Streifenfundament – welche Kosten muss man rechnen?

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Viele kleinere Garagen können problemlos lediglich auf einem Streifenfundament errichtet werden. Auf den ersten Blick sieht das günstiger aus als eine durchgehende Fundamentplatte – das täuscht aber in den meisten Fällen. Was Streifenfundamente wirklich kosten, verrät der Kostencheck-Experte ausführlich im Interview.

Frage: Wo werden Streifenfundamente überall eingesetzt – und sind sie wirklich eine kostensparende Alternative?

Kostencheck-Experte: Streifenfundamente findet man beinahe bei allen Arten von Bauten – in der Regel werden sie aber dort eingesetzt, wo nicht viel Gewicht auf ihnen lastet: das ist bei kleinen Fertiggaragen oder bei einfachen Gartenhäuschen beispielsweise der Fall. Sie können aber auch durchaus unter größeren Gebäuden zu finden sein, wo sie meist direkt unterhalb der tragenden Wände eingebaut werden.

Es klingt zunächst nicht logisch, aber die kostengünstigere Alternative sind tatsächlich meist die durchgehend betonierten Fundamentplatten. Obwohl ein Streifenfundament meist weniger Fläche einnimmt kann der Aufwand für die Errichtung – und damit auch der Preis – deutlich höher sein als bei durchgehenden Fundamenten.

Daneben gibt es auch die andere Alternative: durch eine einfache, dünne Betonplatte verbundene Streifenfundamente. Das ist natürlich in jedem Fall teurer als eine durchgehende, stabile Platte.“

Frage: Was kostet ein Streifenfundament im Allgemeinen?

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Der Aufwand für den Aushub variiert stark

Kostencheck-Experte: Das kann man pauschal schlicht nicht sagen. Die Vorgaben für Fundamentstreifen können von Bau zu Bau völlig unterschiedlich sein, und natürlich sind Fundamente auch unterschiedlich groß und unterschiedlich tief und je nach Anforderungen auch unterschiedlich bewehrt.

Dazu kommt, dass die Aushubarbeiten teilweise einen sehr unterschiedlichen Aufwand verursachen können.

Hochgerechnet auf die Fläche ist bei Streifenfundamenten zwischen 90 EUR pro m² und 300 EUR pro m² alles möglich.

Zur Verdeutlichung des Aufwands ein kleines Kostenbeispiel aus der Praxis:

Für eine keine Fertiggarage soll ein (unbewehrtes) Streifenfundament angelegt werden. Der einzelne Fundamentstreifen ist 90 cm tief und 70 cm breit – die Länge beträgt 6 m. Es werden zwei parallele Streifen angelegt. Benötigt werden also 7,5 m³ Beton.

Posten Preis
Vermessen und Einrichten – Arbeitszeit 87 EUR
Schalung (in unserem Fall 21,60 m²) 210 EUR
Arbeitszeit Schalung 625 EUR
Beton – Materialkosten 820 EUR
Beton – Arbeitszeit 260 EUR
Kleinmaterial und Nebenkosten 50 EUR
Andere Arbeiten im Nachgang 175 EUR
Gesamtkosten 2.227 EUR

Das ist natürlich nur ein einzelnes Beispiel. Andere Streifenfundamente an anderen Orten können deutlich teurer oder günstiger sein.

In unserem Beispiel sind die Kosten für die Erdaushubarbeien noch nicht mit berücksichtigt, da die bereits von einem anderen Unternehmen mit erledigt wurden. Für diese Arbeiten müsste man ansonsten rund 1.000 EUR zusätzlich rechnen. Dazu kommen noch die Kosten für das Verfüllen und Verdichten.

Wir kommen in unserem Beispiel, auf die Fläche gerechnet, also auf einen Quadratmeterpreis von ca. 265 EUR pro m².

Frage: Wovon hängen die Kosten für ein Streifenfundament im Allgemeinen ab?

Kostencheck-Experte: Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle, jeder Faktor für sich genommen kann in hohem Maß preisentscheidend sein:

  • die Abmessungen des Fundaments
  • die Art der Bewehrung
  • die Art des verwendeten Betons
  • die Verfüllung und Verdichtung und natürlich
  • die Kosten für den Erdaushub

Das zeigt bereits, warum jedes Streifenfundament ganz andere Voraussetzungen mitbringt und je nach Fundamentplan und örtlichen Gegebenheiten ganz unterschiedliche Kosten entstehen können.

Frage: Inwieweit spielen die Abmessungen des Fundaments eine Rolle?

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Streifenfundament hat sehr unterschiedliche Maße

Kostencheck-Experte: Nun – Fundamentstreifen unterscheiden sich sowohl in der Länge als auch in der Breite voneinander. Die Tiefe ist variabel und richtet sich einerseits nach der Tragfähigkeit und andererseits nach der Lage des Grundstücks

Die jeweilige Tiefe für den frostfreien Bereich kann von Region zu Region ganz unterschiedlich sein – in den meisten Gegenden Deutschlands liegt sie zwischen 60 und 80 cm, in Gegenden mit viel Frost und strengen Wintern kann die frostfreie Zone auch erst bei rund 150 cm liegen. Das bestimmt natürlich die Kosten deutlich mit.

Die Abmessungen beim Fundament insgesamt beeinflussen dann wieder die Kosten für die Schalung und für den Beton mit, da bei größeren oder tieferen Streifen auch mehr Beton verbraucht wird und mehr Schalung angelegt werden muss.

Frage: Streifenfundamente bestehen immer aus einzelnen, von einander getrennten Fundamentstreifen, ist das richtig?

Kostencheck-Experte: Nein. In gar nicht wenigen Fällen werden die einzelnen Streifen dann durch eine sehr dünne, gegossene Platte miteinander verbunden.

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Streifenfundament ist teurer als eine durchgehende Bodenplatte

Hier wird auch klar, warum die Kosten für Streifenfundamenten in der Regel deutlich über denen von durchgehend gegossenen Bodenplatten – wie hier – liegen. Der Aufwand ist einfach viel höher, die Schalung aufwändiger, und wenn beide Streifen auch noch miteinander verbunden werden müssen, wie häufig der Fall, steigen die Kosten noch zusätzlich wegen der Komplexizität beim Bau.

Frage: Auf welche Weise spielt die Bewehrung für die Kosten eine Rolle?

Kostencheck-Experte: Viele Streifenfundamente sind – wie in unserem Beispiel – völlig unbewehrt. Damit fallen weder Kosten für die Bewehrung noch für das Anbringen an.

Je nach Art der verwendeten Bewehrungsmatten müssen Sie in anderen Fällen noch rund 70 EUR bis 200 EUR je Bewehrungselement rechnen. Diese Kosten kommen zu den anderen Kosten (wie sie in unserem Beispiel angegeben sind) dann noch dazu.

Frage: Welche Preise muss man für den Beton rechnen, und warum können sie unterschiedlich sein?

Kostencheck-Experte: Beton kann eine unterschiedliche Festigkeit und Tragfähigkeit haben. Für Fundamente wird in der Regel mindestens Beton der Klasse C25 verwendet, in vielen Fällen sind aber auch höhere Betonqualitäten gefordert.

Dazu kommen dann noch die eventuellen Zusatzmittel, die dem Beton beigefügt werden müssen:

  • Fließverbesserer
  • Verzögerer (um das Aushärten zu verzögern und den Beton etwas länger verarbeitungsfähig zu halten)
  • Mittel für eine leichtere Verarbeitbarkeit

Beton ist also nicht gleich Beton, sondern kann sehr unterschiedliche Eigenschaften haben.

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Auch die Kosten für den Beton variieren

Fachunternehmen verwenden bei kleineren Streifenfundamenten den Beton in der Regel direkt aus dem Mischer. Das ist meist eine kostengünstige Lösung. In anderen Fällen wird Transportbeton verwendet, der fertig gemischt im Mischwagen angeliefert und direkt in die Schalung gepumpt wird.

Im Allgemeinen müssen Sie für den Beton Kosten von rund 110 EUR pro m³ bis zu rund 160 EUR pro m³ rechnen.

Ein Sonderfall ist Stahlfaserbeton. Hier werden dem Beton (schon im Betonwerk) spezielle Stahlfasern zugegeben, um ihn zu verstärken. Das kann in vielen Fällen eine weitere Bewehrung überflüssig machen.

Diese Lösung ist kostenmäßig durchaus interessant, weil für den Stahlfaser-Zuschlag oft nur rund 5 – 6 EUR pro m³ Zusatzkosten beim Beton anfallen – das ist deutlich günstiger als eine klassische Bewehrung, die dann zusätzlich ja auch noch eingebaut werden muss.

Frage: Was ist mit Verfüllung und Verdichtung gemeint?

Kostencheck-Experte: Ein Fundament wird zwar recht tief ausgehoben, darin besteht aber nicht alles aus Beton. Schon die Fundamentgrube muss am Boden der Grube – der sogenannten Grubensohle – sehr sorgfältig verdichtet werden.

Darüber werden oft Kies- oder andere Tragschichten geplant, die nach dem Einbau ebenfalls verdichtet werden müssen. Der Aufbau kann im Einzelfall aber unterschiedlich sein.

In der Regel wird die Verfüllung und Verdichtung gemeinsam mit den Erdaushubarbeiten vorgenommen.

Frage: Das bringt uns gleich zur nächsten Frage: Warum erscheinen selbst einfache Erdaushubarbeiten immer so unverhältnismäßig teuer?

Kostencheck-Experte: So einfach sind diese Arbeiten gar nicht immer – und für das ausführende Unternehmen bedeuten Sie einen durchaus beträchtlichen Aufwand.

Im Allgemeinen setzen sich die Kosten aus drei wesentlichen Punkten zusammen:

  • einem Preis für den Aushub pro m³
  • einem Preis für den Maschineneinsatz und
  • dem Preis für die Lagerung oder Entsorgung des Erdreichs
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Die Bodenklasse ist wichtig für den Preis

Eine Rolle für den Aufwand spielt dabei vor allem die sogenannte Bodenklasse. Der Standardfall sind Bodenklassen zwischen 3 und 5, ein solcher Mischboden kommt bei den meisten Grundstücken vor. Der Preis für den Aushub beträgt bei solchen Böden meist zwischen 8 und 12 EUR pro m³.

Bodenklasse 6 bezeichnet dann einen Boden, der leicht felsig ist, wobei die Felsen aber leicht lösbar sind. Das erhöht die Kosten wegen dem höheren Aufwand bereits beträchtlich. In Klasse 6 und 7 können die Preise für den Aushub bereits auf rund 60 EUR pro m³ bis 70 EUR pro m³ steigen, in Klasse 7 (schwer zu lösende Felsen) kann das bis zu 100 EUR pro m³ reichen.

Beim Maschineneinsatz kommt immer darauf an, welche Geräte eingesetzt werden. In der Regel kann man für Streifenfundamente ohnehin nur kleine Bagger verwenden – hier werden Sie im Allgemeinen mit rund 80 EUR pro Stunde bis 90 EUR pro Stunde rechnen müssen.

Frage: Auch für die Lagerung und Entsorgung des Erdreichs fallen dann Kosten an?

Kostencheck-Experte: Ja – das ausgehobene Erdreich muss ja irgendwo abgelegt werden. Wenn das direkt neben der Aushubgrube auf der Seite erfolgt, ist das immer die kostengünstigste Lösung.

Da es sich nicht um große Mengen handelt, kann man diese Erde oft noch problemlos auf dem Grundstück verteilen oder zum Anschütten oder Begradigen des Grundstücks gut verwenden (aber Achtung: wenn Sie diese Arbeit bei einem GaLa-Bauer in Auftrag geben, können hier beträchtliche Kosten anfallen).

Aufladen auf den LKW und Abtransport zur Deponie statt Lagern auf dem Grundstück sind dagegen eine teure Lösung. Bei größeren Aushubmengen werden meist 8 EUR pro m³ bis 12 EUR pro m³ für das Beladen eines LKWs und den Transport zur Deponie verrechnet. Auf der Deponie selbst können dann noch rund 2 EUR pro m³ bis 5 EUR pro m³ für die Entsorgung dazukommen. Bei kleineren Mengen kalkulieren Unternehmen aber oft anders.

Tipps & Tricks

Die Herstellung von Streifenfundamenten ist kompliziert und aufwändig – beim Selbstbau haben Sie da in der Regel keine Chance, wenn es sich nicht gerade um ein Fundament für ein sehr kleines Gartenhäuschen oder ähnliche Kleinaufgaben handelt.

Überlassen Sie die Fundamentherstellung am besten immer einen Fachmann – schon kleine Fehler können die Fundamentqualität und die Tragfähigkeit bereits massiv beeinträchtigen.

Text: Kostencheck.de
Artikelbilder: Hanna Alandi/Shutterstock, photowind/Shutterstock, LiliumBosniacum/Shutterstock