Hausboot: Welche Kosten muss man rechnen?

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Hausboote und schwimmende Häuser waren schon im Altertum an vielen Orten sehr verbreitet, nicht nur in Asien. In den letzten Jahren wurden sie gewissermaßen „wiederentdeckt“ und die Nachfrage erlebt einen großen Aufschwung, nicht zuletzt auch wegen dem Gefühl der Freiheit beim Wohnen, das sie vermitteln. Wie die Kostenseite beim Hausboot aussieht und was Bootsurlaube kosten, besprechen wir mit dem Kostencheck-Experten in unserem Interview.

Frage: Was kostet ein Hausboot in Anschaffung und Unterhalt?

Kostencheck-Experte: Das Hausboot selbst ist vergleichsweise teuer, besonders wenn es sich um moderne Entwicklungen handelt. Die kleinsten Größen bekommt man ohne Sonderausstattung ab rund 70.000 EUR, der Wohnraum ist bei solchen Booten allerdings meist nur 30 m² bis 40 m² groß. Für eine komfortable Wohnraumgröße von 60 m² bis 80 m² muss man meist dann schon 100.000 EUR bis 200.000 EUR rechnen.

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Zu den Kosten zählen auch die Gebühren für den Liegeplatz.

Bei den modernen Hausbooten handelt es sich meist um schwimmende Häuser, die zwar theoretisch bewegt werden können, allerdings meist nur eingeschränkt. Zu den Kosten für das Boot kommen in Deutschland zwingend die Kosten für einen Liegeplatz, den man mieten muss. Die Liegeplatzmieten kosten je nach Hafen zwischen

Zunächst einmal ein Kostenbeispiel.

Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir kaufen ein modernes Hausboot mit einer Wohnfläche von 47 m² von einem Spezialanbieter. Das Hausboot soll seinen Liegeplatz nicht verlassen, damit ist die jährliche Versicherung etwas günstiger.

PostenPreis
Kaufpreis113.000 EUR
Versicherung pro Jahr1.600 EUR
Wartung und Reparaturen pro Jahr1.800 EUR
Liegeplatzgebühr550 EUR pro Monat – 6.600 EUR pro Jahr
zusätzliche Leistung Müllentsorgung150 EUR pro Monat – 1.800 EUR pro Jahr
laufende Kosten jährlich damit11.800 EUR
das sind monatlich983,33 EUR

Die hier gezeigten Kosten beziehen sich auf ein bestimmtes Hausboot-Modell und die Kosten an einem bestimmten Liegeplatz. Die Kosten für andere Hausboote und Liegeplätze können auch deutlich unterschiedlich liegen.

Frage: In welchem Preisrahmen bewegen sich Hausboote ungefähr?

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Größere Boote sind oft so teuer wie eine Stadtvilla.

Kostencheck-Experte: Bei der Anschaffung kann man für eine einigermaßen sinnvolle Wohnraumgröße meist von Kosten im Bereich von 100.000 EUR bis 250.000 EUR ausgehen. Für den Preis spielt die Ausstattung des Boots meist eine große Rolle, hier kann man mit Extrawünschen durchaus den Preis noch sehr deutlich in die Höhe treiben.

Bei größeren Booten (bis zu 250 m² Wohnfläche sind derzeit schon gebaut worden) können die Anschaffungskosten noch beträchtlich höher liegen – das kann bis zum Preis einer Stadtvilla gehen.

Umgekehrt findet man oft ältere, gebrauchte Hausboote, die man ab rund 50.000 EUR kaufen kann. Bei solchen Booten muss man allerdings in vielen Fällen dann einen deutlich höheren Wartungsaufwand pro Jahr rechnen als bei einem neu gebauten Hausboot.

Laufende Kosten

An laufenden Kosten sind zu rechnen:

  • die nötigen Versicherungen (bei kleineren Booten 1.000 EUR bis 2.000 EUR pro Jahr, steigt mit der Größe, außerdem höher wenn das Boot fahrbereit ist)
  • die Wartungs- und Instandhaltungsgebühren (jährlich rund 2.000 EUR bei kleineren Booten, deutlich mehr bei größeren Booten und älteren Booten)
  • die Liegeplatzgebühren und die Nebenkosten am Liegeplatz (vergleichbar mit den Mietkosten einer Wohnung, bei gefragten Liegeplätzen unter Umständen auch deutlich teurer)

Hausbootmiete

Wer nur im Urlaub ein Hausboot mieten möchte, muss für die Mietzeit ebenfalls mit zum Teil beträchtlichen Kosten rechnen.

Schon bei kleineren Hausbooten mit einer Größe von rund 30 m² muss man Mietkosten von rund 130 EUR bis 150 EUR je Übernachtung rechnen. Größere mobile Hausboote in bestimmten Revieren kosten allerdings meist bereits ein Mehrfaches davon, besonders in der Sommersaison. Zu den Mietkosten kommt auch noch eine Kaution, die bei vielen Anbietern deutlich über 1.000 EUR liegt. Kraftstoffkosten müssen dann zusätzlich noch gerechnet werden.

Frage: Wovon hängen die Kosten für ein Hausboot ab?

Kostencheck-Experte: Zu berücksichtigen ist hier immer:

  • wie groß das Hausboot ist und welche Ausstattung es hat
  • ob es fahrbereit ist (höhere Versicherung, beträchtliche Kraftstoffkosten)
  • welchen Liegeplatz man wählt (Liegeplatzgebühren)
  • ob das Hausboot gekauft oder gemietet wird
  • welche jährlichen Wartungskosten anfallen
  • welche Versicherungskosten anfallen
  • welche Nebenkosten am Liegeplatz noch zusätzlich anfallen (z. B. kostet Müllentsorgung oft noch 150 EUR pro Monat extra)

Frage: Wie sieht es steuerlich mit dem Wohnen auf einem Hausboot aus? Und welche Betriebskosten fallen an?

Kostencheck-Experte: Wer das Glück hat, „sein“ Hausboot gefunden zu haben und einzieht, hat vermutlich anfangs mit den Behörden zu kämpfen. Bisher neigen die Behörden meist dazu, Floating Houses oder Floating Homes als „Boot“ einzustufen – und nicht als Immobilie.

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Für ein Hausboot fällt keine Grundsteuer an.

Anders als beim Haus fällt dann keine Grundsteuer an. Eine für den Wasserbereich entsprechende Steuer gibt es nicht – dafür sind aber die Kosten für den Liegeplatz, die regelmäßig anfallen, zu tragen. Diese Kosten liegen durchaus im Bereich einer vergleichbaren Mietwohnung, je nach Attraktivität des Liegeplatzes oft noch höher. Stromanschluss ist an manchen Plätzen möglich, Müllgebühren bezahlt man dann oft noch oben drauf.

Alle zwei bis drei Jahre muss das Boot in die Werft, da für Boote umfassende technische Überprüfungen vorgeschrieben sind. Solche Werftaufenthalte sind nicht billig, meist ist der Transport dorthin nur sehr aufwendig zu organisieren.

Bei den Betriebskosten müssen Kosten für die Heizung gerechnet werden, bei mobileren Booten auch Kosten für den nötigen Kraftstoff. Strom lässt sich – bei bescheidenem Verbrauch – oft auch über Solarzellen auf dem Dach des Hausboots selbst erzeugen. Zusätzlich zu den Betriebskosten sind auch noch die Kosten für die vorgeschriebene Bootsversicherung zu rechnen.

Einfach auf dem freien Wasser darf man nicht festmachen, das stellt rechtlich ein Problem dar. Das wäre nur möglich, wenn man wirklich ständig mit dem Boot unterwegs ist, was allerdings dann enorme Kraftstoffkosten bedeuten würde. Bundeswasserstraßen sind rechtlich gesehen eine Art „Durchzugsstraßen“, Festmachen am Rand ist nur an bestimmten Stellen und nur jeweils für einige Stunden erlaubt. Ein „Wildcampen“ mit dem Hausboot funktioniert also – jedenfalls in Deutschland – rechtlich nicht.