Blitzableiter – welche Kosten fallen an?

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Die Zahl der schweren Unwetter in Deutschland nimmt von Jahr zu Jahr zu. Die durch Blitzschlag verursachten Schäden waren dabei in den letzten Jahren dabei ebenfalls beträchtlich. Ohne ordentlichen Blitzschutz geht man also große Risiken ein. Welche Kosten das Installieren eines Blitzableiters am Haus verursachen kann, erklärt ausführlich der Kostencheck-Experte im Interview.

Frage: Was kostet der Blitzschutz für ein Gebäude?

Kostencheck-Experte: Das kann man pauschal nicht sagen, das das immer auch von den Gegebenheiten am Gebäude und der Gebäudelage und -größe abhängt.

Im Allgemeinen werden Sie für ein freistehendes Einfamilienhaus durchschnittlicher Größe und mit einfachem Grundriss aber meist mit Kosten im Bereich von rund 2.500 EUR bis 3.500 EUR rechnen müssen.

Bei Gebäuden in problematischer Lage, mit besonderer Ausstattung oder größerer Grundfläche kann das auch in Einzelfällen geringfügig teurer werden. Wenn zusätzlich eine Photovoltaik-Anlage geschützt werden soll, müssen Sie ebenfalls mit höheren Kosten rechnen.

Wenn es um die Kosten geht, muss man aber zunächst immer erst festlegen, wovon man genau spricht:

  • vom inneren Blitzschutz
  • vom äußeren Blitzschutz als der reinen Fangeinrichtung
  • vom kompletten äußeren Blitzschutz mit Fangeinrichtung und Erdung

Der innere Blitzschutz bindet das energietechnische (elektrische Leitungen, Kabel, Elektrogeräte) und das informationstechnische (Datenleitungen) System mit in den Blitzschutz ein. Dabei kommen Überspannungschutzgeräte (sogenannte Ventilableiter) zum Einsatz. Diese Geräte schließen im Falle eines Einschlags die Leitungen des elektrischen und des informationstechnischen Systems für Millisekunden kurz und erdet sie, über ein dreistufiges System wird die auftretende Spannung dabei heruntergepegelt. Dadurch werden Schäden an Leitungen und angeschlossenen Geräten durch kurzzeitig auftretende Überspannungen (Überschläge) sicher verhindert. Beim energietechnischen System (Stromleitungen) kommt dabei ein anderer Schutz zum Einsatz als beim informationstechnischen System. Die Kosten für den inneren Blitzschutz liegen bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus meist zwischen 600 EUR und 1.600 EUR.

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Ein Blitzableiter besteht aus mehreren Teilen
Die Fangreinrichtung beim äußeren Blitzschutz ist der sichtbare Teil einer Blitzschutzanlage, direkt angeschlossen ist die Ableitung, in den meisten Fällen werden beide Teile als ein Ganzes gesehen. Fang- und Ableitungseinrichtung bilden in vielen Fällen den weniger aufwendig einzubauenden Teil der Blitzschutzanlage. Bei freistehenden Einfamilienhäusern durchschnittlicher Größe liegen die Kosten hier meist im Bereich von 1.000 EUR bis 3.000 EUR.

Die Fang- und Ableitungseinrichtung samt Erdung stellt eine komplette Blitzschutzanlage für den äußeren Blitzschutz dar. Zu den oben genannten Kosten für die Fang- und Ableiteinrichtung kommen bei typischen freistehenden Einfamilienhäusern dabei noch 500 EUR bis 4.500 EUR an Kosten für die Erdung (Potentialausgleich) hinzu.

Kostenbeispiel aus der Praxis

Wir lassen auf unserem freistehenden älteren Einfamilienhaus in durchschnittlicher Größe, das bisher noch nicht über einen Blitzableiter verfügte, nachträglich vom Dachdecker eine Blitzschutzanlage montieren. Zusätzlich installiert der Elektriker im Haus einen inneren Blitzschutz.

Posten Preis
Fangeinrichtung 1.300 EUR
Erdung 1.400 EUR
innerer Blitzschutz 800 EUR
Gesamtkosten 3.500 EUR

Hierbei handelt es sich natürlich lediglich um beispielhafte Kosten, die nur für ein bestimmtes Gebäude gelten. Die Kosten können bei anderen Gebäuden auch deutlich unterschiedlich liegen.

Frage: Von welchen Faktoren hängen die Kosten für den Blitzschutz ab?

Kostencheck-Experte: Hier muss man sich vor allem das Gebäude in seiner Form und Bauweise genau ansehen, aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle:

  • die Größe des Gebäudes
  • die Lage des Gebäudes (bestimmt die Zahl der notwendigen Ableitungen)
  • die Dachgeometrie und die vorhandenen Dachaufbauten (Regenrinnen, etc.)
  • das Material der vorhandenen Dachaufbauten
  • ob eine Photovoltaik-Anlage zusätzlich geschützt werden muss
  • ob ein innerer Blitzschutz angebracht wird

Alle diese Faktoren entscheiden darüber, wie der Blitzschutz genau ausgeführt wird. Am Dach muss ein fachgerechtes und vollständiges „Fangnetz“ für den Blitz geschaffen werden, damit er nirgendwo einschlagen kann. Das kann je nach Form und Größe des Gebäudes sowie des Dachs unterschiedliche Ausgestaltungen nötig machen.

Frage: Kann man die Kosten beim Neubau beziffern – dort ist es ja ein Leichtes, den Blitzschutz gleich mit zu berücksichtigen?

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Bei einem Neubau sind die Kosten für den Blitzschutz leichter zu kalkulieren
Kostencheck-Experte: Ja, dort sind die Kosten leichter abzuschätzen, da man den Blitzschutz ja direkt bei der Planung des Gebäudes entsprechend mit einplanen kann.

Die Kosten beim Neubau sind überdies auch meist ein wenig geringer, weil der Blitzschutz für das Gebäude gleich miteingeplant wird und viele Arbeiten beim Errichten des Gebäudes gleich direkt mit erledigt werden können.

Beim Neubau kann man die Kosten dabei recht gut anhand von Prozentwerten überschlagsmäßig rechnen: Fang- und Ableiteinrichtungen kosten üblicherweise 0,3 % – 0,5 % der Bausumme, die Erdungsanlage verursacht beim Neubau meist Kosten im Bereich von 3 % – 5 % der Bausumme.

Insgesamt müssen Sie also mit einem Kostenaufwand von rund 3,5 % bis 5,5 % der Bausumme für den Blitzschutz rechnen. Daraus erkennt man dann auch, dass für größere und komplexere Gebäude nicht nur die Baukosten, sondern auch die Kosten für den Blitzschutz natürlich entsprechend steigen.

Frage: Inwieweit spielt eine Rolle, ob eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach montiert ist?

Kostencheck-Experte: In der Praxis empfehlen Experten, eine Anlage mit einer Leistung von mehr als 10 kWp unbedingt in den Blitzschutz mit einzubinden und mit Blitzschutzklasse III abzusichern.

Bei kleineren Anlagen hängt es von den örtlichen Gegebenheiten ab, ob ein Miteinbeziehen der Photovoltaikanlage in den Blitzschutz sinnvoll ist – in der Regel ist das aber auch bei kleinen Anlagen der Fall. Eine Ausnahme besteht höchstens, wenn entweder:

  • das Dach so groß ist, dass ein ausreichender Mindestabstand zwischen PVA und Blitzableiter eingehalten werden kann und
  • die PVA im Schutzwinkel des Blitableiters montiert ist

Wenn die Photovoltaikanlage die höchste Erhebung am Dach ist, sollte sie allerdings auf jeden Fall in den Blitzschutz mit einbezogen werden. Das bedeutet dann entsprechende zusätzliche Kosten. Wie hoch sie ausfallen hängt allein von den örtlichen Gegebenheiten ab, in vielen Fällen ist es bei kleineren Anlagen bereits ausreichend, die unteren Halterungen der PVA in die Ableiteinrichtung mit zu integrieren.

Frage: Warum spielt das Material der Dachaufbauten eine Rolle für die Kosten der Blitzschutzanlage?

Kostencheck-Experte: Grob gesprochen ist es so, dass je höherwertiger das Material der Dachaufbauten – vor allem Regenrinnen und Ablaufrohre – ist, desto teurer kommt auch der Blitzschutz.

Der Grund dafür ist einfach: eine Blitzschutzanlage muss immer aus dem leitfähigsten Material am Dach bestehen. Bei einer Kupferdachrinne bedeutet das beispielsweise, dass eine Kupferlegierung für die Blitzschutzeinrichtung zum Einsatz kommen muss. Das ist deutlich teurer.

Bei etwas schlichteren Aluminium-Rinnen oder Rinnen aus Edelstahl, wie sie ohnehin bei den meisten Häusern üblich sind, können allerdings die kostengünstigeren Materialien für den Blitzschutz zum Einsatz kommen.

Auch die Zahl der vorhandenen Dachaufbauten (Regenrinnen, Regenablaufrohre aber auch beispielsweise Satellitenschüsseln) bestimmt den Preis für den Blitzableiter mit. Je mehr von ihnen vorhanden sind, desto teurer wird die Blitzschutzanlage am Ende.

Frage: Kann man den Blitzschutz auch selbst anbringen?

Kostencheck-Experte: Beim inneren Blitzschutz sollte man auf jeden Fall den Elektriker seine Arbeit tun lassen.

Beim äußeren Blitzschutz ist es möglich, die Blitzschutzeinrichtungen selbst anzubringen, wenn man sich damit auskennt. In der Regel sind hierfür aber häufig auch Anpassungsarbeiten am Dach erforderlich – damit sollte man sich möglichst auskennen oder einen Dachdecker um Hilfe bitten.

Frage: Mit welchen Materialkosten muss man rechnen, wenn man seinen Blitzschutz selber anbringt?

Kostencheck-Experte: Die Materialkosten für einen Blitzschutz liegen relativ gering – in der Regel muss man für die meisten Einfamilienhäuser etwa 500 EUR Materialkosten aufwenden. Für sehr aufwendige Konstruktionen können die Materialkosten allerdings auch bis zu rund 1.000 EUR gehen.

Wer seinen Blitzschutz also fachgerecht selbst anbringen kann, spart auf jeden Fall insgesamt deutlich an Kosten.

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Die Erdungsanlage ist der teuerste Teil
Am teuersten ist dabei die Erdungsanlage, die Kosten von 500 EUR bis 1.500 EUR verursachen kann. Für eine Fangstange muss man meist Kosten im Bereich von 25 EUR bis 90 EUR rechnen, 100 kg Draht erhält man im Allgemeinen für rund 300 EUR bis 400 EUR.

Einen inneren Blitzschutz kann man in der Regel allerdings nicht selbst einbauen. Hier ist es zwingend nötig, den Elektriker mit dem Einbau der entsprechenden Überspannungsgeräte zu beauftragen.

Frage: Kann die Blitzschutzanlage dann so einfach in Betrieb gehen?

Kostencheck-Experte:

Ein selbst errichteter Blitzschutz muss nach der Errichtung von einem Fachunternehmen begutachtet und auch abgenommen werden. Dafür fallen in der Regel noch zusätzliche Kosten an, die meist im Bereich von rund 200 EUR bis 300 EUR liegen. Im Zuge dieser Abnahme wird die gesamte Anlage geprüft.

Nicht vergessen sollte man übrigens auch die Überprüfung und Wartung der Blitzschutzanlage: üblicherweise sollte man einen Blitzableiter alle 4 – 5 Jahre prüfen lassen, egal ob er von einem Unternehmen oder in Eigenregie errichtet wurde. Die Kosten für eine solche Prüfung betragen meist zwischen 50 EUR und 200 EUR. Je nach Zahl der Ableitstellen und Nebenerdungen können dann noch Zuschläge erhoben werden. Auch mit diesen laufenden Kosten sollte man beim Blitzschutz also rechnen.

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