Was kostet ein Vaterschaftstest?

vaterschaftstest-kosten

Ihr Baby wurde gerade geboren oder Sie sind schon seit längerer Zeit stolzer Vater, befinden jedoch mit der Mutter nicht in einer festen Partnerschaft oder es gab immer wieder Phasen, in denen sich ihre Wege trennten. In all diesen Fällen besteht manchmal ein Zweifel an der Vaterschaft. Viele Väter überlegen sich dann, die Situation durch einen Vaterschaftstest zu entspannen. Doch was kostet dieser Test und wie wird er gemacht? Diese und weitere Fragen klären wir im Interview mit dem Kostencheck-Experten.

Was ist ein Vaterschaftstest?

Kostencheck: Dieser Test dient der Feststellung der leiblichen Eltern. In vielen Fällen wird er vorgenommen, weil der Vater wissen möchte, ob der Nachwuchs tatsächlich von ihm gezeugt wurde. Bei diesem recht unkomplizierten Test handelt es sich um eine DNA-gestützte Wahrscheinlichkeitsanalyse, für die Kind, Vater und Mutter eine Speichelprobe abgeben.

Im Labor werden Übereinstimmungen des genetischen Codes und anhand dieser die Wahrscheinlichkeit einer Verwandtschaft bestimmt. So lässt sich die Elternschaft zu 100 Prozent ausschließen oder zu 99,9 Prozent bestätigen. Das Verfahren gilt als sehr sicher und ausgesprochen zuverlässig, vorausgesetzt die Speichelproben wurden fehlerfrei und ohne Manipulationen genommen.

Wie teuer ist der Test?

Kostencheck: Die Preisspanne für diese Tests ist sehr groß. Vaterschaftstests erhalten Sie im Internet schon für etwa 130 bis 400 EUR. Diese meist anonymen Tests, die eine geringere statistische Sicherheit bieten, beschränken sich in der Regel auf die reine Laboranalyse.

Soll der Test vor Gericht Bestand haben, ist eine gutachterliche Auswertung vonnöten. Diese Tests kosten ab 500 EUR. Mit Zusatzleistungen können die Kosten für einen Vaterschaftstest bis zu 1.500 EUR betragen.

Die Kosten setzen sich wie folgt zusammen:

Faktor, der sich auf die Kosten auswirkt Begründung
Wie schnell liegen die Ergebnisse vor? In der Regel dauert die Analyse acht bis zehn Tage. Einige Labore bieten optional eine Express-Bearbeitung an. Für diese müssen Sie Extrakosten zwischen 50 und 100 EUR kalkulieren.
Wie hoch ist die Sicherheit? 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit ist der Wert, bei dem eine Vaterschaft auch vor Gericht als bewiesen gilt. Hierfür genügt es, 15 DNA-Marker zu untersuchen. Möchten Sie es genauer wissen, können Sie die Analyse zusätzlicher Marker beauftragen. Dies kostet zwischen 300 und 450 EUR.
Wie viele Personen sollen getestet werden? Getestet werden müssen mindestens Vater und Kind. Besser ist es, wenn sich die Mutter ebenfalls an diesem Test beteiligt. Seriöse Vaterschaftstests für zwei Personen kosten ab 300 EUR. Für jede weitere Person müssen Sie mit etwa 100 EUR Zusatzkosten rechnen.
Wo kann ich die Proben abgeben? Der Gesetzgeber verlangt, dass der Vaterschaftstest von einem unabhängigen Sachverständigen in Empfang genommen wird. Dies kostet zwischen 25 und 80 EUR. In Jugendämtern können Sie den Test in Einzelfällen kostenlos abgeben. Es lohnt sich also, im Vorfeld Kontakt mit der Behörde vor Ort aufzunehmen.

Wer trägt diese Kosten?

Kostencheck: In der Regel müssen Sie die Kosten für den Vaterschaftstest aus eigener Tasche bezahlen. Wird der Test im Rahmen einer Vaterschafts-Anfechtungsklage erstellt, muss derjenige die Kosten tragen, der als Vater festgestellt wird.

Bei sehr geringem Einkommen besteht die Möglichkeit, dass auf Antrag das Gericht die Kosten für den Vaterschaftstest übernimmt.

Hat jeder Test vor Gericht Bestand?

Kostencheck: Alle Tests von akkreditierten Laboren, vorausgesetzt sie wurden von einem Sachverständigen abgenommen, erfüllen diese Voraussetzung. Anders sieht dies bei einem Vaterschaftstest aus, der übers Internet verschickt und nur mit einem Kurzgutachten ausgeliefert wird. Zwar sind diese Tests mit Kosten ab 150 EUR ausgesprochen günstig, die gerichtsverwertbare Dokumentation schlägt in diesem Fall jedoch zusätzlich mit 50 bis 250 EUR zu buche.

Darf ich diesen Test ohne Wissen der Mutter machen?

vaterschaftstest-kosten

Ein Vaterschaftstest sollte nicht ohne Wissen der Mutter durchgeführt werden
Kostencheck: Sind die Zweifel sehr groß, sind Väter manchmal versucht, einen Vaterschaftstest ohne Wissen der Mutter zu machen. In Deutschland gelten allerdings sehr strenge, im Gendiagnostikgesetz festgeschriebene Regeln. Verstoßen Sie gegen diese, müssen Sie mit empfindlichen Strafen rechnen. Ein heimlich durchgeführter Vaterschaftstest ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 5.000 EUR geahndet wird.

Demzufolge kann ein Vaterschaftstest nur gemacht werden, wenn alle Beteiligten zustimmen. Sie müssen also, um den Test legal durchführen zu dürfen, das Einverständnis der Mutter beziehungsweise der Sorgeberechtigten des Kindes einholen und diese dem Labor vorlegen.

Ausländische Anbieter werben mit sehr preiswerten und zudem anonymen Tests, die auch ohne Einwilligung der Betroffenen durchgeführt werden können. In einigen europäischen Ländern ist dies legal, nicht jedoch in Deutschland.

Die Mutter willigt nicht in den Vaterschaftstest ein. Was kann ich tun?

Kostencheck: In diesem Fall müssen Sie Ihr Recht auf einen Vaterschaftstest einklagen. In der Regel wird Ihrem Antrag, sofern das Kindeswohl durch den Test nicht gefährdet ist, zugestimmt. Die Gerichtsentscheidung ersetzt das Einverständnis der Mutter, sodass der Test legal durchgeführt werden kann.

Achtung: Persönliche Neugierde oder übergroße Eifersucht sind keine ausreichenden Gründe für einen Vaterschaftstest. Damit das Gericht diesen anordnet, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein:

  • Der mögliche Vater muss ein ernsthaftes Interesse an dem Kind zeigen.
  • Der Kontakt muss dem Kindeswohl dienen.

Der Vater verweigert einen Vaterschaftstest. Kann dieser angeordnet werden?

Kostencheck: Selbstverständlich hat auch die Mutter das Recht, die Feststellung der Vaterschaft einzuklagen. Gibt es noch keinen gesetzlich anerkannten Vater, kann der Vaterschaftstest durch das Familiengericht beauftragt werden. Das Ergebnis hat in diesem Fall unter Umständen rechtliche Folgen, beispielsweise kann es sich auf das Unterhalts- und/oder Umgangsrecht auswirken.

Wie läuft ein Vaterschaftstest ab?

Kostencheck: Damit der Vaterschaftstest gültig ist, muss ein festes Schema eingehalten werden. Erforderlich ist die isolierte DNA des Kindes sowie des Vaters (Defizienzfall). Liegt zudem die DNA der Mutter vor (Triofall) erhöht dies die Aussagewahrscheinlichkeit des Tests.

vaterschaftstest-kosten

Die DNA für den Vaterschaftstest wird im Mund entnommen
Die benötigten Proben werden meist durch Abreiben von Mundhöhlenschleimhaut mittels eines Wattestäbchens gewonnen. Alternativ kann der Hausarzt Blut entnehmen, aus dem das Labor ebenfalls isolierte DNA gewinnen kann. Geeignet sind auch Haare mit Wurzel, kleinste Hautstücke, Samenflüssigkeit oder Nasensekret. Da die Entnahme einer Speichelprobe schmerzfrei ist und keine Beeinträchtigung nach sich zieht, gibt es kein Mindestalter des Kindes.

Die eigentliche Entnahme der Probe dauert nicht länger als eine Stunde. Zuvor werden zur Identitätssicherung die Ausweisdokumente überprüft und kopiert. Häufig werden zusätzlich Fotos, auf denen das Gesicht gut erkennbar ist, gemacht. Eine ebenfalls übliche Sicherheit ist Abnahme eines Fingerabdrucks oder, bei Säuglingen, ein Abdruck des Fußes. Alle Beteiligten müssen ein Formular unterschreiben und Ihr Einverständnis bekunden. Ohne diese Unterschrift darf das Labor den Vaterschaftstest nicht durchführen.

Die Proben werden Ihnen nicht ausgehändigt und mit allen Unterlagen direkt an das Labor gesandt. Bis Sie ein Ergebnis in den Händen halten, müssen Sie sich ein bis zwei Wochen gedulden. Dieses erhalten Sie auf dem Postweg. Einige Anbieter teilen Ihnen das Resultat auch online mit. In diesem Fall erhalten Sie nach dem Test meist ein individuelles Passwort, mit dem Sie sich auf der Seite des Labors einloggen können.

Kann ein Vaterschaftstest bereits vor der Geburt durchgeführt werden?

Kostencheck: Der pränatale Vaterschaftstest ist in Deutschland verboten. Sie haben als Privatperson keine Möglichkeit, einen derartigen Test zu erwirken und durchführen zu lassen.

Eine Ausnahme stellen Vergewaltigungen oder der Missbrauch von Kindern dar. Das Recht, einen solchen Vaterschaftstest durchzuführen haben ausschließlich die staatlichen Behörden. Lassen Sie sich in diesem Fall unbedingt eingehend beraten.

Das Testergebnis liegt im Briefkasten. Wie geht es nun weiter?

Kostencheck: Wissenschaftlich ist es ganz einfach: Stimmen mindestens drei der fünfzehn getesteten DNA-Marker nicht überein, kann eine Vaterschaft ausgeschlossen werden. Anderenfalls lautet der Text: „Sie sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent der Vater.“ Der Gesetzgeber überlässt es nun den Betroffenen, wie Sie mit dem Ergebnis des Vaterschaftstests umgehen.

Das heißt, nur auf Ihren Wunsch hin wird eine Änderung des rechtlichen Verhältnisses zum Kind erwirkt. So kann dieses beispielsweise geschützt werden, wenn Sie nicht der leibliche Vater sind, aber über mehrere Jahre hinweg eine enge Bindung aufgebaut haben.

Ein negatives Ergebnis bedeutet allerdings nicht, dass nun alle Rechte und Pflichten des Vaters gegenüber dem Kind sofort aufgehoben werden. Sind Sie als gesetzlicher Vater auf der Geburtsurkunde eingetragen, bleiben diese solange bestehen, bis Sie die Vaterschaft anfechten.

Sie können das lieb gewordene Kind weiterhin wie Ihr eigenes erziehen, trotzdem Sie nicht die gleiche DNA haben. Bedenken Sie, dass nicht die Gene einen Vater ausmachen, sondern die individuelle Bindung sowie die Liebe, die Sie empfinden.

Deshalb sollten Sie diesen zwar einfach durchzuführenden Test nicht leichtfertig vornehmen lassen. Er eignet sich zur eindeutigen Klärung einer biologischen Vaterschaft und liefert zuverlässige Ergebnisse, die allerdings für die Beteiligten sehr belastend sein können.

Text: Michaela Kaiser