll mit einem Fassadengerüst eingerüstet werden, das für Verputzarbeiten geeignet ist. Die Fassadenfläche ist 120 m² groß. Nach der geplanten Standzeit von 4 Wochen soll das Gerüst noch eine weitere Woche stehen bleiben.

Posten Preis
Gerüst liefern, aufstellen, abholen inkl. Abnahme 540 EUR
Miete gesamt 108 EUR
Gesamtkosten für 3 Wochen 648 EUR netto

Das ist natürlich nur ein einzelnes Beispiel. Die Kosten können in anderen Fällen je nach besonderen Gegebenheiten beträchtlich abweichen. Preisunterschiede zwischen 3 EUR pro m² und 12 EUR pro m² oder sogar mehr sind hier durchaus drin.

Frage: Welche Kostenfaktoren spielen für die Gerüstmiete eine Rolle?

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Gerüstpreise richten sich nach Quadratmetern

Kostencheck-Experte: Grundsätzlich ist natürlich zunächst einmal die Quadratmeterzahl das ausschlaggebende Kriterium, danach werden Gerüste berechnet. Die Quadratmeterzahl ist dabei einfach zu berechnen: im Allgemeinen wird bis zur Höhe Dachrinne gemessen, um die Höhe des Gerüsts zu erhalten, die Breite entspricht der Hausbreite. Lediglich bei Überbrückungen (z.B. Gerüst auf Garagendach) wird es komplizierter zu rechnen.

Daneben kommen aber viele weitere Faktoren zum Tragen:

  • die Art des Gerüsts
  • die Art der Arbeiten, für die das Gerüst angefordert wird
  • die notwendige Zusatzausstattung
  • die Region in der man das Gerüst braucht
  • die Saison
  • die Entfernung des Gerüstbaubetriebs von der Baustelle
  • die Standzeit des Gerüsts

Die Vielzahl der Einflussfaktoren auf den Preis

Frage: Inwiefern spielt die Gerüstart eine Rolle für den Preis?

Kostencheck-Experte: Nun – es hängt natürlich ganz wesentlich davon ab, welche Art von Gerüst man benötigt. Ein Dachdecker-Gerüst oder Dachfang-Gerüst ist eine grundsätzlich andere Sache als ein Arbeits- und Schutzgerüst für Fassadenarbeiten.

Jedes Gerüst hat dabei ein unterschiedliches Gewicht, braucht unterschiedlich viel Aufbau-Aufwand und ist auch unterschiedlich abzusichern.

Wenn auf Gehwegen gearbeitet werden muss, kommen oft nur Fahrgerüste infrage, die manchmal abends wieder abgebaut und speziell abgesichert werden müssen. Das schafft natürlich wieder eine völlig andere Kostensituation.

Frage: Warum spielt die Art der Arbeiten auch eine Rolle für den Preis?

Kostencheck-Experte: Welche Arbeiten ausgeführt werden bestimmt, welche Art von Gerüst notwendig ist. Es geht hier um die sogenannten Gerüstgruppen:

Gerüstgruppe Belagsbreite Nutzlast Verwendung
Gerüstgruppe 1 50 cm n.a. ausschließlich für Inspektionsarbeiten
Gerüstgruppe 2 60 cm 150 kg/m² kleinere Arbeiten an der Fassade, keine Lagerung von Arbeitsmaterial
Gerüstgruppe 3 60 cm 200 kg/m² z.B. Fassadenbekleidung, Dachdecken, Malern, etc.
Gerüstgruppe 4 – 6 ab 60 cm ab 200 kg/m² aufwändige Malerarbeiten mit viel Material, Putzarbeiten, alle Arbeiten mit hohem Materialanteil
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Ein Gerüst für einen Maler muss weniger Last tragen können als das eines Maurers

Wie man aus der Tabelle ersehen kann, ist der Materialanteil bei den einzelnen Arbeiten recht unterschiedlich: das heißt, je nach Gewerk, das dort arbeitet, wird unterschiedlich viel Material auf dem Gerüst gelagert.

Einfache Malerarbeiten brauchen kaum mehr als einen Farbeimer, der Maurer braucht im Gegensatz dazu eine ganze Menge Ziegel und Mörtel, die er neben sich auf das Gerüst stellt. Das sind ungefähr beide Extreme bei den Gerüstgruppen.

Je mehr Material gelagert werden muss, desto höher muss die Tragkraft der Gerüstbohlen sein. Da eine Mindestdurchgangsbreite von 20 cm neben dem gelagerten Material gefordert ist müssen Gerüste höherer Klassen dann auch breiter sein. Gerüste mit höherer Tragkraft auf den Bohlen müssen dann auch insgesamt stabiler gebaut sein, um die hohen Lasten auf den Bohlen sicher abtragen zu können.

Frage: Das leuchtet ein. Richtet sich die notwendige Zusatzausstattung auch nach der Art der Arbeiten?

Kostencheck-Experte: Zum Teil, ja. In anderen Fällen macht auch die Art und die Lage der Baustelle bestimmte Zusatzausstattungen notwendig.

Wenn beispielsweise ein Netz (Fallsicherung) benötigt wird, müssen Sie mit zusätzlichen Kosten ab etwa 2,50 EUR pro laufendem Meter rechnen. Ein Wetterschutz liegt ebenfalls ungefähr in diesem Preisbereich bei den zusätzlichen Kosten.

Frage: Warum spielen Region und Saison eine Rolle für den Preis?

Kostencheck-Experte: Die regionalen Unterschiede beim Gerüstbau sind enorm. Der wichtigste Unterschied liegt dabei zwischen Ballungszentren und eher ländlichen Regionen.

In Ballungszentren können die Kosten für ein Gerüst oft um 50 – 100 % mehr betragen als in einsamen Landgebieten. Wenn beispielsweise in ländlichen Regionen ein Gerüst 4 EUR pro m² kostet, können Sie in städtischen Gebieten für das gleiche Gerüst häufig mit Kosten von 7 EUR pro m² bis 8 EUR pro m² rechnen.

Der Preis ist wiederum natürlich von den anderen Einflussfaktoren abhängig, der Preisunterschied ist aber oft tatsächlich so hoch. Dafür müssen Sie am Land manchmal damit rechnen, dass ein Gerüstbaubetrieb möglicherweise eine etwas weitere Anfahrt hat – in diesem Fall würden sich die Preisunterschiede wieder etwas relativieren.

Bei der Saison ist das ganz einfach erklärt: Im Sommer haben Gerüstbauer fast immer am meisten zu tun – damit sind dort manchmal auch die Preise etwas höher als zu anderen Zeiten des Jahres.

Frage: Die Entfernung des Gerüstbaubetriebs spielt wegen der Anfahrts- und Abfahrtskosten eine Rolle, richtig?

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Auch die Anfahrts- und Installationskosten sind zu bedenken

Kostencheck-Experte: Ja, genau. Die meisten Betriebe kalkulieren ihre Anfahrtskosten und die Kosten für die Abholung nach der Entfernung, die sie zurücklegen müssen.

Die Kosten sind hier unterschiedlich, aber jeder Betrieb hat mit längeren Lieferwegen natürlich höhere Kosten für Sprit und Zeitaufwand, die er umlegen muss, vor allem bei schweren Gerüsten.

Aus diesem Grund sollte man möglichst immer Angebote aus der Region oder am besten aus dem näheren Umkreis einholen.

Frage: Wie ist das nun mit der Standzeit – was kostet es, wenn man ein Gerüst länger braucht?

Kostencheck-Experte: Die Standzeit ist grundsätzlich der Faktor, der sich am geringsten auf die Gesamtkosten auswirkt.

Die meisten Gerüstbaubetriebe verlangen einen Pauschalpreis für Aufstellen, Abbauen und 4 Wochen Gerüstmiete. Bei einigen sind es auch nur zwei Wochen.

Eine Woche zusätzliche Standzeit kostet in den meisten Fällen lediglich 5 – 15 % des Gesamtpreises Zuschlag, das kann manchmal sogar noch günstiger ausfallen, wenn es um lange Zeiträume geht. In der Regel ist die Standzeit also kaum bedeutend.

Frage: Welche zusätzlichen Kosten können noch anfallen?

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Manchmal ist eine Genehmigung für den Gerüstbau vonnöten

Kostencheck-Experte: Abgesehen von den Gerüstaufbaukosten und den Mietkosten können im Einzelfall noch Kosten für erforderliche Genehmigungen und Verkehrssicherungsmaßnahmen anfallen. Wenn etwa ein Fußgängertunnel errichtet werden muss oder besondere Verkehrssicherungsmaßnahmen getroffen werden müssen kann das durchaus hohe Zusatzkosten verursachen. Auch Genehmigungen sind oft teuer.

Woran Sie unter Umständen auch denken müssen, sind – wenn Sie Vermieter sind – die eventuellen Mietminderungen, die Sie treffen können. Nach einigen Entscheidungen der Gerichte kann man davon ausgehen, dass ein Mieter wegen Eingerüstung seine Miete um 5 % mindern darf, wird das Gerüst mit Planen abgedeckt sogar bis zu 15 %. Mit solchen zusätzlichen Kostenausfällen muss man als Vermieter dann auch noch rechnen.

Frage: Wie kann man beim Eingerüsten Geld sparen?

Kostencheck-Experte: Wenn Sie das Gerüst nur für kleinere Arbeiten brauchen, die Sie selbst erledigen, lohnt es sich auf jeden Fall, ein kleines Rollgerüst mit passender Arbeitshöhe zu mieten.

Solche Fahrgerüste eignen sich für viele Arbeiten und sind deutlich günstiger zu mieten als ein gewöhnliches Fassadengerüst.

Ein Kostenbeispiel aus der Praxis:

Benötigt wird ein Rollgeräst für eine Arbeitshöhe von 7 Metern. Eine Gerüstbreite von 0,75 m ist für unsere Arbeiten im Beispiel ausreichend.

Posten Preis
Gerüstmiete Layher Uni-Standard, Arbeitshöhe 7,5 m für 1 Woche 80 EUR netto
Gerüstmiete für 3 Wochen 192 EUR netto
Gerüstmiete für 4 Wochen 240 EUR netto
Zusatzkosten Lieferung nach Aufwand

Das zeigt, dass ein Rollgerüst (in diesem Fall mit einer Standfläche von 2,85 x 0,75 m um einiges günstiger ist als ein komplettes Fassadengerüst. In vielen Fällen kann sich das also lohnen.

Ansonsten sollte man auf jeden Fall mehrere Angebote einholen und die Preise vergleichen.

Bringen Handwerker ein Gerüst mit, kann man sich in der Regel darauf verlassen, dass von Unternehmen zu Unternehmen ähnliche Preise verlangen, die sich auf die VOB Vorgaben bei der Verrechnung stützen. In den meisten Fällen werden die Unterschiede hier also nicht so groß ausfallen.

Tipps & Tricks

Wenn Ihr Haus eingerüstet ist, müssen Sie unbedingt Ihre Gebäudeversicherung in Kenntnis setzen, da ein deutlich höheres Einbruchsrisiko durch das Gerüst besteht. Melden Sie das nicht, kann das bei einem Einbruch zu Problemen mit dem Versicherer führen.