Haus verklinkern: Welche Kosten fallen an?

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Klinkerfassaden erleben gerade eine neue Blüte: Immer mehr Hausbesitzer erkennen den Wert einer robusten, wetterfesten Fassadenverkleidung, die über Jahrzehnte praktisch keine Pflege braucht. Welche Kosten für das Verklinkern anfallen können, und wovon die Kosten abhängen, verrät der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Lohnt sich das Verklinkern einer Fassade tatsächlich?

Kostencheck-Experte: In der Regel lohnt sich eine Klinkerfassade sowohl finanziell als auch technisch recht häufig. Gerade bei nachträglicher Verklinkerung muss man aber immer genau hinsehen, ob es sich im Einzelfall tatsächlich lohnt, und finanziell sinnvoll ist. Hier können in einigen Fällen ur einige wenige verteuernde Faktoren schnell zu einer regelrechten Kostenexplosion führen.

Frage: Was kostet eine Klinkerfassade?

Kostencheck-Experte: Das kann man pauschal nur schwer beantworten. Zunächst muss man einmal unterscheiden, was tatsächlich gemacht wird:

  • eine klassische Vormauerschale beim Neubau
  • eine nachträglich angebrachte Vormauerschale
  • eine Verklinkerung der Fassade mit Klinkerriemchen
  • das Anbringen von Klinkerriemchen mit aufkaschierter Dämmung (sogenannte Isoklinker)

Frage: Welche Kosten muss man beim Neubau kalkulieren, wenn man ein zweischaliges Mauerwerk möchte?

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Die Preise für die Klinkerfassade variieren je nach Befestigungsart
Kostencheck-Experte: Hier kommen natürlich einige Faktoren zum Tragen, etwa die Art der gewählten Klinker und die Art der Befestigung – entweder auf Fundament oder mithilfe von Luftschichtankern.

Ein Beispiel: Wir wollen bei einem Neubau eine zusätzliche Klinkerfassade als Vormauerschale errichten lassen. Die Fassadenfläche beträgt 220 m². Verwendet werden sollen Handform-Verblender in guter Qualität im LDF-Format, es werden nach den entsprechendem Schichtmaß 53 Steine pro m² benötigt.

Posten Preis
Klinkersteine 6.490 EUR, auf Paletten geliefert
Kerndämmung 2.650 EUR
Weiteres Material 1.340 EUR
Arbeitslohn 10.640 EUR
Gesamtkosten 21.120 EUR

Das ist natürlich nur ein Beispiel – in anderen Fällen können die Kosten auch deutlich unterschiedlich sein.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Preise in diesem Fall ab?

Kostencheck-Experte: In diesem Fall – beim Neubau – fallen die Kosten für ein nachträglich zu errichtendes Fundament ja weg, das wird in diesem Fall ja insgesamt beim Bau schon mitgeplant. Als Kostenfaktoren bleiben beim Neubau also:

  • die Klinkersteine selbst
  • die Dämmung und
  • der Arbeitsaufwand

Frage: Welche Kostenunterschiede gibt es bei Klinkersteinen?

Kostencheck-Experte: Die Unterschiede in diesem Bereich können beträchtlich sein. Für Steine mittlerer Qualität und Härte als sogenannte Handformsteine müssen Sie ungefähr Quadratmeterpreise im Bereich von rund 25 – 35 EUR pro m² rechnen.

Wenn Sie hochwertige Vollsteine oder die besonders harten Keramik-Klinker wollen, müssen Sie im Allgemeinen aber bereits über 50 EUR pro m² rechnen. Die Obergrenze liegt bei etwa 70 EUR pro m² – höhere Preise werden nur mehr äußerst selten verlangt.

Die Bandbreite bei den Klinkersteinen allein liegt also zwischen rund 25 EUR pro m² und 70 EUR pro m².

Frage: Wie wirkt sich die Dämmung auf den Preis aus?

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Ausschlaggebend für den Preis der Fassade ist auch die Dämmung
Kostencheck-Experte: Die Dämmung hat ebenfalls einen massiven Einfluss auf den Gesamtpreis. Zunächst einmal besteht ja die Möglichkeit, dass bei entsprechendem Mauerwerk überhaupt keine Dämmung notwendig ist. Das ist aber selten, in der Regel wird hinter der Vormauerschale noch zusätzlich gedämmt, um die von der EnEV geforderten Werte beim Neubau zu erreichen oder sogar noch zu unterschreiten.

Wie genau Wandaufbau und Dämmstärke auszusehen haben ist aber eine Sache komplizierter Berechnungen – das gibt der Architekt in jedem Fall sehr genau vor.

Bei der Dämmung spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • die Art der Dämmung (Dämmplatten, Einblasdämmung, etc.)
  • die Art des verwendeten Dämmmaterials
  • der Dämmwert des Materials
  • die Stärke des Dämmschicht

Hier sind alle möglichen Konstellationen möglich, abhängig vom eigentlichen Mauerwerk hinter der Vormauerschale und seinem Wärmedurchgangswert. Damit können sich die Preise in einer sehr großen Spanne bewegen.

Frage: Inwieweit spielt dann noch der Arbeitsaufwand des Maurers eine Rolle für die Kosten?

Kostencheck-Experte: Nun – das Aufmauern von Sichtmauerwerk ist eine komplizierte Sache (als Laie sollte man so etwas deshalb besser nicht versuchen). Es muss sehr sorgfältig gearbeitet werden – und das kostet natürlich Zeit.

Der Arbeitsaufwand des Maurers richtet sich dann auch noch nach der Stärke des Mauerwerks und der genauen Ausgestaltung und Tragkonstruktion der Vormauerschale (auf Fundament oder mit sogenannten Luftschichtankern).

So grob über den Daumen gepeilt kann man die Kosten für das Aufmauern von Mauerwerk anhand der Mauerstärke abschätzen.

Mauerstärke Preis pro m²
11,5 cm – 17,5 cm rund 40 – 60 EUR pro m² Mauerwerk
24 cm rund 55 – 65 EUR pro m²
30 cm rund 65 – 75 EUR pro m²

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Auch das Verfugen muss mit eingerechnet werden
Das sind aber, wie gesagt, nur sehr grobe Richtwerte. Dazu kommt, dass jeder Maurer andere Preise verlangt, oft wird auch nach Stundensatz kalkuliert.

Für das Verfugen (beim Erstverfugen) werden meist rund 7 – 8 EUR pro m² zusätzlich verlangt. Wer von vornherein eine sogenannte Schattenfuge (Fugenglattstrich) anlegen lässt, erspart sich dann zumindest diese Kosten.

Am günstigsten ist aber immer, gleich einen Komplettpreis für die gesamte Fassade zu vereinbaren. Gerade bei Kalkulation nach Stundensatz können sonst die Preise bei ungünstigen Bedingungen schnell nach oben hin ausufern.

Frage: Das waren jetzt einmal die Kosten für die Vormauerschale beim Neubau. Wie sehen die Kosten aus, wenn man das nachträglich machen lässt?

Kostencheck-Experte: Auf jeden Fall deutlich teurer. Wie viel teurer lässt sich allerdings nur schwer sagen, da das stark von den Gegebenheiten vor Ort abhängig ist.

Die Kosten, die wir bereits beim Neubau veranschlagt haben – in unserem Beispiel waren das hochgerechnet etwa 96 EUR pro m² Fassadenfläche – müssen Sie auf jeden Fall veranschlagen.

In der Praxis werden Sie allerdings mit einigen Zusatzkosten rechnen müssen. Grob geschätzt werden die Preise bei einer nachträglichen Errichtung wohl mindestens im Bereich von 120 – 140 EUR pro m² liegen. Preise bis zu 190 EUR pro m² für eine zusätzliche, gedämmte Vormauerschale sind bei aufwändigen Konstruktionen aber durchaus vorstellbar.

Frage: Macht so eine nachträgliche Vormauerschale nicht auch oft Probleme?

Kostencheck-Experte: Ja, das kommt in vielen Fällen vor.

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Das nachträgliche Anbringen einen Klinkerfassade kann zu Problemen führen
Was beim nachträglichen Errichten häufig ein großes Problem darstellt, sind die Fensterlaibungen. Durch die Vormauerschale und den nötigen Hinterlüftungsabstand entstehen in einzelnen Fällen extrem tiefe Fensterlaibungen – das sieht dann alles andere als schön aus und macht auch technisch wegen der Dämmung oft Probleme.

Ein weiteres Problem ist dann der Wandaufbau: Wenn er nicht sehr sorgfältig durchgerechnet wird, kann es hier zu massiven Feuchtigkeitsschäden in der Folge kommen. Dafür reichen ein paar kleine Fehler schon aus.

In der Praxis sollte man beim nachträglichen Verklinkern oft besser zu anderen Methoden greifen.

Frage: Das bringt uns gleich zur nächsten Frage: Wie sehen die Kosten beim Verklinkern ohne Vormauerschale aus – und wie geht das?

Kostencheck-Experte: Die Technik ist hier ganz einfach: man verwendet Klinkerriemchen, die man direkt auf der Fassade anbringt, und die dann danach einfach verfugt werden.

Die Kosten liegen hier natürlich in einem deutlich anderen Bereich als bei der Vormauerschale: immerhin ist eine Vormauerschale eine zusätzlich errichtete Mauer, die Klinkerriemchen sind lediglich eine Fassadenverkleidung.

Im Allgemeinen können Sie von rund 20 – 30 EUR pro m² für die Riemchen ausgehen, besonders harte Klinker und spezielle Designs wie etwa Antik-Riemchen oder Vintage-Designs können dann auch durchaus bis zu 45 EUR pro m² kosten.

Dazu kommen dann noch die Verlegekosten – hier müssen Sie ab rund 35 EUR pro m² rechnen – und die Kosten für das Verfugen. Für ein Verfugen (wenn keine Schattenfuge angelegt wird) müssen Sie in diesem Fall ebenfalls rund 7 – 8 EUR pro m² rechnen.

Gesamt also, gerechnet auf unser voriges Beispiel:

Posten Preis
Klinkerriemchen 6.160 EUR
Anbringen und weiteres Material 8.360 EUR
Verfugen 1.760 EUR
Gesamtkosten 16.280 EUR

Was wir in unserem Beispiel nicht berücksichtigt haben ist natürlich ein eventuell nötiges Gerüst. Wie teuer so etwas sein kann, können Sie in diesem Beitrag erfahren.

Frage: Geht das nicht auch etwas kostengünstiger? Etwa durch selber Anbringen?

Kostencheck-Experte: Ja, diese Kosten kann man eventuell noch deutlich reduzieren. Man kann

  • günstigere Klinkerriemchen verwenden
  • eine Schattenfuge (Fugenglattstrich) anlegen lassen und natürlich
  • die Riemchen selber anbringen

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Klinkerriemchen sind oft im Angebot sehr günstig zu haben
Bei Klinkerriemchen gibt es immer wieder recht günstige Riemchen, oft auch Sonderposten, die als Restmengen besonders reduziert sind. Wenn man im Schnitt 8 – 10 EUR pro m² sparen kann, verringert das die Gesamtkosten schon um gut 1.700 EUR bis 2.000 EUR.

Lässt man anstatt dem klassischen Verfugen eine Schattenfuge anlegen, erspart man sich noch einmal weitere 1.700 EUR in unserem Beispiel, insgesamt liegen mit diesen beiden Maßnahmen die Gesamtkosten also bereits 25 % niedriger.

Man kann durchaus auch selbst die Klinker anbringen: das ist nicht so schwierig, wie man glaubt. Ein wenig ähnelt das dem Fliesenlegen, wenn man ein sogenanntes Verlegeraster verwendet, ist es aber sogar noch deutlich einfacher als Fliesenlegen. Wie es genau gemacht wird, ist hier beschrieben. In diesem Fall spart man sich dann rund die Hälfte der Gesamtkosten.

Frage: Sie sprachen auch von Klinkern mit Dämmung – wie viel teurer wird das?

Kostencheck-Experte: Isoklinker sind ein eigenes Thema, das nicht unkompliziert ist. Sie sind deutlich teurer – Kosten von bis zu 170 EUR pro m² inklusive der Montage müssen Sie dafür durchaus rechnen – das hängt aber natürlich von einigen Faktoren ab. Genauer kann man das an dieser Stelle nachlesen.

Frage: Zum Schluss: Wie ist die Kosten-Nutzen-Verhältnis im Vergleich zum einfachen Verputzen?

Kostencheck-Experte: Das ist noch eine wichtige Frage. Immerhin stehen ja viele Hausbesitzer vor der Entscheidung, ob sie ihr Haus verklinkern oder einfach verputzen sollen.

Wenn man sich die Kosten für eine Vormauerschale ansieht, scheint sich im ersten Moment der Putz natürlich zu lohnen. Das ist pro Quadratmeter Fassadenfläche sicherlich um bis zu 40 EUR pro m² günstiger.

Es gibt allerdings zwei Dinge, die man dabei in Betracht ziehen muss: Ein verputztes Haus muss in regelmäßigen Abständen neu gestrichen und auch das eine oder andere Mal neu verputzt werden. Das bedeutet einen erheblichen Aufwand – immerhin ist jedes Mal ein Gerüst notwendig, und die Arbeiten sind oft durchaus aufwändig. Wie viel das Streichen kostet, lesen Sie hier, die Kosten für das Verputzen erfahren Sie an dieser Stelle.

Eine Klinkerfassade kann leicht hundert Jahre alt werden – und braucht dabei kaum Pflege. Das gilt sowohl für die Vormauerschale als auch für das Verklinkern.

Gerade das Verklinkern kann eine gute Alternative zum ohnehin notwendigen Neuverputzen sein. Wenn man die Klinker dann noch dazu selber anbringt, fährt man auf lange Sicht meist deutlich kostengünstiger als mit einem Putz.

Tipps & Tricks

Es gibt natürlich auch noch andere Möglichkeiten, die Fassade wetterfest und pflegeleicht zu gestalten: eine Fassadenverkleidung oder Fassadenplatten sind durchaus auch Alternativen, über die man gegebenenfalls nachdenken sollte.

Text: Kostencheck.de
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