Reetdach – mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

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Reetdächer sind eine traditionelle Dachart, die an die raue Nordsee und Ostsee erinnert – und die im Wesentlichen auch dort beheimatet ist. Welche Kosten das Decken mit Reet verursacht, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte.

Frage: Was ist bei Reetdächern so besonders?

Kostencheck-Experte: Reetdächer sind mit Rohr bzw. Schilf (dem „Reet“) gedeckt – also mit einem reinen Naturmaterial. Das führt zu einigen Unterschieden gegenüber klassischen Dacheindeckungsmaterialien wie Tonziegeln oder Betonsteinen.

Reetdächer sind feuchtigkeitsempfindlich, daher ist ihr gesamter Aufbau so ausgelegt, dass Feuchtigkeit von der Oberfläche nicht sehr tief ins Dach eindringen kann. Bei dem typisch nördlichen Wetter in Deutschland ist das durchaus eine Voraussetzung. Die Bauweise ist seit Jahrhunderten traditionell überliefert und wird bis heute beibehalten.

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Reetdächer haben eine starke Dachneigung
Die Dachneigung ist bei Reetdächern immer sehr hoch, 45° Dachneigung werden als Mindestwert angesehen. Das sorgt dafür, dass Wasser sehr schnell ablaufen kann. Die sogenannte Halmneigung kann davon allerdings unterschiedlich sein. Sie muss aber zumindest auch über 25° liegen.

Reetdächer werden, damit sie schneller abtrocknen, immer als belüftetes Kaltdach mit einer Hinterlüftung ausgeführt. Eine Wärmedämmung ist allerdings bei moderneren Gebäuden dennoch durchführbar: Der untere Teil des Daches, unter der Hinterlüftung und zum Wohnraum hin, wird dann einfach mit Dämmmaterial belegt. Der durchlüftete Zwischenraum ist dann in der Regel rund 6 cm bis 8 cm groß.

Eine Ausführung als Warmdach (ohne Hinterlüftung) ist in Einzelfällen möglich, allerdings besteht dabei hohes Risiko in Bezug auf die Durchfeuchtung des Reets und Schimmelbildung im Dach. Wichtig ist hier, auf eine sehr exakte Ausführung der Dampfsperre zu achten.

Ein Vorteil des Warmdachs liegt umgekehrt darin, dass bei Feuer im Reet deutlich niedrigere Temperaturen entstehen als beim belüfteten Kaltdach.

Wegen des hohen Gewichts, dass das Reet als Eindeckung verursacht, muss die Dachkonstruktion auch deutlich höhere Tragfähigkeit aufweisen als bei anderen Dachformen. Dafür muss schon bei der Konstruktion des Dachstuhls gesorgt werden, wenn eine Reetdachdeckung geplant ist.

Reetdächer sind wegen ihrer komplizierten Ausführung und des teuren Materials oft auch deutlich teurer als alle anderen Dachformen.

Frage: Was kostet ein Reetdach?

Kostencheck-Experte: Pauschal kann man das natürlich nur sehr schwer sagen – jedes Dach ist anders und das Eindecken kann bei verschiedenen Dächern einen recht unterschiedlichen Aufwand verursachen.

Für die Eindeckung mit Reet kann man aber als groben Richtwert von Kosten im Bereich von rund 100 EUR pro m² ausgehen. Das ist aber nur ein grober Anhaltspunkt. Klassische Ziegeldächer liegen im Vergleich bei ungefähr 25 EUR pro m² bis 50 EUR pro m².

Ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir wollen 140 m² Dachfläche mit Reet decken lassen und beauftragen damit einen Spezialisten.

Auch beim Dachstuhl muss man höhere Kosten veranschlagen – zum einen wird eine stabilere Konstruktion benötigt, zum anderen wird wegen der größeren Stabilität des Dachs oft auch auf ein Walmdach gesetzt, bei dem der Dachstuhl rund 50 % mehr kostet als bei einem einfachen Satteldach.

Posten Preis
Kosten, kalkuliert Dachfläche 110 EUR pro m²
Gauben decken, Rinnen gestalten 3.280 EUR
Gesamtkosten 18.680 EUR

Hierbei handelt es sich natürlich nur um ein einzelnes Kostenbeispiel für ein ganz bestimmtes Gebäude. Die Kosten können für andere Dächer auch deutlich unterschiedlich liegen.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten beim Reetdach im Allgemeinen ab?

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Die Preise für das Reetdach hängen von verschiedenen Faktoren ab
Kostencheck-Experte: Hier müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:

  • die Kosten für das Material und die Materialqualität
  • der Arbeitsaufwand bei der Deckung
  • die Deckungsmethode
  • die Dachgeometrie (komplizierte Dachformen mit Giebeln, Erkern und Rinnen oder Kehlen sind deutlich komplizierter zu decken und damit auch kostenaufwendiger)

Das sind die wesentlichen Faktoren, die den Preis deutlich mitbestimmen. Dadurch können im Einzelfall sehr große Preisunterschiede von Dach zu Dach ausgelöst werden.

Frage: Welche Unterschiede gibt es beim Material?

Kostencheck-Experte: Das wenigste Material stammt heute aus Deutschland – ein Großteil wird importiert. Die Qualität hängt dabei aber ganz wesentlich von der Sorgfalt der Ernte und den Wachstumsbedingungen der Reetpflanzen ab.

Importiertes Reet hoher Qualität kann fallweise auch sehr teuer sein. Hier muss man sich auf die Bezugsquellen des Reetdachdeckers verlassen.

Frage: Welche Konstruktionsweisen gibt es beim Reetdach?

Kostencheck-Experte: Ein Reetdach kann auf folgende Arten ausgeführt sein:

  • geschraubt
  • gebunden oder
  • vernäht

Die geschraubte Variante ist dabei am kostengünstigsten, auch später bei Reparaturen. Die klassische Variante ist die gebundene Befestigung des Reets, die ein wenig mehr Zeit benötigt und damit auch leicht höhere Kosten verursacht.

Bei einem vernähten Reetdach muss man dafür mit sehr hohem Zeitaufwand und dementsprechend hohen Kosten bei der Errichtung rechnen. Dafür erhält man durch das Vernähen auch eine etwas höhere Haltbarkeit des Dachs.

Bei der Firstgestaltung gibt es ebenfalls Unterschiede, traditionelle Gestaltungen mit Reet oder Soden verursachen andere Kosten als moderne Methoden mit Kupfer oder Tonziegeln.

Frage: Welche Folgekosten muss man bei einem Reetdach noch bedenken?

Kostencheck-Experte: Hier sind zwei Punkte ganz maßgeblich: die Wartung und Instandhaltung des Dachs und die geringere Lebensdauer, sowie die deutlich höheren Kosten für die Feuerversicherung beim Haus.

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Die Wartungskosten sind beim Reetdach erheblich
Beides schlägt schon mit enormen Kostenunterschieden zu Buche, wenn man es mit einem klassischen Ziegeldach vergleicht. Da auch noch die Herstellungskosten bei einem Reetdach deutlich teurer sind, zahlt man eigentlich in allen Bereichen drauf. Das muss einem ein Reetdach wert sein.

Die Lebensdauer kann man zwar durch eine steilere Dachneigung etwas verlängern (bei 5° steilerer Dachneigung um bis zu 10 Jahre), dafür fallen aber auch wiederum höhere Kosten bei der Errichtung an (rund 10 % mehr Kosten am Anfang).

Die Lebensdauer (in der Fachsprache: Standzeit) des Reetdachs kann dennoch sehr unterschiedlich sein. Bei manchen Dächern beträgt sie nur 10 – 20 Jahr. In der Regel hält ein Reetdach aber im Schnitt 30 – 50 Jahre, wie andere Steildachformen auch. Einen großen Einfluss auf die Haltbarkeit hat die Lage des Hauses.

Wie auch beim Flachdach ist beim Reetdach eine jährliche Inspektion und die Behebung kleinerer Schäden durch den Fachmann ratsam. Das sorgt neben den anderen Kosten auch für deutlich teurere Wartungs- und Instandhaltungskosten als beim klassischen Ziegeldach.

Text: Kostencheck.de
Artikelbilder: Wiola Wiaderek/Shutterstock, Bildagentur Zoonar GmbH/Shutterstock, MintImages/Shutterstock, LCRP/Shutterstock