Lärmschutzwand: welche Kosten sind zu rechnen?

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Lärm ist gerade in den städtischen Bereichen und entlang viel befahrener Straßen ein großes Problem. Dass dauerhafte Lärmbelastungen krank machen können, ist wissenschaftlich erwiesen. Lärmschutzwände können in gewissem Rahmen Abhilfe schaffen. Der Kostencheck-Experte erklärt in unserem Interview, mit welchen Kosten dabei zu rechnen ist.

Frage: Was kostet eine Lärmschutzwand?

Kostencheck-Experte: Diese Frage kann man pauschal nicht beantworten. Lärmschutzwände werden immer individuell an die gegebene Lärm-Situation und an die örtlichen Voraussetzungen angepasst. Dazu kommen ganz unterschiedliche Bauweisen, in denen Lärmschutzwände ausgeführt sein können.

Abhängig von zusätzlich geltenden und zu beachtenden Normen (etwa der DIN 52210, der RLE der DB, der ZTV Lsw 88, etc.) fällt damit jede Gestaltung sehr individuell aus.

Zunächst muss einmal unterschieden werden:

  • ob eine „klassische“ Lärmschutzwand aus Beton errichtet wird
  • ob eine Lärmschutzwand aus Schalldämmsteinen errichtet wird
  • ob Lärmschutz-Zäune aus Beton oder anderen Materialien aufgestellt werden sollen
  • ob ein Lärmschutz-Gabionenzaun aufgestellt werden soll
  • ob eine andere, schalldichte Konstruktion als Lärmschutzwand ausreichend ist

Die Kosten unterscheiden sich je nach Art der Lärmschutzwand beträchtlich.

Eine klassische Lärmschutz-Betonwand gehört zu den teuersten Bauweisen in diesem Bereich. Bei fachgerechter Ausführung kann von Baukosten im Bereich von 800 EUR pro m² bis 1.200 EUR pro m² ausgegangen werden. Dazu kommen noch weitere Kosten für die Projektierung und für die erforderlichen Genehmigungen. Diese Kosten können auch bei vergleichsweise kleinen Lärmschutzwänden bis zu 2.000 EUR und mehr betragen.

Ein Selbstaufbau ist auch durch den Einsatz von Schalldämmsteinen möglich. Fundament- und Erdarbeiten können (oder sollten) dabei an Fachunternehmen ausgelagert werden, der Aufbau der Wand selbst ist allerdings auch in Eigenregie möglich.

Die Kosten dafür liegen deutlich niedriger, inklusive der benötigten Nebenarbeiten durch Fachunternehmen fallen hier Kosten ab rund 150 EUR pro m² bis 200 EUR pro m² Wandfläche an, wenn man die Wandsteine selbst verbaut.

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Zäune aus Fertigelemente kann der geschickte Heimwerker auch selbst aufbauen
Mögliche Alternative sind Lärmschutzzäune aus unterschiedlichen Materialien. Solche Zäune kann man als Fertig-Elemente kaufen, die Preise beginnen bei rund 80 EUR pro m² bis 90 EUR pro m². Dazu kommen gegebenenfalls noch die Errichtungskosten und die Fundamentkosten, wenn man den Zaun nicht selbst aufbauen möchte.

Durch die spezielle Konstruktionsweise und den mehrschichtigen Aufbau aus Holzfasern und thermoplastischen Kunststoffen kann zum Teil eine hohe lärmdämmende Wirkung erreicht werden. Manche Hersteller geben Lärmdämpfungswerte von bis zu 29 dB bei ihren Zäunen an.

Der Planungs- und Genehmigungsaufwand bei der Errichtung eines solchen Zauns ist deutlich geringer als für eine klassische Lärmschutzwand, solange übliche und erlaubte Zaunhöhen (bis rund 1,80 m) nicht überschritten werden.

Eine weitere mögliche Alternative sind Gabionenelemente. Je nach Befüllung der Gabionen kann durch den Zaun eine sehr hohe Lärmschutzwirkung erreicht werden. Besonders poröse Lavasteine als Füllmaterial bringt bereits von Natur aus hohe Lärmschutzfähigkeiten mit sich.

Die Preise liegen im Bereich üblicher Gabionen-Zäune, also ab rund 200 EUR bis 300 EUR je laufendem Meter. Abhängig von der Qualität des Füllmaterials können die Kosten allerdings auch durchaus höher liegen.

Wenn höhere Schallschutzanforderungen vorliegen, kann unter Umständen auch ein mehrschichtiger Aufbau der Gabionenelemente in Betracht kommen (Ortbeton- oder Sandkern, unterschiedliche Füllsteine innen und außen). Trapezförmige Aufbauten sorgen häufig für mehr Standsicherheit der Gabione, beide Maßnahmen verteuern aber natürlich den Preis.

Ein weiterer Vorteil von Schallschutzwänden in Gabionen-Bauweise ist, dass sie ab einer gewissen Breite nur eine sehr einfache Gründung und häufig kein tiefes Fundament benötigen. Das senkt die Kosten beim Aufbau, verringert den Aufwand und macht auch ein hohes Maß an Eigenleistung möglich. Auch der Planungs- und Genehmigungsaufwand hält sich – wie beim Lärmschutz-Zaunelement – in Grenzen.

Je nach gegebener Situation bieten sich im Einzelfall möglicherweise auch andere Alternativen zum Lärmschutz an. So kann unter Umständen auch ein Betonzaun zum Lärmschutz bereits Lärmdämmwerte von bis zu 30 dB bieten. Auch einige Holzzäune können mit guten (allerdings meist geringeren ) Lärmschutzwerten aufwarten.

Die Preise beginnen bei rund 120 EUR pro m² inklusive der kompletten Errichtung durch den Fachmann, können je nach Zaunart aber auch bis zu 300 EUR pro m² betragen. Einzelne Zaunelemente zum Selbstaufbau bekommt man ab rund 50 EUR bis 60 EUR je laufendem Meter, hochwertige Ausführungen mit höheren Schalldämmwerten können auch bis zum Doppelten und mehr kosten.

Auch bei diesen Zäunen sind die Kosten für die Planung und die erforderlichen Genehmigungen vergleichsweise gering.

Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir lassen uns eine Lärmschutzwand professionell planen und berechnen und bauen sie nach den geplanten Vorgaben auf. Im Kostenbeispiel finden Sie die reinen Materialkosten (ohne Aufbauleistung) und die Nebenkosten für Planung und Projektierung.
Die Erdarbeiten werden von einem Fachunternehmen für uns erledigt.

Die Lärmschutzwand soll 3,25 m hoch (ab Oberkante Fundament) und 35 m lang sein. Verwendet werden spezielle Lärmschutzsteine eines Unternehmens, die sich auch zum Selbstaufbau eignen. Die Lärmschutzwand wird in ein Blockfundament gesetzt.

Posten Preis
Bauantrag erstellen (Bauingenieur) 750 EUR
Erstellen des Standsicherheitsnachweises 750 EUR
Mutterboden abschieben und lagern (Erdarbeiten, Fachunternehmen) 340 EUR
Erdaushub schachten und transportieren (Erdarbeiten, Fachunternehmen) 840 EUR
Gründung verdichten (Erdarbeiten, Fachunternehmen) 340 EUR
Fundament-Baustoffe 2.940 EUR
Sockelbaustoffe (Betonschalungssteine, Betonlieferung) 2.750 EUR
Wandbausteine 5.300 EUR
Gesamtkosten ohne Aufbau-Arbeiten (Selbstaufbau) 14.010 EUR
Gesamtkosten pro m² Wandfläche damit 123,16 EUR pro m² Wandfläche bei Selbstaufbau, Nebenarbeiten durch Fachunternehmen

Bei diesem Kostenbeispiel handelt es sich lediglich um ein einzelnes Beispiel für einen konkreten Einzelfall. Abhängig von den örtlichen Gegebenheiten und den zu erreichenden Voraussetzungen können die Kosten in anderen Fällen auch deutlich unterschiedlich liegen.

Wäre der Aufbau dieser Mauer ebenfalls durch ein Fachunternehmen erfolgt, müsste mit rund 80 Arbeitsstunden zum jeweiligen Stundensatz gerechnet werden.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten für eine Lärmschutzwand insgesamt ab?

Kostencheck-Experte: Hier ist natürlich einiges zu bedenken:

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Auch Gabionen bieten sich als Lärmschutz an

  • welches Maß an Lärmschutz erreicht werden soll
  • welcher Platz für die Errichtung der Lärmschutzwand zur Verfügung steht
  • welche gesetzlichen Vorgaben und Normen eingehalten werden müssen (Abstände, zulässige Höchsthöhen und -breiten, Verminderung des Sonnenlichteinfalls, etc.)
  • welche Projektierungskosten anfallen
  • welche Bauweise gewählt wird
  • von wem die Lärmschutzwand errichtet wird
  • wie viel Eigenleistung beim Bau der Lärmschutzwand erbracht werden kann

Frage: Welchen Lärmschutz braucht man gewöhnlich?

Kostencheck-Experte: Das hängt allein von der gegebenen Situation ab.

Bei der Planung und Projektierung von klassischen Lärmschutzwänden wird meist eine Schallminderung von mindestens 5 dB bis 8 dB gefordert, die in mindestens einem Geschoss des dahinter liegenden Hauses erreicht werden muss.

Das erscheint auch tatsächlich sinnvoll. Akustisch gilt, dass bei einem um rund 10 dB verminderter Schallpegel der Lärm in etwa halb so laut wahrgenommen wird. Abhängig ist das allerdings auch von Schallintensität, Schallfrequenz und Einwirkungsdauer des Schalls.

Je nach Art und Umfang der Lärmbelästigung können im Einzelfall auch durchaus höhere Werte erforderlich sein, um ein angenehmes Klima ohne Schallbelästigung zu schaffen.

Um eine Schallminderung zu erreichen ist auch entscheidend, wo der Schall als geringer empfunden wird – und wo nicht.

Dafür ist maßgeblich, in welcher Entfernung eine Mauer vom Haus und von der jeweiligen Lärmquelle steht und welche Höhe sie hat. Die Lärmbelästigung in höheren Geschossen lässt sich dabei durch die üblichen Mauerhöhen meist kaum abschirmen.

Frage: Kann man Angaben, wie „Schalldämmfähigkeit von 30 dB“, als Maß für die Wirkung heranziehen?

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Einige Materialien schützen besser als andere; auch Kombinationen sind denkbar
Kostencheck-Experte: Den Lärmdämmfaktor, den beispielsweise Zaunhersteller angeben, kann man als Maß für die Lärmdämmung an sich nicht heranziehen. Es handelt sich um die lärmdämmenden Eigenschaften des Materials (z. B. 30 dB), das bedeutet aber nicht, dass hinter dem Lärmschutzzaun tatsächlich 30 dB Verringerung auftritt. Welches Maß an Lärmdämmung in bestimmten Räumen des Hauses oder auf dem Grundstück auftreten, muss aus Abständen und Zaunhöhe und einigen anderen Faktoren berechnet werden.

Frage: Welche Faktoren spielen für den Lärmschutz noch eine Rolle? Die Frequenz?

Kostencheck-Experte: Zu bedenken ist auch immer der sogenannte Infraschall. Dabei handelt es sich um Schall, der zwar außerhalb der menschlichen Hörweite liegt, ist er bei hohem Schalldruck dennoch wahrnehmbar und äußerst störend. Höchstwahrscheinlich ist ein höherer Schalldruck auf Dauer auch für Gehör, Gleichgewicht und innere Organe sowie für die Konzentrationsfähigkeit schädlich. Erzeugt wird Infraschall beispielsweise durch den Verkehr oder durch nahe Windkraftwerke.

Wenn ein Schallschutz geplant wird, sollten wenn möglich auch infraschall-absorbierende Materialien zum Einsatz kommen, besonders wenn mittelhohe oder hohe Schalldrücke vorliegen.

Die Berücksichtigung von Infraschall kann eine Lärmschutzwand unter Umständen verteuern.

Frage: Welche Kosten muss man für die Planung einer Lärmschutzwand rechnen?

Kostencheck-Experte: Die Planung bis zur Formulierung und Einreichung des Baunantrags kann entweder ein Architekt oder ein Bauingenieur übernehmen.

Die dafür zu bezahlenden Honorare sind in der HOAI verbindlich festgelegt.